Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 20

54 | ZAHNMEDIZIN INTERVIEW MIT PD DR. EVA MAIER UND PROF. DR. MATTHIAS WIDBILLER ZU 3DENTECT „Der Lernerfolg steigt, wenn man die Inhalte Hands-on in der eigenen Praxis umsetzt“ 3DenTECT entwickelt ein innovatives Fortbildungsformat, das praktische Hands-on-Übungen aus der klassischen Präsenzfortbildung in die eigene Zahnarztpraxis verlagert – Hands-on ohne Hörsaal. Durch die Kombination aus digitalen Lernmodulen und 3D-gedruckten Trainingsmodellen können Behandlungstechniken praxisnah am eigenen Arbeitsplatz trainiert werden. PD Dr. Eva Maier und Prof. Dr. Matthias Widbiller erklären, warum das Format insbesondere für seltene, aber zeitkritische Notfallsituationen wie dentale Traumata vielversprechend ist. Zahntraumata gehören nicht zum täglichen Routine-Programm vieler Praxen, müssen im Ernstfall aber schnell und richtig versorgt werden. Viele Kolleginnen und Kollegen wissen theoretisch, was zu tun wäre, haben bestimmte Schritte aber selten praktisch geübt. Welche Fehler oder Unsicherheiten begegnen Ihnen in der Akutversorgung besonders häufig? Prof. Dr. Matthias Widbiller: Sie beschreiben die Herausforderungen bei der Erstversorgung von Zahnunfällen absolut zutreffend: Selbst erfahrene Behandelnde kämpfen in der Akutversorgung mit Unsicherheiten. Die größten Probleme entstehen, wenn initial aufgrund fehlender Routine zu zurückhaltende oder zu invasive Therapieentscheidungen getroffen werden, die als Spätfolge Komplikationen verursachen können. PD Dr. Eva Maier: Am Unfalltag die richtigen Entscheidungen zu treffen, erfordert Übung, basiert jedoch auf grundlegenden zahnärztlichen Behandlungsprinzipien. Da dentale Traumata individuell verlaufen, selten auftreten und sich nicht in den Praxisalltag planen lassen, ist eine Fortbildung anhand realistischer Unfallszenarien mit den jeweils geeigneten Therapieoptionen besonders sinnvoll. Ein anschließendes Hands-on-Training ermöglicht es, die vermittelten Behandlungsschritte praktisch einzuüben und so Sicherheit und Routine für den Ernstfall zu entwickeln. Hands-on-Kurse finden traditionell in Präsenz statt. Ihr Projekt verlagert die praktischen Übungseinheiten teilweise in die eigene Praxis. Was kann dieses Format leisten, was die klassische Online-Fortbildung allein nicht kann? Maier: Obwohl sich das Online-Format immer größerer Beliebtheit erfreut, ertappen wir uns als Zuhörende doch immer wieder dabei, kurz abzuschweifen und nicht aktiv dabei zu sein – vor allem wenn sich die Vorträge über mehrere Stunden ziehen. Unsere Online-Lernplattform soll nach hochschuldidaktischen Prinzipien interaktives Lernen in kleinen Portionen erlauben, fallbezogen und klinisch relevant. Diesen theoretisch anschaulich aufbereiteten Inhalt dann gleich Handson in der eigenen Praxisumgebung umsetzen zu können, erhöht den Lerneffekt deutlich. Wie muss ein 3D-gedrucktes Trainingsmodell beschaffen sein, damit daran nicht nur „irgendwie geübt“, sondern realitätsnah trainiert werden kann? Widbiller: Dieser Aspekt steht derzeit im Mittelpunkt unseres mit insgesamt über einer Million Euro EU-geförderten Forschungsprojekts und wird technisch von unserem Leadpartner, der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Thomas Schratzenstaller, umgesetzt. In enger Zusammenarbeit mit uns Klinikern aus Deutschland und Tschechien (Stomatologische Klinik der Medizinischen Fakultät in Pilsen der Karls-Universität Prag; Standortleitung MUDr. et MUDr. Lukáš Hauer, Ph.D) werden Konzepte entwickelt sowie verschiedene Materialien und Materialkombinationen des 3D-Drucks erprobt, um Optik und Haptik der Trainingsmodelle möglichst realitätsnah abzubilden. Welche Behandlungsschritte eignen sich besonders für ein solches Training und wo stößt das Format an Grenzen? Maier: Ziel des Trainings ist es, die zahnärztliche Erstversorgung dentaler Traumata anhand möglichst realistischer Fallszenarien abzubilden. Der Fokus liegt dabei auf Verletzungen der Zähne, des Zahnhalteapparats und – soweit sinnvoll darstellbar – angrenzender Weichgewebe. Dazu gehören unter anderem restaurative Maßnahmen wie die Versorgung einer traumatisch eröffneten Pulpa sowie die Reposition und Schienung dislozierter Zähne. Widbiller: Grundsätzlich kann ein Trainingsmodell die klinische Realität nicht vollständig ersetzen. Ziel ist vielmehr, sich dieser durch geeignete Szenarien, realitätsnahe 3D-gedruckte Modelle und praxisorientierte Übungsabläufe so weit wie möglich anzunähern. PD Dr. Eva Maier ist Oberärztin der der Zahnklinik 1 – Zahnerhaltung und Parodontologie am Universitätsklinikum Erlangen. Foto: Eva Maier zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1584)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=