zm116 Nr. 19, 01.10.2026, (1492) 58 | PRAXIS zu minimieren. „Die Schattenseite zeigt sich an heißen Tagen: Bei extrem gedämmten Neubauten kann sich der Effekt ins Gegenteil verkehren. Einmal eingedrungene Hitze – durch große Fenster oder Elektrogeräte – kann nicht mehr nach außen abgegeben werden, wodurch sich Gebäude im Sommer wie in einer Thermoskanne aufheizen“, warnt Schulze. Bei einem Bestandsbau müssen die baulichen und die miet- beziehungsweise eigentumsrechtlichen Bedingungen beachtet werden. Eine Anpassung der Fenstergrößen oder ein Umbau der Fenster für eine natürliche Nachtlüftung sei meist nicht möglich, gibt der Architekt zu bedenken. „Für außenliegende Verschattungseinrichtungen gibt es neben den konstruktiven Vorgaben der Befestigung auch die ästhetischen Auswirkungen auf die Fassade zu beachten. Somit ist die einfachste – aber nicht effektivste – Lösung die Verwendung von innen liegenden Sonnenschutzvorrichtungen. Denn: „Zu beachten ist, dass Sonnenschutzsysteme nicht nur gegen den Wärmeeintrag von außen wirken, sondern auch einer nächtlichen Auskühlung der Räume entgegenwirken, wenn der Sonnenschutz nachts geschlossen bleibt.“ Wie sieht es mit Denkmalschutz aus? Vorrangig sei immer die Sicherung der historischen Bausubstanz (Putz, Fenster und Verkleidungen), betont Schulze. „Hier sollten Lösungsvarianten mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden erarbeitet werden, wenn es zu Eingriffen in die Bausubstanz oder die Ansichten kommt. So sind etwa der Ausbau eines historischen Kastenfensters zugunsten eines Fensters mit Sonnenschutzverglasung sowie der Anbau von Verschattungseinrichtungen oder außenliegenden Klimageräten ausnahmslos vorher abzustimmen. Smartes Lüften kostet nichts Schulze rät den Praxen, zunächst Maßnahmen zu ergreifen, die einen geringen technischen und finanziellen Aufwand mit sich bringen. „Dazu gehört die organisatorische Sicherstellung der Wärmeabfuhr über die freie Fensterlüftung – insbesondere vor Arbeitsbeginn und nachts, wenn die Außentemperatur geringer ist als die Innentemperatur.“ Eine Priorisierung sollte durch eine Einstufung der kritischen Räume entsprechend der thermischen Belastung erfolgen. Zu überlegen sei auch die Nutzungsverteilung der Räume in der Zahnarztpraxis: So sollte man Aufenthalts- und Behandlungsräume möglichst in nicht-kritische Räume legen. Dies ist im Bestand nur eingeschränkt möglich, sollte aber bei Neubauten oder bei Neubezug bedacht werden. „Kostenintensiv sind die Maßnahmen, die einen Einbau von haustechnischen Geräten oder einen Eingriff in die Bausubstanz bedingen“, verdeutlicht Schulze. „Das betrifft zum Beispiel den Einbau von zentralen Lüftungsanlagen, Vollklimaanlagen und den Austausch von Fenstern. Einfacher ist, zunächst mobile Ventilatoren zu installieren.“ Fazit Hitze ist zur Herausforderung für die Praxen und ihre Teams und auch die Patienten geworden. Bei der Arbeitskleidung ist aus hygiene- und arbeitsschutzrechtlichen Gründen nicht viel Luft drin. Neben organisatorischen Maßnahmen, wie einer angepassten Terminplanung, Priorisierung und zusätzlichen Trinkpausen, können eine mobile Kühlung durch Ventilatoren außerhalb des Aerosolbereichs und intelligentes Lüften erste Erfrischung verschaffen. Bauliche Maßnahmen sind deutlich aufwendiger, kosten- und planungsintensiver, haben aber langfristig einen größeren Effekt auf das Klima der Praxisräume. Hier muss der Praxisinhaber individuell abklopfen, was möglich ist. Vorteilhaft sind Räume mit einer über die Norm hinausgehenden Raumhöhe. Nicht zuletzt hat die Umgebung einen großen Einfluss auf die äußeren Wärmelasten von Praxisgebäuden. Umgebende Gebäude sorgen für Verschattung, Grünflächen kühlen die Räume. Helle Gebäude oder Glasfassaden neigen hingegen durch Reflexion dazu, die Wärmestrahlung zu erhöhen. LL HITZESCHUTZMAẞNAHMEN Sonnenschutz und Fenster: Außenliegende Verschattung: Jalousien, Rollläden oder Markisen anbringen, damit Sonnenstrahlen das Glas gar nicht erst treffen Wärmeschutzglas: Spezialverglasung mit integriertem Sonnenschutz einbauen Folieneinsatz: Nachträgliche Sonnenschutzfolien auf Scheiben kleben, wenn bauliche Änderungen nicht erlaubt sind Lüftung und Kühlung: Kontrollierte Lüftung: Lüftungsanlagen mit automatischer Nachtauskühlung nutzen Klimaschonende Kühlsysteme: Energieeffiziente Klimaanlagen oder Kühldecken installieren (dafür die Gremiumsempfehlungen der Zahnärztekammern beachten) Wärmequellen bündeln: Geräte mit hoher Abwärme wie zum Beispiel Sterilisation und Server in separate, gut belüftete Räume auslagern Dämmung und Umgebung: Wärmedämmung: Dach- und Fassadendämmung verbessern, um das Aufheizen von oben und von den Seiten zu bremsen Begrünung: Dach- oder Fassadenbegrünung anlegen, die das Gebäude auf natürlichem Weg kühlt Raumaufteilung: Behandlungszimmer nach Möglichkeit auf einer kühleren Seite (Nordseite) anordnen
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