Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

56 | ZAHNMEDIZIN DER BESONDERE FALL MIT CME Rezidiv einer odontogenen Keratozyste im Unterkiefer mit Nervbeteiligung Josephine Ionfrida, Bilal Al-Nawas, Peer W. Kämmerer Die odontogene Keratozyste stellt eine klinisch relevante, entwicklungsbedingte odontogene Läsion dar, die trotz ihres benignen Charakters durch ein lokal aggressives Wachstum und eine ausgeprägte Rezidivneigung gekennzeichnet ist. Insbesondere im Unterkiefer kann eine enge Lagebeziehung zu funktionell wichtigen Strukturen die chirurgische Therapie erheblich erschweren. Dieser Fall beschreibt die Therapie eines Rezidivs einer Keratozyste mit enger Lagebeziehung zum N. mentalis. Nach externer Zuweisung stellte sich ein Patient zur weiteren Abklärung eines radiologisch suspekten Befunds im rechten Unterkiefer vor. Im Rahmen einer routinemäßigen bildgebenden Kontrolle war der Verdacht auf ein Rezidiv einer odontogenen Keratozyste geäußert worden. Anamnestisch war vor mehr als fünf Jahren alio loco eine Keratozyste in regio 45 exzidiert worden; im Zuge dessen erfolgte eine Wurzelspitzenresektion des Zahnes 45. Klinisch gab der Patient ein dezentes Druckgefühl im betroffenen Areal an. Die Sensibilität im Versorgungsgebiet des N. alveolaris inferior rechts war nicht eingeschränkt. Eine Schwellung oder lokale Entzündungszeichen ließen sich nicht feststellen. Aufgrund der Rezidivanamnese und der zu erwartenden Nähe zum N. mentalis wurde primär eine dreidimensionale Bildgebung indiziert. Die digitale Volumentomografie (DVT) ergab eine circa 1 cm × 1 cm messende, glatt begrenzte, rundliche Osteolyse in regio 45 mit unmittelbarer Nachbarschaft zum Foramen mentale. Klinik und Bildgebung ließen ein Rezidiv der bekannten Keratozyste als wahrscheinlichste Diagnose erscheinen (Abbildungen 1 und 2). Im Konsens mit dem Patienten entschieden wir uns für eine erneute Zystektomie. Der Eingriff wurde in Intubationsnarkose durchgeführt. Die Darstellung der Läsion erfolgte durch die Bildung eines Mukoperiostlappens. Dabei zeigte sich eine Perforation des Zystenbalgs im Bereich des Nervenaustritts (Abbildung 3). Der Nervus mentalis wurde vorsichtig mobilisiert und aus dem Operationsfeld verlagert, um eine nervschonende Resektion zu gewährleisten. In Anbetracht der engen topografischen Beziehung zur Zyste wurde nach vorheriger Rücksprache mit dem Patienten als intraoperative Entscheidung der Zahn 45 extrahiert, um eine komplette Entfernung des Zystengewebes sicherzustellen. Anschließend konnte die Läsion vollständig entfernt werden (Abbildung 4), die umgebenden Knochenwände inklusive des noch bestehenden Daches des Nervkanals wurden zur Rezidivprophylaxe ausgefräst. Der entfernte Befund wurde zur histopathologischen Untersuchung in die Pathologie gesendet. Die histopathologische Aufarbeitung bestätigte die klinische VerdachtsAbb. 1: Ausdehnung des Befunds im DVT, axiale Ansicht zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1202)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=