Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

48 | ZAHNMEDIZIN Meinen, die unter Federführung des RKI erarbeitet wurde, wurden ohne Angabe von Patientenzahlen zwischen 2012 und 2019 14.912 Bakterienisolate aus 34 MKG-Kliniken und 5.733 Isolate aus 299 zahnärztlichen Praxen untersucht [Meinen et al., 2021]. Da bei den Studien verschiedene Ausgangsdaten zugrunde gelegt werden (zum Beispiel Bakterienisolate, Bakterienstämme, Abstriche, Resistenztests), ist ein direkter Vergleich schwierig. So bezeichnet in der Mikrobiologie zum Beispiel ein Bakterienisolat die konkrete Probe, die einem Patienten entnommen und im Labor gezüchtet wurde, wohingegen ein Bakterienstamm die biologische Klassifizierung dieser Bakterien ist. Ein Isolat wird also zum Stamm, wenn seine genetischen oder phänotypischen Eigenschaften wissenschaftlich exakt bestimmt sind. In den aktuellen Veröffentlichungen der Unikliniken Bonn, Jena und Berlin werden Resistenzquoten genannt, deren Ausgangsbasis durchaus unterschiedlich ist. So geben Fischer et al. die Anteile der Infektionen an, bei denen mindestens ein Pathogen resistent auf das genannte Antibiotikum war [Fischer et al., 2025]. In der Untersuchung aus Bonn wird der Anteil der antibiotikaspezifischen, resistenten Bakterienstämme an der Gesamtzahl der vorgefundenen Stämme genannt [Heim et al., 2021], Die Daten der Charité beziehen sich auf den antibiotikaspezifischen Anteil an allen vorgefundenen resistenten Erregern [Neckel et al., 2025]. In den Publikationen von Meinen beziehungsweise Bigus et al. [Meinen et al., 2021; Bigus et al., 2023] werden auch explizit die Resistenzraten verschiedener Antibiotika auf Streptokokken spp. und Staphylokokkus aureus aufgeführt. Aus Gründen der Vergleichbarkeit sind die jeweiligen Daten in zwei Tabellen gegenübergestellt worden (Tabellen 3, 4). Die Ergebnisse der Untersuchungen aus den zahnärztlichen Praxen werden separat dargestellt, da es sich hier um komprimierte Daten aus 299 zahnärztlichen Praxen in Deutschland handelt [Meinen et al., 2021] (Tabelle 5). Die Resistenzbestimmungen an den drei deutschen Universitätskliniken ergaben bei Penicillin G zum Teil schon hohe Resistenzquoten (bis 27,4 Prozent), während bei Clindamycin sogar Quoten bis 38,9 Prozent nachgewiesen werden konnten. Damit kann zumindest für diese beiden Wirkstoffe bereits von einer deutlich eingeschränkten Wirksamkeit im stationären Bereich gesprochen werden (Tabelle 3). Auch bei der differenzierten Betrachtung der Resistenzen von Streptokokken und Staphylokokken fallen die Makrolide und Clindamycin mit besonders hohen Resistenzquoten auf. Staphylokokken sind besonders im stationären Bereich eine relevante Bakterienspezies, gegen die fast alle geteszm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1194) RESISTENZQUOTEN IM STATIONÄREN BEREICH Antibiotikum MKG Uniklinik Bonn1 MKG Uniklinik Jena2 MKG Charité, Berlin3 Penicillin G 11,7 23,7 27,4 Ampicillin 12,6 19,7 17,7 Amoxicillin/Clavulans. — 6,9 — Ampicillin/Sulbactam 4,3 — 9,7 Clindamycin 17,5 38,9 27,4 Moxifloxacin 1,9 4,5 3,2 Quellen: 1) Heim et al. 2021, 2) Fischer et al. 2025, 3) Neckel et al. 2025 Tab.3: Resistenzquoten (in %) verschiedener Antibiotika im stationären Bereich Tab.4: Resistenzquoten (in %) verschiedener Antibiotika im stationären Bereich bei Streptokokken spp., Staph. aureus und Anaerobiern. RESISTENZQUOTEN BEI STREPTOKOKKEN SPP., STAPH. AUREUS UND ANAEROBIERN Antibiotikum Daten aus 34 MKG-Kliniken1 MKG Uniklinik Wien2 Strept. spp. Staph. aureus Strept. spp. Staph. aureus Anaerobier Penicillin G 8 > 65 12 — — Aminopenicillin 6,9 > 65 — — — Ampicillin — — 94 — 0 Clindamycin 19,4 > 17 34 41 41 Makrolide 36,6 > 17 33 45 — Metronidazol — — — 40 19 Quellen: 1) Meinen et al. 2021, 2) Bigus et al. 2023

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