36 | ZAHNMEDIZIN SECHSTE DEUTSCHE MUNDGESUNDHEITSSTUDIE (DMS • 6) Fazit: Das sind die Konsequenzen für die Versorgung A. Rainer Jordan Im vergangenen Jahr hatte das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) die ersten Ergebnisse der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) vorgestellt, dieses Jahr folgten die Auswertungen aus der Wiederuntersuchung der Studienteilnehmenden der Vorgängerstudie. Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus den beiden Untersuchungen für die zahnmedizinische Versorgung? Der erste Teil der Studie bezog sich auf die derzeitige Verbreitung (Prävalenz) oraler Krankheiten in der Bevölkerung. Die zentrale Botschaft lautete: Prävention wirkt – nachhaltig! Mithilfe der longitudinalen Verlaufsbeobachtung können wir nun die Erkrankungsverläufe (Progression) und deren Initiation (Inzidenz) betrachten und nachvollziehen, wie sich orale Erkrankungen über einen Zeitraum von gut neun Jahren entwickeln. Aus der Zusammenschau dieser beiden Datenquellen lassen sich folgende Haupterkenntnisse aus der DMS • 6 ableiten: Erhöhte Kariesdynamik während der Adoleszenz Mit den neuen Ergebnissen schließen wir gewissermaßen eine Lücke in der Kariesepidemiologie, denn unsere bisherigen Mundgesundheitsstudien konzentrierten sich auf die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Altersgruppen für oralepidemiologische Untersuchungen: 12-Jährige sowie 35- bis 44-Jährige. Zwischen diesen Altersgruppen bestehen jedoch erhebliche Unterschiede in der Mundgesundheit. Unsere longitudinalen Daten zeigen, dass die Adoleszenz ein kritisches Alter zur Aufrechterhaltung eines kariesfreien Gebisses ist, denn in diesem Jahrzehnt reduziert sich der Anteil kariesfreier Personen um die Hälfte auf 48 Prozent. Gleichzeitig sehen wir Unterschiede in der Dynamik der Kariesentwicklung, je nachdem, ob bereits eine Karieserfahrung vorlag oder ob man kariesfrei in diesen Lebensabschnitt geht: Mehr als jeder zweite Jugendliche, 54 Prozent, der bereits eine Karieserfahrung aufwies, zeigte eine weitere Progression der Erkrankung. Bei kariesfreien Kindern hingegen waren es lediglich 43 Prozent. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass das Ausmaß zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1182) Prof. Dr. med. dent. A. Rainer Jordan, MSc Wissenschaftlicher Direktor Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) Universitätsstr. 73, 50931 Köln Foto: IDZ Fotos: Sudarsan Thobias - stock.adobe.com
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