Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 21

POLITIK | 25 zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1651) INTERVIEW MIT ROMAN ŠMUCLER „Einer der größten Vorteile ist der deutlich geringere Verwaltungsaufwand“ PD Dr. Roman Šmucler ist Präsident der Tschechischen Zahnärztekammer. In den zm erläutert er, was Tschechien Deutschland bei der zahnärztlichen Versorgung voraushat und mit welchen Problemen die Zahnärzteschaft in Tschechien kämpft. Wie ist die Situation der Zahnmedizin in Tschechien? Was ist positiv? PD Dr. Roman Šmucler: Ich würde die tschechische Zahnmedizin als dynamisch und zunehmend wettbewerbsfähig beschreiben. Meiner Ansicht nach ist einer ihrer größten Vorteile im Vergleich zu Deutschland der deutlich geringere Verwaltungsaufwand. Unser Erstattungssystem verwendet relativ wenige, weit gefasste Leistungscodes. Das geht zwar zulasten der Genauigkeit, vereinfacht aber den Praxisalltag. Routinemäßige prothetische Behandlungen erfordern nicht generell eine Vorabgenehmigung durch einen Heil- und Kostenplan wie in Deutschland. Die Praxen verfügen zudem über einen erheblichen Ermessensspielraum bei der Preisgestaltung für privat bezahlte oder teilweise erstattete Behandlungen, wobei dies jedoch im Rahmen der tschechischen kostenorientierten Preisbildungsregeln erfolgt und nicht außerhalb der Regulierung. Meiner Erfahrung nach beschränkt sich der Wettbewerb nicht mehr auf Prag und die Großstädte, er macht sich zunehmend auch in kleineren regionalen Zentren bemerkbar. Ich sehe darin einen Anreiz, die Qualität zu verbessern, in Technologie zu investieren und sich weiterzubilden. Bei Veranstaltungen wie den „Prague Dental Days“ sehe ich Kollegen, die gerne ihre Errungenschaften präsentieren, wie auch jüngere Zahnärzte, die entschlossen sind, dazuzulernen. Das ist ein sehr gesundes Umfeld. Was kann Deutschland bei der zahnmedizinischen Versorgung von Tschechien lernen? Vor allem lohnt es sich zu betrachten, was mit weniger Verwaltungsaufwand erreicht werden kann. Ich bewundere die Präzision der deutschen Gebührenermittlung, die detaillierte Klassifizierung der Behandlungen und die daraus resultierenden statistischen Informationen sehr. Davon könnte Tschechien sicherlich lernen. Allerdings verursacht eine detailliertere Aufschlüsselung auch mehr Arbeit, und ich möchte nicht, dass wir jede administrative Finesse eins zu eins übernehmen. Umgekehrt habe ich aus der Praxis und im Austausch mit Kollegen den Eindruck gewonnen, dass die tschechische Zahnmedizin bei der alltäglichen Nutzung elektronischer Patientenakten und der Praxisverwaltung oft weiter fortgeschritten ist. Ich spreche hier von routinemäßigen Arbeitsabläufen und behaupte nicht, dass in jedem Bereich eine technologische Überlegenheit besteht. Die ideale Kombination wäre deutsche analytische Präzision gepaart mit tschechischer administrativer Einfachheit. Die Zeit, die man bei der Papierarbeit spart, kann man für die Patientinnen und Patienten, für die berufliche Weiterbildung oder einfach für ein nachhaltigeres Arbeitsleben nutzen. Was ist schwierig und sollte verbessert werden? Aus meiner Sicht liegt die zentrale Herausforderung in der regionalen Verteilung der zahnärztlichen Versorgung und nicht einfach in der Gesamtzahl der Zahnärzte im Land. Ich beobachte, dass sich Zahnärzte zunehmend für größere Praxen und Städte entscheiden, in denen sie Geräte, Fachwissen und Personal gemeinsam nutzen können. Meiner Einschätzung nach spielen große Zahnarztketten hier noch eine geringere Rolle als in Deutschland, aber der Trend zu Gemeinschaftspraxen ist eindeutig vorhanden. Zudem besteht ein Spannungsfeld zwischen einem weitgehend marktorientierten Berufsstand und der Erwartung, dass der Staat jeder kleinen Gemeinde einen Zahnarzt zuweisen sollte. Ich halte eine Rückkehr zu zentral zugewiesenen Praxen nicht für realistisch. Unser Ziel sollte eine gut zugängliche, qualitativ hochwertige Versorgung in angemessener Entfernung sein – nicht unbedingt eine eigene Praxis in jedem Dorf. Gleichzeitig müssen wir praktische Vorkehrungen für Kinder, ältere Menschen und für Patienten treffen, bei denen eine eingeschränkte Mobilität oder bestimmte Lebensumstände den Zugang zur Versorgung tatsächlich erschweren. Mit welchen Herausforderungen sind Zahnärzte in Tschechien konfrontiert? Eine wichtige Herausforderung ist die Gewährleistung einheitlicher Qualifikationsstandards und fairer Bedingungen für die Berufsausübung. Das tschechische Recht erlaubt Zahnärzten, deren Qualifikationen noch nicht vollständig anerkannt sind, befristete Praktika unter fachlicher Aufsicht; manche dauern bis zu drei Jahre. Aus meiner Sicht darf eine solche Trainingskonstellation kein kostengünstiger Schnellzugang zu einer faktisch eigenverantwortlichen Tätigkeit ohne vollständige Zulassung werden. In diesen Konstellationen ist eine echte Betreuung notwendig, und die Patienten dürfen hinsichtlich der Qualifikationen eines Behandlers nicht irregeführt werden. Die Bekämpfung einer rechtswidrigen Ausübung des Zahnarztberufs ist daher ein zentrales Anliegen. Foto: Dr. Ladislav Šolc

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