TITEL | 39 sigem PRF (Low-RCF-Protokoll 44 ×g) biologisiert worden war, aufgefüllt. Das Augmentat wurde mit einer porcinen Kollagenmembran (Purgo BioCover™) abgedeckt und mittels PTFE-Nähten (4-0) befestigt (Abbildung 7) und das Implantat provisorisch versorgt (Abbildung 9). Verlauf und klinisches Ergebnis Im weiteren Verlauf zeigte sich elf Tage post OP eine suffiziente klinisch sichtbare Wundheilung (Abbildung 9), die nach zehn Wochen weitgehend abgeschlossen erschien (Abbildung 10). Nebenbefundlich war ein teilweiser Verlust der provisorischen Versorgung zu erkennen. Zwölf Wochen nach Implantation zm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1377) HINTERGRUND Der Ersatz entzündlich oder atrophisch verlorengegangener Knochensubstanz durch Augmentation ist seit Jahrzehnten etabliert. Klassischerweise wird ein dichter Wundverschluss angestrebt, um die bakterielle Besiedlung des Augmentats zu verhindern [Terheyden, 2021]. Terheyden weist darauf hin, dass eine makroskopisch feste Adaptation gut durchbluteter Wundränder keinen bakteriendichten Verschluss gewährleistet, die Biofilmbildung im Augmentat jedoch verzögern kann. In definierten Situationen kann dabei „die Barrierefunktion von PRF und Membranen ausreichen“. Materialien und zelluläre Reaktionen Augmentative Verfahren beruhen auf dem Zusammenspiel von Biomaterial, Defektmorphologie und zellulärer Wundheilungsantwort. Dabei treten Immunreaktionen mit mononukleären Zellen, Lymphozyten, Fibroblasten und Makrophagen auf. In einigen Fällen sind auch Fremdkörperreaktionen mit mehrkernigen Riesenzellen zu beobachten, die Einfluss auf die Integration und die Langzeitstabilität der Augmentation nehmen können [Al-Maawi et al., 2017]. Neben klassischen augmentativen Maßnahmen im Sinne einer Socket- oder Ridge Preservation kann der Alveolenverschluss mittels solider PRF-Plug-Matrix eine biologische Alternative beziehungsweise Ergänzung darstellen. Die S3-Leitlinie „Einsatz von Platelet-Rich Fibrin (PRF) in der dentalen Implantologie“ zeigt, dass der Alveolenverschluss mittels PRF-Plug den Volumenerhalt im Kieferkamm verbessern und den Verlust der Kieferkammbreite gegenüber spontaner Wundheilung reduzieren kann [AWMF, 2022]. PRF hat sich als ein vielversprechendes Biomaterial herausgestellt, das Heilungsprozesse unterstützen und die Regeneration von Knochenund Weichgewebe fördern kann [Choukroun et al., 2006]. PRF-Zentrifugationsprotokolle Platelet-Rich Fibrin ist ein autologes Blutkonzentrat, das ohne Zusatz von Antikoagulantien aus dem peripheren Blut des Patienten gewonnen wird [Choukroun et al., 2006; Ghanaati et al., 2014]. Es enthält eine hohe Konzentration an Thrombozyten, Leukozyten und Wachstumsfaktoren, die an der Geweberegeneration beteiligt sind. PRF kann in flüssiger oder in fester Form angewendet werden. [Ghanaati et al., 2014; Miron et al., 2017]. Das Low-Speed Centrifugation Concept (LSCC) beschreibt systematische Zentrifugationsprotokolle, bei denen die relative Zentrifugalkraft gezielt variiert wird. Die relative Zentrifugalkraft (RCF) beeinflusst die Anzahl der Zellen (Thrombozyten, Leukozyten sowie die Konzentration freigesetzter Wachstumsfaktoren) im Fibrin und die Menge des gewonnenen Fibrins. Die Bioaktivität steigt mit der Anzahl der Zellen. Das nach dem High-RCF-Protokoll gewonnene PRF enthält den größten Fibrinanteil. Das Low-RCF-Protokoll hingegen liefert besonders zellreiche PRF-Präparate mit hoher Bioaktivität – vorteilhaft für die Förderung der Angiogenese und der initialen Wundheilung [Ghanaati et al., 2014; Ghanaati & Al-Maawi, 2019]. Biologisierung mittels PRF Ziel der Biologisierung ist die gezielte Modulation des Heilungsprozesses durch die Förderung regenerativer Zellantworten. Die Wirkung von PRF entfaltet sich über mehrere Mechanismen, dazu zählt seine Funktion als Reservoir für Wachstumsfaktoren (zum Beispiel PDGF, TGF-β, VEGF), als provisorische Matrixstruktur sowie als modulierender Stimulus für Makrophagen und Fibroblasten. Durch die hohe Zell- und Wachstumsfaktordichte in PRF können frühe inflammatorische und angiogene Prozesse moduliert werden, was die Gewebeintegration von Augmentaten beschleunigen kann [Choukroun et al., 2006; Al-Maawi et al., 2019]. Zahlreiche Studien zeigen, dass PRF die Heilung sowohl im Weich- als auch im Hartgewebe verbessert und gleichzeitig postoperativen Komplikationen vorbeugen kann [Miron et al., 2017]. Der Alveolenverschluss mittels PRF-Plug kann den Volumenerhalt gegenüber einer spontanen Heilung verbessern und wird in der S3-Leitlinie für offen abheilende Alveolen als Behandlungsoption genannt [AWMF, 2022; Sharma et al., 2020; Marenzi et al., 2015; Molina-Barahona et al., 2025]. Die Kombination von PRF mit Knochenersatzmaterialien oder Kollagenmembranen ermöglicht eine zusätzliche biologische Aufwertung herkömmlicher Augmentate, so auch bei Socket-Sealing, Ridge Preservation und implantologischen Behandlungen. ZENTRIFUGATIONSPROTOKOLLE NACH DEM LOW-SPEED CENTRIFUGATION CONCEPT Protokoll RPM RCF (× g) Zeit (min) High RCF 2.400 710 8 MediumRCF 1.200 177 8 LowRCF 600 44 8 Tab. 1: Zentrifugationsprotokolle nach dem Low-Speed Centrifugation Concept (LSCC) für eine Zentrifuge mit 110 mm Radius (Process for PRF™, Nizza, Frankreich; mectron, Köln, Deutschland). Angaben standardisiert: RCF in ×g, RPM gerätespezifisch; Berechnungsradius 110 mm. Quelle: [Ghanaati & Al-Maawi, 2018]
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