Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

50 | PRAXIS UMGANG MIT DER FEAR OF PEOPLE'S OPINION Wenn Selbstzensur das ganze Team lähmt Menschen, die Bewertungen und Meinungen von Kollegen und Vorgesetzten fürchten, können Hemmungen und Frust am Arbeitsplatz entwickeln. Gleichzeitig entgehen dem Team ihre Ideen und Impulse. Was hinter diesem Phänomen steckt und was Praxischefs tun können, um der sogenannten „Fear of People's Opinion“ (FOPO) entgegenzuwirken, erfahren Sie hier. Es gibt diese Mitarbeiter und Kollegen, die eher still sind, die sich wenig einbringen oder die lieber gehen, als in einer Situation weiter zu diskutieren. Sie treten schüchtern auf, obwohl sie kompetent sind. Sie holen sich kein Feedback ein, sondern grübeln darüber nach, was in fremden Köpfen vorgeht. Sie zeigen FOPO. „Das Ungute daran: Auch, wenn sie fachlich gut sind, können dadurch inkompetent wirken“, beschreibt Dr. Anke Handrock, Zahnärztin, Coach und Kommunikationstrainerin für Zahnärzte und Betriebe im Gesundheitswesen, die Folgen. Eine gewisse Rücksichtnahme und Anpassung in sozialen Situationen wie dem gemeinsamen Praxisalltag seien grundsätzlich normal, stellt sie vorweg klar. „Anders wären Teamfähigkeit und gute Kommunikation kaum möglich. Auch ein gewisses Arousal vor sozialen Auftrittssituationen ist normal. Das steigert sogar bei vielen die Leistungsfähigkeit.“ Auch der Wunsch, nicht negativ aufzufallen und niemanden zu enttäuschen, sei bis zu einem gewissen Maß menschlich. „Denn jeder möchte seiner Gruppe zugehörig und bestenfalls gut angesehen sein.“ Mehr als normale Unsicherheit Bei FOPO ist das anders. Der Handlungsspielraum verengt sich. „Die Menschen werden vorsichtiger, sie wägen übergenau ab, was sie wem sagen. Sie entschärfen Aussagen aus Angst vor Konfrontation und ärgern sich später darüber. Sie werden indirekter, sagen nicht mehr klar, was sie denken, halten sich zurück“, macht Handrock deutlich. Dahinter verbirgt sich die Angst, dass man nicht gut genug sein könnte oder dass die anderen einen nicht mögen und sogar ablehnen könnten. „Es entsteht dieses permanente Darübernachdenken: War das jetzt richtig? Bin ich gut genug? Was denken die anderen über mich, wenn ich dies oder jenes sage? Oder: Mögen die anderen mich noch?“ Schwierig wird es, wenn die Angst übermächtig wird und anfängt, ganze Verhaltensweisen zu bestimmen. Wenn man lieber nicht sagt, was man wirklich denkt – FOPO beginnt dort, wo man sich privat und beruflich ausbremst. Foto: golubovy - stock.adobe.com zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1196)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=