Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 20

56 | ZAHNMEDIZIN Welche Voraussetzungen müssten erfüllt sein, damit solche hybriden oder dezentralen Hands-on-Formate breiter in der Fortbildungslandschaft ankommen? Widbiller: Hybride und dezentrale Hands-on-Formate verstehen wir nicht als Ersatz, sondern als sinnvolle Ergänzung der etablierten Fortbildungsangebote. Spätestens seit der COVID-19-Pandemie haben die digitalen und hybriden Lernformate in der zahnärztlichen Fortbildung deutlich an Akzeptanz gewonnen. Gleichzeitig besteht bei vielen Kolleginnen und Kollegen weiterhin der Wunsch nach praxisnahen Übungen. Die Kombination aus beiden Welten bietet daher großes Potenzial. Damit sich solche Konzepte langfristig etablieren können, müssen sie didaktisch hochwertig, technisch zuverlässig und wissenschaftlich evaluiert sein. Ebenso wichtig sind die Einbindung in die bestehenden Fortbildungsstrukturen sowie die Akzeptanz durch Fachgesellschaften, Zahnärztekammern und Universitäten. Denkbar ist beispielsweise, hybride Hands-on-Module als Ergänzung zu den Fortbildungsprogrammen der Zahnärztekammern oder der wissenschaftlichen Fachgesellschaften anzubieten. Maier: Auch in der universitären Weiterbildung sehen wir großes Potenzial. An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg nutzen wir in unserem deutschlandweit ersten berufsbegleitenden Masterstudiengang Zahnerhaltung bereits hybride Lehrformate, um wissenschaftlich fundierte Weiterbildung mit den Anforderungen des Praxisalltags zu vereinbaren. Könnte dieses Format gerade für ländliche Regionen oder kleinere Praxen ein Weg sein, spezialisierte Inhalte leichter verfügbar zu machen? Maier: Ja, genau aus diesem Gedanken heraus ist 3DenTECT entstanden. Das Projekt wird derzeit im Rahmen einer EU-Förderung für die bayerisch-tschechische Grenzregion entwickelt und verfolgt das Ziel, die Erstversorgung nach Zahnunfällen insbesondere im ländlichen Raum zu verbessern. Gerade dort können spezialisierte Fortbildungsangebote mit einem hohen Zeit- und Reiseaufwand verbunden sein. Ein dezentrales Hands-on-Format ermöglicht es, sich unabhängig vom Standort praxisnah fortzubilden und die erlernten Behandlungsschritte wiederholt zu trainieren. Widbiller: Wir sehen darin aber nicht nur einen Vorteil für ländliche Regionen. Auch kleinere Praxen, Einzelpraxen oder Kolleginnen und Kollegen mit eingeschränkten zeitlichen Ressourcen können von einer flexiblen, praxisnahen Fortbildung profitieren. Unser Ziel ist es, hochwertige Weiterbildung unabhängig vom Wohn- oder PraxisWAS IST 3DENTECT? WEITERBILDUNG FÜR DIE AKUTVERSORGUNG VON ZAHNUNFÄLLEN 3DenTECT steht für „3D Dental Traumatology Education Community Transfer“ – ein Schulungskonzept, das die Fortbildung von Zahnärztinnen und Zahnärzten im Bereich Traumatologie in die eigenen Praxisräume verlagert. Das theoretische Wissen wird über eine Online-Lehrplattform vermittelt, die praktische Umsetzung wird an wiederverwendbaren 3D-gedruckten Modellen geübt, die verschiedene Verletzungsszenarien abbilden. So soll Weiterbildungflexibel und ortsunabhängig in den Praxisalltag integriert werden können. Beteiligt am Projekt sind die Ostbayerische technische Hochschule in Regensburg, die Kliniken für Zahnerhaltung der Universitäten Regensburg und Erlangen sowie das Universitätsklinikum in Pilsen/Tschechien. Gefördert wird das Projekt über INTERREG Bayern-Tschechien – deshalb ist eine Teilnahme zunächst nur für Praxen aus der bayerischtschechischen Grenzregion (Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern) vorgesehen. Ab Sommer 2028 soll eine deutschlandweite Teilnahme möglich sein. zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1586) Klinisches Bild eines dentalen Traumas im Wechselgebiss: imponierend die komplizierte SchmelzDentin-Fraktur mit Pulpabeteiligung am unteren linken mittleren bleibenden Schneidezahn sowie die herausfordernde klinische Situation für Diagnostik, Erstversorgung und langfristige Therapie während der Wechselgebissphase Foto: UK Regensburg, Matthias Widbiller

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