Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 19

46 | ZAHNMEDIZIN DER BESONDERE FALL MIT CME Autogene Prämolarentransplantation bei doppelseitiger Gemination Elias Jean-Jacques Khoury, Marie Chantal Khoury, Fouad Khoury Entwicklungsbedingte Anomalien der Oberkieferfront im Kindesalter stellen den Behandler vor ein grundsätzliches Dilemma: Prothetische oder implantologische Lösungen scheiden bei nicht abgeschlossenem Kieferwachstum aus, während ein bloßes Zuwarten den funktionellen und psychosozialen Leidensdruck des Patienten verlängert. Der Fall zeigt als Alternative eine autogene Zahntransplantation bei der seltenen Ausgangslage einer doppelseitigen Gemination der mittleren Schneidezähne. Ein zehnjähriger, allgemein gesunder Junge wurde zur Abklärung einer Zahnanomalie im Oberkieferfrontzahnbereich vorgestellt. Klinisch imponierten stark verbreiterte mittlere Schneidezähne (Zähne 11 und 21) mit einer zentral verlaufenden Längsfurche, entsprechend dem klinisch-morphologischen Erscheinungsbild einer dentalen Gemination (Abbildung 1). Bei dieser seltenen Entwicklungsstörung kommt es infolge einer unvollständigen Teilung eines Zahnkeims zur Ausbildung einer verbreiterten Zahnkrone, häufig verbunden mit einer zentralen Furche sowie einer verzweigten Pulpakammer. Die radiologische Befundung bestätigte eine Doppelanlage beider Zähne mit zentraler Fissur und vergrößerter Pulpakammer mit weitlumigem Foramen apicale. Bemerkenswert war dabei das noch weitlumige Foramen apicale der Zähne 11 und 21, da der Wurzelschluss mittlerer Inzisivi in diesem Alter meist bereits abgeschlossen ist. Differenzialdiagnostisch ist die Gemination von der Fusion abzugrenzen. Beide gehen klinisch mit einer verbreiterten Krone einher, lassen sich jedoch anhand der Zahnzählung unterscheiden: Bei der Gemination entsteht der überbreite Zahn durch unvollständige Teilung eines einzelnen Keims, so dass die Zahnzahl im Bogen regelrecht bleibt. Bei der Fusion verschmelzen zwei benachbarte Keime, wodurch ein Zahn in der Zählung fehlt. Im vorliegenden Fall war die Zahnzahl vollständig, was zusammen mit der beidseitig symmetrischen Ausprägung die Diagnose der doppelseitigen Gemination sicherte. Die Morphologie führte zu funktionellen Einschränkungen der Phonetik und Artikulation sowie zu einem erheblichen ästhetischen Leidensdruck im sozialen Umfeld des Kindes. Zudem bestand eine ausgeprägte Platzproblematik: Die übermäßige Breite der Zähne 11 und 21 verhinderte die regelrechte Einordnung der seitlichen Schneidezähne 12 und 22 (Abbildung 2). In der Abb. 1: Klinische Ausgangssituation bei Erstvorstellung, frontale Ansicht: Gemination der Zähne 11 und 21 mit symmetrischer Breitenvergrößerung und zentral verlaufender Längsfurche zm116 Nr. 19, 01.10.2026, (1480)

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