Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 21

POLITIK | 15 Foto: FVDZ/Jörn Wolter Für Bonaventura steht das Ziel im Mittelpunkt, den FVDZ so in die Zukunft zu führen, dass er die Rahmenbedingungen für Freiberuflichkeit weiterhin mitgestalten kann: „Wir müssen Missstände benennen, Reformen einfordern und auch unbequem sein. Aber wir brauchen realistische Lösungen, anschlussfähige Positionen und keine Fundamentalopposition um ihrer selbst willen. In einer Zeit, in der sich die Politik über andere Sündenböcke freut, ist wenig Platz für politisches Pokern.“ Nach innen kontrovers, nach außen geschlossen In ihrem Grußwort am ersten Tag der Versammlung würdigte Dr. Romy Ermler, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), dass FVDZ und BZÄK nicht immer einer Meinung seien. Das sei gut so, innerhalb der Zahnärzteschaft brauche es genau diesen offenen Austausch. „Aber“, mahnte sie, „nach außen müssen wir geschlossen auftreten, um unsere Ziele durchzusetzen – denn der Ton im Gesundheitswesen ist rauer geworden.“ Dem stimmte Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), zu. Mit Blick auf das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sagte er, das Gesetz stelle einen Angriff auf die zahnärztliche Approbation dar, den es mit aller Kraft abzuwehren gelte. „Als Berufsstand Geschlossenheit zu demonstrieren, ist deshalb wichtiger denn je“, unterstrich Hendges. Unter der Moderation von Jeannine Bonaventura ging es bei einer Podiumsdiskussion, an der neben Ermler und Hendges auch Öttl und die Gesundheitspolitikerin Christine AschenbergDugnus (FDP) teilnahmen, um aktuelle Entwicklungen in der Gesundheitspolitik. „Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz stellt einen Paradigmenwechsel im Gesundheitssystem dar“, so Aschenberg-Dugnus. „Eigentlich sollte es in der Versorgung darum gehen, dass jeder Arzt und jede Ärztin entscheidet, welche notwendigen Behandlungsmaßnahmen ergriffen werden müssen.“ Die nun beschlossene einnahmenorientierte Ausgabenpolitik widerspricht aus ihrer Sicht diesem Grundsatz. Ermler sprach die zunehmend große Verunsicherung an, die die aktuelle politische Debatte bei vielen jungen Kolleginnen und Kollegen auslöst. „Wenn ich mich niederlassen möchte, dann möchte ich eine gewisse Sicherheit. Das bietet die aktuelle politische Debatte allerdings nicht“, kritisierte die BZÄK-Präsidentin. „Morgens heißt es hü, abends hott: Einmal wird über die Ausgliederung der Zahnmedizin aus der GKV diskutiert, dann wird das duale System infrage gestellt.“ Als Vertreterin der Standespolitik müsse man bei Politikerinnen und Politikern viel Aufklärungsarbeit über die Auswirkungen politischer Entscheidungen in den Zahnarztpraxen leisten. Im Zusammenhang mit dem Thema Planungssicherheit verwies Hendges erneut auf die Forderung der KZBV, die neue Parodontitisversorgung als Präventionsorientierung und Früherkennungsmaßnahme gesetzlich zu verankern und damit extrabudgetär zu vergüten. In der Diskussion um das duale System positionierte er sich so: „Was wir geschaffen haben, diese Freiheitsgrade in der Kombination von privatzahnärztlichen und GKV-Leistungen ist für mich – trotz der aktuellen Budgetierung – ein Idealmodell.“ Diese Anträge befürworteten die Delegierten Die Hauptversammlung in Kassel sprach sich unter anderem dafür aus, die Parodontitis-Therapie als wichtigen Baustein der zahnärztlichen Prävention gesetzlich und finanziell zu stärken und das duale System zu erhalten. Einstimmig nahm sie eine Resolution an, die die vollständige Aufhebung der Budgetierung für zahnärztliche Leistungen fordert. Die präventionsorientierte Zahnmedizin solle als wesentlicher Stabilitätsfaktor der GKV anerkannt und entsprechend gefördert werden. Ohne Gegenstimme wurde der Antrag „WirhabennureineApprobation!Keine Zersplitterung des zahnärztlichen Berufsstands“ angenommen, der unter anderem fordert, Paragraf 28, Absatz 2, Satz 1 aus dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zu streichen. sth zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1641) „Wir sind kein Kampfverband mehr.“ Dr. Christian Öttl, Vorsitzender des FVDZ

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