Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 20

70 | ZAHNMEDIZIN Monate nach dem Akutereignis, zeigten sich postoperative FLAIR-hyperintense Residuen sowie eine Ex-vacuoErweiterung des linken Vorderhorns nach Abszessentlastung (Abbildung 7). Zufällig wurde zudem ein embolischer Infarkt im PICA-Stromgebiet rechts festgestellt. Laborchemisch bestand initial eine Leukozytose; im weiteren Verlauf blieb die Infektsuche jedoch unauffällig. Neurologisch fanden sich keine fokal-neurologischen Defizite, lediglich eine intermittierende psychomotorische Verlangsamung. Seit Einleitung einer antikonvulsiven Therapie mit Lacosamid ist der Patient anfallsfrei. Diskussion Intrakranielle Abszesse sind seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen mit relevanter Morbidität und Mortalität. Häufige Infektionswege sind die direkte Ausbreitung aus benachbarten Strukturen, etwa Nasennebenhöhlen oder Mastoid, sowie die hämatogene Streuung aus entfernten Infektionsherden einschließlich odontogener Infektionen [Hall and Mesfin, 2026; Wei et al., 2023] Dieser Fall zeigt die potenziell schwerwiegenden intrakraniellen Komplikationen, die im Verlauf odontogener Infektionen selbst bei jungen und zuvor gesunden Patienten auftreten können. Die initialen Kopfschmerzen können retrospektiv jedoch nicht sicher als Prodrom eines bereits etablierten Hirnabszesses gewertet werden, da die erste MRT- und Liquordiagnostik unauffällig war. Entscheidend ist vielmehr die Dynamik im Verlauf: Die persistierenden beziehungsweise progredienten Kopfschmerzen, die neu hinzugetretenen Zahnschmerzen sowie die spätere Vigilanzminderung und kognitive Eintrübung stellten Warnzeichen dar, die eine erneute neurologische und bildgebende Abklärung erforderlich machten [Brouwer et al., 2014]. Der odontogene Fokus an Zahn 26 ist in diesem Fall das wahrscheinliche Ausgangsgeschehen. Argumente hierfür sind der klinisch-röntgenologisch dokumentierte dentale Befund, die entzündliche Mitbeteiligung des linken zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1600) Abb. 5: MRT vom 30. Januar 2023, Diffusionswichtung/ADC. Die Diffusionsstörung ist vereinbar mit einem Abszess. Abb. 6: MRT vom 7. Februar 2023, T1-Wichtung. Die kurzfristige postoperative Kontrolle zeigt einen deutlich rückläufigen Befund. Abb. 7: MRT vom 6. August 2024, T1-Wichtung. Die Verlaufsbildgebung zeigt postoperative Residuen. Fotos: Klinik für Radiologie, Asklepios Klinik Nord – Heidberg

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