zmSTARTER | 81 zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1323) INTERVIEW MIT MHB-KANZLER DR. GERRIT FLEIGE „Dass wir in Brandenburg an der Havel sind, ist kein Zufall!“ Ende August eröffnete die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) im Rahmen eines feierlichen Festakts in Anwesenheit von Ministerpräsident Dietmar Woidke ihre neue Universitätszahnklinik in Brandenburg an der Havel. Die Versorgung von Patienten startete bereits am 3. August. MHB-Kanzler Dr. Gerrit Fleige erklärt, was den Modellstudiengang vom klassischen Zahnmedizinstudium unterscheidet, was die moderne Klinik so besonders macht und warum die Hochschule damit auch dem Zahnärztemangel im ländlichen Raum begegnen will. Herr Dr. Fleige, der Start der neuen Universitätszahnklinik ist noch ganz frisch. Entsteht dort aus Ihrer Sicht wirklich etwas Neues – jenseits von moderner Architektur und digitaler Ausstattung? Dr. Gerrit Fleige: Neu ist vor allem, dass Brandenburg erstmals eine zahnmedizinische Ausbildung bekommt – und zwar mit einem Modellstudiengang, der von Beginn an auf die Versorgung, die klinische Praxis und den ländlichen Raum ausgerichtet ist. Und natürlich ist auch die Klinik selbst, so wie sie gebaut ist, tatsächlich sehr modern. Die Klinik wurde als eine der modernsten universitären Zahnkliniken Europas angekündigt. Woran machen Sie diesen Anspruch konkret fest? Wir ziehen in ein denkmalgeschütztes, umfassend modernisiertes Gebäude, in dem die Patientenversorgung, die klinische Ausbildung und die vorklinische Ausbildung sehr nah beieinander liegen. Zugleich werden wir in der Ausbildung konsequent digital arbeiten. Ein wichtiger Unterschied zu vielen klassischen Zahnkliniken ist die bauliche Organisation. Im Studentenkurs gibt es bei uns keine großen Behandlungssäle, sondern normale Behandlungsräume. Sie sind im gesamten Gebäude gleich ausgestattet – vom studentischen Kurs bis zur Assistenzarzt- oder Chefarztbehandlung. Die Behandlungsräume sind in einem U angeordnet, mit Glasfronten und zugleich vollständiger Privatsphäre. Zentral angeordnet ist ein Supervisionsbereich, von dem aus die integrierten Kurse begleitet und die Studierenden betreut werden. Wichtig ist uns außerdem eine intensive praktische Ausbildung. Die Studierenden betreuen ihre Patientinnen und Patienten nicht nur während des Semesters, sondern auch in der vorlesungsfreien Zeit. Dadurch sammeln sie mehr Praxiserfahrung, können komplexere Behandlungen realitätsnäher durchführen und sichern zugleich eine kontinuierliche Betreuung der Patientinnen und Patienten. Welche Behandlungen, Abläufe oder Ausbildungssituationen werden durch die neue Klinik künftig möglich, die bislang nur eingeschränkt umsetzbar waren? Die bisherige Hochschulambulanz war im Grunde eine kleine Praxis. Dort konnten unsere berufenen Professorinnen und Professoren bereits mit der Behandlung beginnen. Das Ganze war allerdings lediglich eine Übergangslösung. Mit der neuen Klinik können wir die Patientenversorgung, die klinische und die praktische Ausbildung in einer völlig anderen Breite abbilden – mit insgesamt 40 Behandlungseinheiten ist das ein ganz anderer Rahmen. Welche zahnmedizinischen Disziplinen sind an der neuen Klinik vertreten? Ist auch die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie eingebunden? Vertreten sind die klassischen zahnmedizinischen Disziplinen: konservierende Zahnheilkunde, Prothetik, Kieferorthopädie sowie MKG beziehungsweise Oralchirurgie. Für diesen Bereich läuft derzeit das Berufungsverfahren. Sollte die Professur mit einem Oralchirurgen oder einer Oralchirurgin besetzt werden, erfolgt die MKG-Abdeckung über kooperierende Kliniken. Sie haben angekündigt, dass mehr als 40 vernetzte Behandlungsplätze und eine KIgestützte Diagnostik vor Ort sein werden. Wo genau kommt KI im klinischen oder im studentischen Alltag zum Einsatz? Konkrete Einsatzfelder sind zunächst die Röntgendiagnostik und die Kariesdetektion. Darüber hinaus prüfen wir, wie KI die Befunderfassung, die Behandlungsplanung und die Patientenprozesse sinnvoll unterstützen kann. Eine Rolle spielt die KI aber nicht nur in der Behandlung, sondern auch in der Lehre, in der Forschung und bei der Organisation. Studierende, Mitarbeitende und Universitätsangehörige können für Forschung und Lehre bereits KI-Angebote nutzen. Außerdem setzen wir KI in administrativen Abläufen ein, etwa in der Studierendenbetreuung über zum Teil KI-basierte Chatbots. Dr. Gerrit Fleige ist Kanzler der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB). Foto:MHB
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