Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 20

ZAHNMEDIZIN | 55 Wie stellen Sie sicher, dass die Teilnehmenden die Übungen korrekt durchführen, wenn kein Kursleiter neben ihnen steht? Gibt es Feedback- oder Austauschformate? Widbiller: Für jede Behandlungssituation werden passend zu den Trainingsmodellen detaillierte Schritt-für-SchrittAnleitungen in Form von Bildern und Videos bereitgestellt. Dadurch können die Teilnehmenden jeden Behandlungsschritt nachvollziehen und bei Unsicherheiten gezielt auf die Lernmaterialien zurückgreifen. Maier: Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist zudem die Selbstbewertung. Mithilfe strukturierter Checklisten und definierter Qualitätskriterien können die Teilnehmenden ihre Durchführung kritisch reflektieren und ihren Lernfortschritt selbst einschätzen. Diese Form der Selbstreflexion ist ein etabliertes didaktisches Instrument und fördert den nachhaltigen Kompetenzerwerb. Widbillder: Darüber hinaus ist ein Forum geplant, das den fachlichen Austausch zwischen den Teilnehmenden und mit dem Dozententeam ermöglicht. Ein solches begleitendes Austauschformat hat sich bereits in anderen Fortbildungskonzepten – etwa den Studiengruppen der DGET – als wertvolle Ergänzung für den Wissenstransfer und die Diskussion klinischer Fragestellungen bewährt. Der Komfort für die Teilnehmenden ist offensichtlich: keine Reise, kein Praxisausfall, Lernen im eigenen Tempo. Aber wird dadurch auch besser gelernt – oder zunächst vor allem leichter teilgenommen? Gibt es dazu Erfahrungswerte, Evidenz in der Literatur? Maier: Der offensichtliche Vorteil unseres Fortbildungskonzepts liegt zunächst darin, die Teilnahmehürden deutlich zu senken: Reisezeiten entfallen, Praxisausfälle werden minimiert und die praktischen Übungen können zeitlich flexibel in den eigenen Arbeitsalltag integriert werden. Gerade für approbierte Zahnärztinnen und Zahnärzte, die gewohnt sind, ihre Fortbildung eigenverantwortlich zu organisieren, ist diese Flexibilität ein wesentlicher Vorteil. Widbiller: Ob dadurch auch ein größerer Lernerfolg erzielt wird, hängt weniger vom Lernort als von der didaktischen Gestaltung ab. Für Blended-LearningKonzepte gibt es mittlerweile eine gute Evidenz, dass sie mindestens vergleichbare und häufig sogar bessere Lernergebnisse erzielen können als rein präsenzbasierte oder ausschließlich digitale Formate – vorausgesetzt, die Online-Inhalte, praktische Übungen und Feedback-Elemente sind sinnvoll miteinander verzahnt. Sehen Sie 3DenTECT als Modell auch für andere zahnmedizinische Fortbildungen, bei denen praktische Fertigkeiten trainiert werden müssen? Welche könnten das sein? Maier: Im Prinzip ist 3DenTECT eine konsequente Weiterentwicklung der etablierten Ausbildungskonzepte in der Zahnmedizin: Was im Studium durch die Kombination aus theoretischem Unterricht und praktischen Übungen vermittelt wird, wird für die zahnärztliche Fort- und Weiterbildung nach dem Staatsexamen in ein flexibles BlendedLearning-Format übertragen. Widbiller: Grundsätzlich lässt sich dieses Konzept auf viele andere Bereiche der Zahnmedizin übertragen. Besonders geeignet sind Inhalte, bei denen theoretisches Wissen mit praktischen Fertigkeiten verknüpft werden muss und sich die wesentlichen Behandlungsschritte realitätsnah an Trainingsmodellen üben lassen. Grenzen ergeben sich vor allem dort, wo eine komplexe technische Infrastruktur, spezielle Geräte oder die unmittelbare Anleitung und Unterstützung durch ein Dozententeam unverzichtbar sind. Ziel ist, durch geeignete Szenarien, realitätsnahe 3D-gedruckte Modelle und praxisorientierte Übungsabläufe sich der klinischen Realität so weit wie möglich anzunähern. Prof. Dr. Matthias Widbiller Prof. Dr. Matthias Widbiller ist stellvertretender Leiter der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie am Universitätsklinikum Regensburg. Foto: UKR Arbeitsmodell aus dem 3DenTECT-Projekt: die nicht relevanten Zähne und Gingivabereiche sind bewusst einfach gehalten, um ein final sehr günstiges Modell (circa fünf Euro) zu ermöglichen. Zu trainierende Szenarien (zum Beispiel komplizierte/unkomplizierte Schmelz-Dentin-Fraktur, Dislokationsverletzungen) sind gezielt an einzelnen austauschbaren Frontzähnen eingearbeitet, die neben den Hartsubstanzverletzungen auch die flexiblen parodontalen Strukturen abbilden. Foto: OTH Regensburg zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1585)

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