30 | ZAHNMEDIZIN DEUTSCHE MULTICENTERSTUDIE Parodontaltherapie-App verfehlt Erwartungen Können Informationen aus einer speziell für die Parodontaltherapie entwickelten App den Therapieerfolg erhöhen? Eine deutsche Multicenterstudie kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Trotz klinischer Verbesserungen ließ sich kein zusätzlicher Therapieeffekt durch die App nachweisen. Entscheidend war offenbar auch, dass die angebotenen Inhalte nur wenig und nicht immer zielgerichtet genutzt wurden. Die moderne Parodontitistherapie betont die Mitwirkung des Patienten als einen Faktor für den Therapieerfolg. Deshalb konzentriert sich die erste Stufe des Behandlungskonzepts auf die Kontrolle der Risikofaktoren im häuslichen Umfeld. Dass Mundhygieneunterweisungen Prävention und Therapie wirksam unterstützen können, ist vielfach belegt. Verschiedene Studien haben jedoch auch gezeigt, dass mündlich vermittelte medizinische Informationen von den Patientinnen und Patienten häufig nur unzureichend rezipiert werden. Die vorliegende Multicenterstudie ging daher der Frage nach, ob eine speziell entwickelte App dazu beitragen kann, Patientenaufklärung und Therapieerfolg zu verbessern. Die Studie war Teil des Forschungsprojekts „Paro-ComPas“ (Digitaler Patienten-Kompass für ParodontitisVersorgung), das vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert wurde. Ziel des Projekts war die Entwicklung und wissenschaftliche Erprobung einer mobilen Gesundheits-App für Patienten mit chronischer Parodontitis. Das Projekt stand unter der Konsortialführung des Universitätsklinikums Heidelberg und wurde mit rund 891.000 Euro gefördert. Die App sollte als „digitaler Begleiter“ die Mitarbeit der Patienten an der Therapie fördern und damit die Versorgungsqualität verbessern. Die im Vorfeld zur Studie entwickelte App bot kurze Wissenssequenzen und verständliche Erklärvideos zu den Krankheitsursachen und zum Behandlungsablauf, eine Erinnerungsfunktion für die Behandlungsschritte und Kontrolltermine sowie Tipps für eine bessere Mundhygiene und Ernährung. Die multizentrische RCT-Studie zur Überprüfung der Wirksamkeit der App wurde von sieben deutschen Universitätszahnkliniken durchgeführt. Erwachsene mit Parodontitis (n = 194) wurden der Standard-Parodontalbehandlung entweder mit oder ohne Begleitung durch die Paro-ComPas-App zugeteilt, 180 Teilnehmer begannen die Studie, 148 schlossen sie vollständig ab. Keine signifikanten Unterschiede zwischen der Test- und der Kontrollgruppe Primärer Endpunkt war der Gingivablutungsindex (GBI) zu Studienbeginn, bei der Nachuntersuchung und während der unterstützenden Parodontaltherapie. Zu den sekundären Endpunkten zählten Plaque und Blutung auf Sondierung. Beide Gruppen zeigten in Folge der Parodontaltherapie deutliche klinische Verbesserungen – sowohl im Hinblick auf den primären Endpunkt (GBI) als auch auf die sekundären Endpunkte. Unadjustiert zeigte sich sogar ein Vorteil für die Kontrollgruppe (Differenz 7,70 Prozentpunkte). Nach Adjustierung fand sich kein signifikanter Unterschied mehr zwischen den Gruppen. Ein Effekt durch den Einsatz der App war nicht festzustellen. Auffällig war, dass die Nutzung der App hinter den Erwartungen zurückblieb. „Von den 59 Artikeln in der WissensMit jeder Einführung einer neuen digitalen Gesundheits-App stellt sich die Frage nach ihrem Nutzen. Die Initiatoren des Projekts „Paro-ComPas“ haben die Wirksamkeit der App vor einer möglichen Veröffentlichung in einer Multicenterstudie überprüft. Foto: www.parocompass.de zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1272)
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