Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 18

80 | GESELLSCHAFT EINSATZ IN VIETNAM MIT DEVIEMED Die Spaltversorgung ist eine interdisziplinäre Langzeitbehandlung Martin Scheer In Vietnam treten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKGS) vergleichsweise häufig auf. Neben den gesundheitlichen Einschränkungen und Beschwerden kommt häufig soziale Ausgrenzung hinzu. Deshalb setzt sich unser Verein Deviemed seit bald 30 Jahren nicht nur für die operative Spaltversorgung, sondern auch für die interdisziplinäre Behandlung und die Nachsorge ein. LKGS gehören weltweit zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Für Europa werden 4,5 bis 12,5 Fälle je 10.000 Lebendgeborene angegeben, für Vietnam 5,4 bis 14,3 Fälle. Da in Vietnam mehr Kinder geboren werden als in vielen europäischen Ländern, ist somit auch die absolute Zahl der betroffenen Kinder hoch. Die Entstehung ist multifaktoriell und beruht auf dem Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren während der frühen Embryonalentwicklung. Zu den maternalen Risikofaktoren zählen eine unzureichende perikonzeptionelle Versorgung mit Folsäure und anderen Mikronährstoffen, Rauchen, ein präexistenter Diabetes mellitus sowie bestimmte teratogene Medikamente, insbesondere Antiepileptika. Auch Alkohol, Infektionen und Mangelernährung werden als mögliche Einflussfaktoren diskutiert. Dazu beeinflussen die sozioökonomischen Bedingungen die Ernährung, die Vorsorge und den Zugang zur Gesundheitsversorgung. Für eine ursächliche Bedeutung von Dioxinen aus Agent Orange, einem chemischen Entlaubungsmittel, das das US-Militär im Vietnamkrieg einsetzte, besteht trotz tierexperimenteller Hinweise bislang keine ausreichende epidemiologische Evidenz. Die Exposition gilt daher als möglicher, nicht als gesicherter Risikofaktor. Leider ist die kontinuierliche interdisziplinäre Versorgung in Vietnam nicht flächendeckend gewährleistet. Große Zentren in Hanoi, Hue oder Ho-ChiMinh-Stadt können umfassende Behandlungen anbieten, sind für Familien aus abgelegenen und wirtschaftlich benachteiligten Regionen jedoch häufig nur durch lange und kostspielige Reisen erreichbar. Internationale Teams mildern dieses Versorgungsdefizit, konzentrieren sich aber vielfach auf Primäreingriffe, insbesondere Lippenverschlüsse. Gaumenverschlüsse, Restlöcher und weitere Sekundäreingriffe bleiben teilweise unberücksichtigt, wie wir festgestellt haben. Das Versorgungsdefizit vor allem auf dem Land ist groß Deviemed wurde 1995 auf Initiative des vietnamesischen Kieferchirurgen Dr. Khue Do-Quang gegründet. Angesichts erheblicher Versorgungsdefizite bei Kindern mit Gesichtsspalten warb er bei seinen MKG-Kollegen in Deutschland um Unterstützung. Als gemeinnützig anerkannte Vereinigung behandeln wir auch komplexe Primär- und Sekundärfälle. Bei den zwei jährlichen Einsätzen arbeiten MKG-Chirurgie, Anästhesie, HNOHeilkunde, Logopädie, Kieferorthopädie sowie OP- und Anästhesiepflege zusammen – dadurch ermöglichen wir sowohl eine interdisziplinäre Patientenversorgung als auch die Weiterbildung lokaler Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte. Die Fortbildung vor Ort ist dabei ein zentraler Bestandteil der „Hilfe zur Selbsthilfe“. Bei den zwei jährlichen Einsätzen arbeiten alle beteiligten Fachrichtungen Hand in Hand: MKG-Chirurgie, Anästhesie, HNO-Heilkunde, Logopädie, Kieferorthopädie sowie OP- und Anästhesiepflege. Foto: DEVIEMED zm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1418)

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