Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

GESELLSCHAFT | 55 York. Jeder einzelne Buchstabe ist mit einer solchen Präzision von Hand gemalt, dass er wie gedruckt aussieht. Es gibt einen spielerischen Kontrast zwischen diesem Text, einer vermeintlich gestempelten Nummer, die ihn als Scheck 4864 kennzeichnet, dem vertikalen Hinweis „ORIGINAL“ und dem „handgeschriebenen“ Text, einschließlich des Datums und der Signatur des Künstlers. „Funktioniert“ hat der Deal deshalb, weil Tzanck Kunstexperte war. Als Kenner hat der Zahnarzt nie versucht, den Scheck einzulösen, dem ambitionierten Sammler und späteren Mäzen (siehe Kasten) muss der wahre Wert des ungedeckten Schecks sogleich bewusst gewesen sein. Später kaufte Duchamp seinen TzanckScheck vom Zahnarzt zurück – übereinstimmenden Berichten zufolge für deutlich mehr als die aufgemalten 115 US-Dollar. mg zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1201) DER ZAHNARZT UND DIE KUNST „SALON DER VERRÜCKTEN VÖGEL“ Daniel Tzancks Eltern waren in den 1880er-Jahren aus Georgien nach Paris ausgewandert, wo sein Vater eine Kefir-Fabrik eröffnete. Ab 1912 unterhielt Tzancks älterer Bruder, der Arzt Arnault Tzanck, mit dem Dichter Guillaume Apollinaire, dem Schriftsteller Henri-Pierre Roché und der Malerin Marie Laurencin eine enge Beziehung, wodurch er die Brüder in die avantgardistischste Literatur- und Kunstszene von Paris einführte. Etwa um dieselbe Zeit begann Daniel Tzanck, Werke von Fauvisten wie André Derain, Raoul Dufy und Kees van Dongen zu sammeln. 1923 wurde er Mitbegründer der SAC (Société des Amateurs d’art et des Collectionneurs). Bis in die 1930er-Jahre organisierte die Gesellschaft von Kunstliebhabern regelmäßige Ausstellungen mit Werken von Jean Crotti, Suzanne Duchamp, Francis Picabia, Picasso und anderen, von Tzanck wurden die Treffen „Salon de la Folle Enchère“ (Salon der verrückten Vögel) genannt. Tzanck schrieb häufig für das SAC-Mitteilungsblatt und schlug 1925 vor, dass Paris ein Museum für moderne Kunst (oder ein Museum für lebende Künstler) gründen sollte und reklamierte, dass „man nach Moskau reisen muss, um eine repräsentative Sammlung der neuesten französischen Kunst zu bewundern“. Aus: Stark, Trevor: „Daniel Tzanck“ The Modern Art Index Project (November 2016), Leonard A. Lauder Research Center for Modern Art, The Metropolitan Museum of Art. https://doi.org/10.57011/NQBY6758 Das Original des „Tzanck Check“ ging als Schenkung an das Israel-Museum in Jerusalem, ein 1938 angefertigtes Faksimile befindet sich in der Sammlung des M+ Museums in Hongkong. Foto: Alexina and Marcel Duchamp Papers (MDP), Philadelphia Museum of Art Archives, sutthichai – stock.adobe.com

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