14 | POLITIK FVDZ-HAUPTVERSAMMLUNG 2026 Tacheles-Tage in Kassel Zwei Themen zogen sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen der Delegierten bei der FVDZ-Hauptversammlung, die vom 8. bis zum 10. Oktober in Kassel stattfand: der politische Druck, unter dem die Freiberuflichkeit aktuell steht, und die Notwendigkeit der Erneuerung des Freien Verbandes nach innen. Ich möchte heute einmal Tacheles reden.“ – Mit diesen Worten leitete Dr. Jeannine Bonaventura, stellvertretende Vorsitzende des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ), ihr Statement bei der Hauptversammlung ein. Vor allem ging es darin um die Zukunftsperspektiven des FVDZ, zum Beispiel beim Thema Mitgliedergewinnung: „Ich höre immer wieder Geschichten von jungen Kolleginnen und Kollegen, die bei ihrem ersten Kontakt mit dem Verband erstmal gegen eine Wand laufen. Die das Gefühl bekommen, sie müssten erstmal den Hof fegen, bevor man überhaupt zuhört, was sie zu sagen haben.“ Früher war mehr Kampfverband Der FVDZ steht aus Bonaventuras Sicht vor der „einfachen, aber unbequemen Frage“, was ihn in Zukunft noch relevant machen soll. Sie nahm vorweg: „Die Antwort kann nicht lauten, weil es uns schon immer gegeben hat. Unsere Geschichte ist wichtig. Aber sie ist kein Argument dafür, dass uns auch in Zukunft jemand braucht.“ Sie beendete ihre Rede mit dem Appell, weibliche Mitglieder im FVDZ stärker zu Wort kommen zu lassen, und pochte darauf, dass der Bundesvorstand die Zukunftsthemen rund um den Berufsnachwuchs festlegt und nicht Kollegen, „die ihre Praxen bereits abgegeben haben“. Dafür erntete Bonaventura Applaus von vielen Delegierten. „Es gibt ältere Kolleginnen und Kollegen, die unsere jetzige Linie nicht favorisieren“, beschreibt auch der FVDZ-Vorsitzende Dr. Christian Öttl die Stimmung im Verband. „Wir sind kein Kampfverband mehr, das wird heute nicht mehr goutiert. Es geht darum, durch gute Argumente zu überzeugen.“ Deshalb steht für ihn vor allem auf der Agenda, gegenüber der Politik deutlich zu machen, „dass wir ein Berufsstand mit einer Approbation sind. Dafür müssen wir uns gemeinsam stark machen – egal, in welcher Organisation wir sind“, sagte er am Rande der diesjährigen Hauptversammlung denzm. zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1640) „Ich höre immer wieder Geschichten von jungen Kolleginnen und Kollegen, die bei ihrem ersten Kontakt mit dem FVDZ erstmal gegen eine Wand laufen.“ Dr. Jeannine Bonaventura, stellvertretende Vorsitzende des FVDZ PREMIERE IN KASSEL Erste FVDZ-Green-Dentistry-Awards vergeben Im Rahmen der Hauptversammlung in Kassel verlieh der Verband erstmals die FVDZ Green Dentistry Awards. Den ersten Platz in der Kategorie „Soziales Engagement“ belegte Anna-Lena Hillebrecht mit dem Projekt „Special Smiles“. Mithilfe inklusiver sowie barrierefreier Screenings fördert das Projekt die Mundgesundheit von Menschen mit geistiger Behinderung. „Es schafft wissenschaftlich evaluierte Zugänge zur Zahnmedizin für eine Patientengruppe mit erheblichem Versorgungsdefizit und schult gleichzeitig angehendes Fachpersonal im inklusiven Umgang“, begründet der FVDZ die Entscheidung. In der Kategorie „Ressourcenbewusstsein“ gewann Dr. Sven Molitor mit dem Projekt „Mehrweg statt Einweg“. Das Vorhaben umfasst eine Pilotstudie und ein praxisnahes Konzept zur systematischen Ersetzung von Einwegplastikartikeln durch Mehrwegprodukte bei Routineuntersuchungen. „Das Projekt liefert konkrete, wissenschaftlich quantifizierte Daten zu Einsparpotenzialen von Plastikmüll und CO₂-Emissionen direkt am Behandlungsstuhl für die häufigste Behandlungssituation BEMA 01“, lobte der Verband. In der Kategorie „Innovation“ überzeugte Dr. Lisa Hezel die Jury mit dem Projekt „Lückenschluss im Versorgungsmangel“. Die Initiative stellt eine digitale Plattform sowie ein Notdienstportal bereit, das freie Behandlungskapazitäten von Praxen sichtbar macht, um Patienten ohne Hauszahnarzt gezielt zu vermitteln. „Das Projekt ist bundesweit einmalig, da es vorhandene Lücken im Versorgungssystem schließt, indem es kurzfristig stornierte Termine ohne aufwendige Bürokratie direkt nutzbar macht“, hob die Jury hervor. Mit der neuen Auszeichnung möchte der FVDZ zukunftsweisende Projekte, Initiativen und engagierte Persönlichkeiten sichtbar machen. Die Jury bestand aus Zahnärztinnen und Zahnärzten, Forschenden, Studierenden sowie Vertreterinnen und Vertreter der Fachpresse und anderer Verbände. Weitere Infos: fvdz.de/green-dentistry-award
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