Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 20

TITEL | 39 zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1569) Auszeichnungen für die Mundsprechstunde Die Arbeitsgruppe um Oberärztin Dr. Gisela Goedicke-Padligur wurde auf dem diesjährigen Kongress der „International Association for Disability and Oral Health (IADH)“ in Dublin ausgezeichnet. Das Team erhielt den Posterpreis in der Kategorie „Non-clinical research“ für seine Präsentation „Interprofessional Oral Consultation – A Collaborative Concept of Dentistry and Speech Therapy for People with Complex Disabilities“. Im Fokus stand dabei das Konzept der Mundsprechstunde nach Castillo Morales®, das die interdisziplinäre Kooperation von Zahnmedizin und Logopädie beleuchtet. Die IADH setzt sich weltweit als Netzwerk für die Mundgesundheit von Menschen mit Behinderungen und vulnerablen Gruppen ein. Sie vernetzt Fachleute aus den Bereichen Medizin, Pflege, Forschung und Behindertenhilfe, um die Wissenschaft und die inklusive Versorgung voranzubringen. An der Universität Witten/Herdecke wird dieser interprofessionelle Ansatz bereits seit 2019 gelebt: In der Mundsprechstunde arbeitet die Zahnmedizin eng mit der Logopädin Ute Lehnert zusammen. Das Angebot richtet sich an Menschen mit schweren Behinderungen, die Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme oder anderen Funktionen im Mund- und Gesichtsbereich benötigen. Ein wesentlicher Teil ist zudem die Beratung des Pflegeumfelds. Die Erfahrung der Spezialabteilung an der Universität Witten/Herdecke zeigt, dass Patienten mit Behinderungen aller Altersstufen besonders häufig unter anatomischen oder motorischen Störungen im Mund- und Gesichtsbereich leiden. Dazu zählen eine verringerte Muskelspannung sowie Probleme beim Schlucken und Essen – Faktoren, die in der präventiven Zahnmedizin bisher oft zu wenig berücksichtigt werden. Eine schwache Gesichtsmuskulatur führt häufig zu einer dauerhaften Mundatmung, was wiederum Entzündungen, eine starke Zahnsteinbildung, einen verstärkten Speichelfluss und Einschränkungen beim Kauen nach sich ziehen kann. Seit der Einführung 2019 können Patienten aller Altersgruppen mit komplexen Behinderungen wie Cerebralparese, frühkindliche Hirnschädigung oder auch genetischen (wie Trisomie 21) oder anderen seltenen Erkrankungen (wie dem Angelman-Syndrom oder dem Rett-Syndrom) in dieser „Mundsprechstunde“ betreut werden. Ziel ist es, dass die zahnärztlichen Kolleginnen und Kollegen aufgrund der einfach gehaltenen Konzeption der Sprechstunde die Behandlungen in der eigenen Praxis oder aufsuchend in einer logopädischen oder pädiatrischen Praxis fortführen. Dieser Ansatz des Teams um Dr. Goedicke-Padligur wurde 2025 mit dem mit 3.000 Euro dotierten WrigleyProphylaxe-Preis im Bereich „Praxis & Gesellschaft" ausgezeichnet. Internationaler Posterpreis in Dublin 2026 Foto: Goedicke-Padligur „Die Auszeichnung würdigt vor allem unsere gemeinsame Arbeit. Wenn Zahnmedizin und Logopädie ihre Stärken bündeln, können wir für Patienten mit komplexen Einschränkungen maßgeschneiderte Lösungen finden." Dr. Gisela Goedicke-Padligur Die Jury mit den fünf ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (v.l.): Dr. Marcia Spindler, Dr. Gisela Goedicke-Padligur mit der Interprofessionellen Mundsprechstunde, Dr. Jana Biermann, Prof. Dr. Christian Splieth und Prof. Dr. A. Rainer Jordan Foto: Wrigley Oral Health Program (WOHP) / DGZ

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