Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 20

GESELLSCHAFT | 53 Möglichkeit, an Lehrgängen beim britischen Sprinter-Weltmeister Reginald Harris teilzunehmen. Bis 1959 ist Bulk Mitglied der Nationalmannschaft der Bahnfahrer. In dieser Zeit entsteht auch das neue Tandemduo mit August Rieke. Das Amateurduo feiert am 18. Juli 1959 auf der Bielefelder Radrennbahn beim 200-MeterSprint eine erfolgreiche Premiere. Mit sehr guten 12,4 Sekunden überraschen die beiden Amateure alle Zuschauer, schrieben die Westfälischen Nachrichten. Ein neues Spitzengespann ist geboren. Am 26 Juni, eine Woche später, kommt es dann in West-Berlin zum Showdown: Bei 26 Grad Celsius und Sonne verfolgen 5.000 Zuschauer die deutschen Amateur-Bahnmeisterschaften auf der Radrennbahn Schöneberg. Die Holzbahn am Berliner Sachsendamm ist erst knapp drei Monate in Betrieb. Willi Bulk schildert die entscheidenden Momente in einem Zeitungsinterview später so: „Ich habe im letzten Rennen ständig auf das Kommando gewartet. Plötzlich rief Rieke: ‚Jetzt antreten!‘ und ich habe wie verrückt in die Pedalen gehauen.“ Als das Gespann nach 2.000 Metern als Erstes die Ziellinie erreicht, war die Freude riesengroß. Zwei Tage später fährt das Team noch einmal in Ludwigshafen beim Länderkampf gegen Belgien, den das deutsche Team auch dank einer starken Leistung der beiden Ostwestfalen gewinnt. Dann löst sich das Duo auf. Wegen seines Studiums der Zahnmedizin in Münster kann Bulk im 85 Kilometer entfernten Bielefeld nicht mehr so intensiv trainieren. Auch die geplante Teilnahme an den Olympischen Spielen 1960 in Rom zerschlägt sich, weil das Studium zu viel Zeit beansprucht. Der Traum von Olympia 1960 in Rom zerbricht Da ihm sein Vater zum Trost ein Ticket schenkt, kann Bulk immerhin als Zuschauer nach Italien reisen und dort seinen ehemaligen Tandempartner anfeuern. Rieke scheidet bei Olympia zwar im Viertelfinale aus, gewinnt aber auch 1960 noch einmal – diesmal mit Rolf Roggendorf – die Deutsche Meisterschaft im Tandem. Im selben Jahr gibt Bulk den Radsport zugunsten seiner beruflichen Laufbahn als Zahnmediziner ganz auf. 1966 promoviert er mit einer Abhandlung über die Heilige Apollonia und eröffnet in Münster eine Zahnarztpraxis. Bis ins hohe Alter bestritt er Ligaspiele im Tennis und fuhr mehrfach wöchentlich Rad. „Seine Freude am schnellen Radfahren behielt der Champion der Wirtschaftswunderjahre bis ins hohe Alter“, bestätigt der Förderverein der Radrennbahn Bielefeld, der Bulk mit einer Ehrenplakette an der Nordtribüne der Anlage verewigt hat. mg zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1583) ZAHNMEDIZIN SCHREIBT GESCHICHTE(N) Sie kennen die Geschichte der Zahnmedizin? Dann lassen Sie sich überraschen! Denn in zm-History geht es nicht um die Meilensteine in Forschung und Lehre – in unserer neuen Reihe erinnern wir an Zahnärztinnen und Zahnärzte, deren einzigartige Storys es um die Welt geschafft haben und die heute trotzdem niemand mehr kennt. Fotos: Yanukit Raiva / gettyimages, H. Junghans, Berlin/Archiv RV Teutoburg Siegerpose im Schöneberger Velodrom: das erfolgreiche Tandemteam Wilhelm „Willi“ Bulk (r.) und August Rieke in Berlin-Schöneberg am 26. Juli 1959

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