64 | GESELLSCHAFT INTERVIEW MIT DR. ALEXANDER DORSCHNER ÜBER SPORTZAHNMEDIZIN IM EISHOCKEY „Die Spieler wollen nach einem Trauma sofort wieder aufs Eis“ Wenn beim Eishockey Puck oder Schläger aufs Gesicht treffen, muss es schnell gehen. Teamzahnarzt Dr. Alexander Dorschner betreut die Saale Bulls in Halle und erklärt, warum Mundschutz im Profisport noch immer keine Selbstverständlichkeit ist, wie Zahntraumata versorgt werden und weshalb Mundgesundheit auch eine Frage der Leistungsfähigkeit ist. Herr Dr. Dorschner, Sie betreuen die Saale Bulls als Teamzahnarzt. Wie sind Sie dazu gekommen? Dr. Alexander Dorschner: Ich spiele selbst in der zweiten Mannschaft der Saale Bulls und Eishockey ist meine Leidenschaft. Für mich verbindet sich da Beruf und Hobby. Wie sieht diese Betreuung konkret aus? Viele stellen sich darunter zunächst die Betreuung bei akuten Verletzungen am Spielfeldrand vor. Das gehört natürlich dazu, aber es ist nur ein Teil. Wir betreuen nicht nur die Mannschaft selbst, sondern auch den Staff sowiedie Partnerinnen und Partner. Dazu zählen Routinekontrollen, Behandlungen und Zahnreinigungen. Wir sind also nicht nur für den Notfall oder den abgebrochenen Zahn zuständig, sondern im Grunde für die Mundgesundheit des gesamten Vereins. Sind Sie bei den Spielen vor Ort? Ich bin nahezu bei jedem Heimspiel dabei. Der Mannschaftsarzt steht unten an der Bande – wenn er nicht da ist, vertrete ich ihn auch allgemeinmedizinisch. Wenn etwas akut Zahnmedizinisches passiert, werde ich dazu gerufen und versorge zunächst notfallmäßig. Je nach Dringlichkeit fahren wir anschließend in die Praxis. Wie häufig kommt es vor, dass sich ein Spieler im Gesicht oder an den Zähnen verletzt? Das kommt regelmäßig vor. Profispieler tragen kein Vollgitter wie unter 18-Jährige oder Hobbyspieler, sondern meistens ein Halbvisier. Dadurch sind Lippe und Frontzähne dem Spielgeschehen stark ausgesetzt. Bei Puck- oder Stocktreffern kann schnell etwas passieren. Warum tragen Profispieler dann kein Vollgitter? Zum einen, weil es als uncool gilt. Das muss man so ehrlich sagen. Zum anderen geht es für die Profis um Wahrnehmung und Leistung. Sie wollen so viel wie möglich sehen, das Spielgeschehen bestmöglich mitbekommen und sich nicht eingeschränkt fühlen. Eishockey ist ihr Beruf, sie stehen unter hohem Druck und wollen maximal performen. Da spielt jedes Detail eine Rolle. Welche Verletzungen mit oraler Beteiligung treten Ihrer Erfahrung nach am häufigsten bei Eishockeyspielern auf? Sportbezogen sind es vor allem Traumata. Es betrifft etwas zur Hälfte Hartgewebe und zur Hälfte Weichgewebe. Wenn ein Mundschutz getragen wird, bleibt es häufiger bei kleineren blutigen Verletzungen. Ohne Mundschutz oder bei ungünstigem Treffer sind häufiger auch Zähne betroffen. Ein Klassiker sind Frontzähne, etwa durch Puck oder Schläger. Es können aber auch Seitenzähne betroffen sein, insbesondere restaurierte Zähne. Bei einem Check an der Bande oder einem Einschlag können die Zahnreihen ohne einen Mundschutz hart aufeinandertreffen. Dann bricht auch im Seitenzahnbereich mal etwas ab. Das merkt der Spieler manchmal nicht sofort im Spiel, sondern erst ein oder zwei Tage später. Wie läuft die Erstversorgung bei einem Trauma konkret ab? Das hängt vom Ausmaß der Verletzung ab. Kleinere Cuts können direkt an der Bande oder in der Kabine versorgt werden. Blutend darf ein Spieler nicht zurück aufs Eis, das muss gestillt und vom Schiedsrichter akzeptiert werden. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass ein Zahn am Spielfeldrand extrahiert wird und der Spieler danach direkt wieder aufs Eis zurück geht. Häufiger sind Kontusionen, Lockerungen oder Dislokationen, die dann am Spielfeldrand provisorisch geschient werden. Wenn wir nach dem Spiel direkt in die Praxis fahren, verlieren wir netto vielleicht zwei Stunden. Im Vergleich zu vielen anderen Zahntraumata, bei denen Patientinnen und Patienten erst deutlich später in der Praxis ankomzm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1210) Dr. Alexander Dorschner ist Teamzahnarzt der Saale Bulls Halle. Gemeinsam mit Dr. Thomas Buchmann führt er die Zahnarztpraxis Dr. Buchmann und Dr. Dorschner in Halle (Saale). Foto: privat
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