Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 18

28 | POLITIK KZV UND ZÄK ZUR ABGEORDNETENHAUSWAHL IN BERLIN Überreglementierung und wirtschaftliche Zwänge erdrücken die Zahnärzteschaft Am 20. September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Welche Sorgen plagen die Zahnärztinnen und Zahnärzte, was erwartet die Zahnärzteschaft von der Landespolitik? Wir haben Dr. Jana Lo Scalzo, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Berlin, und Dr. Bianca Göpner-Fleige, Präsidentin der Zahnärztekammer (ZÄK) Berlin, gefragt. Wie steht es um die zahnmedizinische Versorgung in Berlin? Dr. Jana Lo Scalzo (KZV Berlin): Die gute Nachricht vorweg: Die Versorgung ist gesichert. Aber sie ist kein Selbstläufer. Die Zahl der Zahnärztinnen und Zahnärzte in Berlin ist seit vielen Jahren stabil. Gleichzeitig sinkt allerdings die Zahl der Praxen, weil immer mehr Zahnärzte angestellt arbeiten. Zudem ist in Berlin – wie in vielen anderen Bundesländern – der Altersdurchschnitt der aktiven Zahnärzte recht hoch. Dieser Strukturwandel verändert die ambulante Versorgung. Deshalb muss die Politik jetzt die Rahmenbedingungen für Praxisstandorte und insbesondere für die Niederlassung stärken, damit die Versorgung in den Bezirken auch langfristig wohnortnah und flächendeckend gesichert bleibt. Dr. Bianca Göpner-Fleige (ZÄK Berlin): Insgesamt ist die zahnmedizinische Versorgung in Berlin gut. Jedoch gibt es in einigen Bezirken eine hohe Dichte zahnärztlicher Versorgung und in einigen wenigen tendenziell eine Unterversorgung. Wer in Berlin von Fachkräftemangel spricht, meint eher ein Verteilungsproblem. Alle wollen an den Ku’damm, nur wenige nach Spandau oder Hellersdorf. Welche Themen beschäftigen die Zahnärztinnen und Zahnärzte? Lo Scalzo: Die Berliner Zahnärzteschaft blickt mit großer Sorge auf die Entwicklung des zahnärztlichen Versorgungswerks. Gleichzeitig erleben die Praxen immer mehr gesetzliche Eingriffe und Einschränkungen. Auf Bundesebene verschärft das kürzlich verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz den wirtschaftlichen Druck. Auch mögliche weitere einschränkende strukturelle Vorgaben durch die „Finanzkommission Gesundheit“ bis Ende 2026 werden kritisch gesehen. Um die Versorgung zu sichern, brauchen wir dringend gute, verlässliche statt ständig wechselnde Rahmenbedingungen. Göpner-Fleige: Die Berliner Zahnärzte belasten im Praxisalltag vor allem die ausufernde Bürokratie, die Digitalisierung sowie Sicherheits- und Hygieneanforderungen. Wir sind völlig überreglementiert. Alle wiederholen mantraartig den Bürokratieabbau, und trotzdem wird durch immer weitere Vorgaben immer mehr Bürokratie geschaffen. Mit welchen Schwierigkeiten kämpft die Zahnärzteschaft? Lo Scalzo: Die Berliner Zahnarztpraxen stehen zunehmend unter Kostendruck und gleichzeitig fehlt es an Fachkräften. Steigende Personal-, Energie-, Material- und Dienstleistungskosten treffen auf ein deutlich schwächeres Umsatzwachstum. Die Bürokratie nimmt weiter zu. Das bindet Zeit und Ressourcen, die in der Versorgung fehlen. Besonders für kleinere und inhabergeführte Praxen wird es zunehmend schwieriger, wirtschaftlich zu arbeiten und gleichzeitig attraktive Arbeitsplätze anzubieten und damit in die Zukunft des Praxisstandorts zu investieren. Göpner-Fleige: Unseren Praxen bereiten die ausufernde Bürokratie und die Digitalisierung große Probleme und Hindernisse. Wenn zum Beispiel neue TI-Vorgaben umgesetzt werden müssen, arbeiten wir oft auch abends oder am Wochenende daran, unsere Praxen fit und angebunden zu halten. Belastend sind auch massive Kostensteigerungen durch Einhaltung von immer höheren Sicherheitsauflagen und Validierungspflichten. Wer soll das alles bezahlen? Übertriebene Sicherheits- und Hygieneanforderungen, wie zum Beispiel der Leiterbeauftragte, geben uns zeitlich, inhaltlich und kapazitiv den Rest. Eine Zahnärzteschaft, der das Wohl der Patienten anvertraut ist, ist wohl in der Lage, betriebssichere Leitern einzusetzen. Eine weitere Herausforderung ist es, für uns zahnmedizinisches Fachpersonal zu finden und langfristig zu binden, das zm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1366) Dr. Jana Lo Scalzo, stellv. Vorstandsvorsitzende KZV Berlin Dr. Bianca Göpner-Fleige, Präsidentin ZÄK Berlin Foto: FVDZ Foto: ZÄK Berlin/ARNO

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