Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 19

80 | GESELLSCHAFT MERCY SHIPS AN DEN KÜSTEN WESTAFRIKAS „Das ist so herzzerreißend, weil es nicht so sein müsste“ Auf der Global Mercy, dem größten zivil betriebenen Hospitalschiff der Welt, operieren Chirurgen schwere Patientenfälle. Deren Leidensgeschichte hätte häufig gar nicht so eskalieren müssen. Auch für Prof. Dr. Dr. Georg Eggers, MKG-Chirurg und Vorstandsmitglied bei Mercy Ships Deutschland, ist das nur schwer zu akzeptieren. Die Genesungsgeschichten belohnen am Ende jedoch alle Beteiligten. Einer der spektakulärsten Fälle der jüngsten Zeit war der des 65-jährigen Landwirts Farah aus Sierra Leone: Mehr als 15 Jahre musste er mit einem schmerzhaften Mund-Kiefer-Gesichts-Tumor leben. Begonnen hatte seine Leidensgeschichte mit einem fauligen Zahn. Nachdem der ausgefallen war, blieb eine hartnäckige Wunde zurück, die sich zu einer großen, geschwulstartigen Wucherung entwickelte. Farahs Zustand verschlechterte sich immer weiter und zwang ihn, seine Arbeit aufzugeben. In der Folge konnte er seine Familie nicht mehr ernähren. Farah suchte auf verschiedenen Wegen nach Hilfe – als er dann von der Global Mercy hörte, bekam er Hoffnung auf Heilung. Immer wieder schaute Farah nach der OP in den Spiegel „Farahs Erkrankung war eine Art gutartiger Tumor, der sich im Kiefer oder in den Gesichtsknochen bildet“, erklärt Eggers. Der ehrenamtlich tätige MKG-Chirurg aus Weinheim hat seit 2010 bei über zehn Einsätzen operiert. „Wir haben solche Tumore auch in Europa. In der Regel sind sie zunächst sehr klein, etwa so groß wie eine Kichererbse, und wachsen langsam. Bei uns kann ein Mund-Kiefer-Gesichtschirurg den Tumor unter örtlicher Betäubung entfernen, was nur 15 Minuten dauert. Aber in Westafrika gibt es oft niemanden, der das Problem behandeln kann – oder die Menschen können sich die OP einfach nicht leisten. Das ist so herzzerreißend, weil es nicht so sein müsste.“ Der Eingriff verlief ohne Komplikationen und der Moment, als sein Verband abgenommen wurde, bewegte das erfahrene OP-Team sehr. „Wir gaben ihm einen Spiegel, damit er sich selbst sehen konnte ... er war einfach nur begeistert. Er schaute immer wieder in den Spiegel, um sich zu vergewissern, dass er wirklich sich selbst sah“, erzählt der Operateur. Patient Farah vor ... Fotos: Mercy Ships_Inge Wiersma zm116 Nr. 19, 01.10.2026, (1514) ... und nach der Entfernung seines großen Mund-Kiefer-Gesichts-Tumors Prof. Dr. Dr. Georg Eggers, Facharzt für Mund-, Kiefer-, Gesichts-Chirurgie, Fachzahnarzt für Oralchirurgie und Facharzt für HNO-Heilkunde, mit Farah: Nach der Operation war dessen Verwandlung sofort sichtbar. Der Tumor, der sein Leben erheblich einschränkte, war endlich entfernt. Als Farah nach Hause zurückkehrte, versammelte sich sein Dorf, um gemeinsam zu feiern. „Ich muss Mercy Ships einfach danken. Sie haben meiner Seele Frieden geschenkt."

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