Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 17

32 | TITEL ZAHNVERLUST IM JUGENDALTER Autotransplantation als Alternative Maria Abdin, Christian H. Splieth, Elisabeth Goetze, Ahmad Al Masri, Rakan Hamad, Andrea Rau Zahnverluste im Jugendalter, etwa nach einem Frontzahntrauma oder einer ausgedehnten Karies im Seitenzahnbereich, sind therapeutisch anspruchsvoll. Konventionelle prothetische Lösungen sind oft aufwendig und müssen über Jahrzehnte funktionell und ästhetisch bestehen. Wie dieser Fall zeigt, kann die Autotransplantation eigener Zähne unter bestimmten Umständen eine Alternative sein. Eine gesunde 17-Jährige stellte sich mit einer komplexen KronenWurzel-Fraktur und einer apikalen Ostitis am malformierten Zahn 35 bei Zustand nach endodontischer Wurzelkanalbehandlung vor 2,5 Jahren vor (Abbildung 1). Die Patientin befand sich in der Retentionsphase nach abgeschlossener kieferorthopädischer Behandlung. Die intraorale Untersuchung zeigte eine Frakturlinie, die sich vom lingualen Höcker bis zum mittleren Drittel der Wurzel erstreckte. Ihre Zähne wiesen einen dicken gingivalen Biotyp auf. Es gab keine Anzeichen von Parodontopathien. Die zweiten unteren Prämolaren zeigten eine morphoanatomische Anomalie mit Verdacht auf Hypotaurodontie (Abbildung 2). Die Patientin gab an, dass keine genetischen Erkrankungen bekannt seien, was jedoch nicht diagnostisch überprüft worden war. Die Prognose des Zahnes 35 wurde aufgrund der Längsfraktur als sehr schlecht eingestuft – und die Indikation zur Extraktion gestellt. Die radiologische Analyse mittels Panoramaschichtaufnahme (Abbildung 3) und DVT (Abbildung 4) zeigten für Zahn 28 eine günstige Wurzelform und Morphologie sowie eine zur Empfängerregion passende klinische Kronenbreite. Damit wies der Zahn eine nahezu ideale Passform auf und erforderte lediglich eine minimale Konditionierung der Empfängerregion. Die Patientin und ihre Eltern wurden daraufhin ausführlich über die mögliche Autotransplantation des nicht durchgebrochenen dritten Molaren 28 in Regio 35 sowie über mögliche Behandlungsalternativen informiert. Mit der Operation wurde eine antibiotische Prophylaxe mit einem Singleshot Ampicillin und Sulbactamsäure (drei Gramm intravenös) eingeleitet. Der frakturierte Zahn 35 wurde vorsichtig extrahiert, der zu transplantierende Zahn 28 atraumatisch – und möglichst ohne Wurzelberührung – entfernt und kurzzeitig in einer Nährlösung (Hersteller: Dentosafe® Zahnrettungsbox) aufbewahrt. Die Transplantationsalveole wurde mit rotierendem Instrument in kaudaler Richtung minimal aufbereitet, wobei darauf geachtet wurde, das vorhandene Parodont soweit möglich zu erhalten (Abbildung 5). Der transplantierte Zahn konnte in der Alveole platziert und nach Erreichen eines passenden Sitzes in leichter Infraokklusion mit Nähten fixiert werden. Postoperative Anweisungen, einschließlich sanftes Zähneputzen, weiche Kost und regelmäßige Mundspülung, wurden erteilt. Nachkontrollen in den Folgemonaten zeigten eine gut geheilte Gingiva. Weder eine pathologische Mobilität noch eine Farbveränderung des Zahnes 28 waren festzustellen (Abbildung 6). Die Vitalitätsproben im Rahmen der Nachsorge waren positiv. Diskussion Bereits im Kindes- und Jugendalter können bleibende Zähne verloren gehen oder eine stark eingeschränkte Prognose aufweisen. Betroffen sind häufig Frontzähne nach Traumata oder stark kariös zerstörte beziehungsweise enzm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1274) Abb. 1: Längsfraktur des endodontisch behandelten, malformierten Prämolaren Foto: Poliklinik für Kinderzahnheilkunde, Universitätsmedizin Greifswald

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