Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 21

ZAHNMEDIZIN | 27 zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1653) AUS DER WISSENSCHAFT Im Langzeitvergleich: Krone oder Komposit für endodontisch behandelte Seitenzähne? Elmar Hellwig Können Wurzelkanal-behandelte Zähne im Seitenzahnbereich mit einer direkten Kompositrestauration suffizient und dauerhaft versorgt werden oder sollten sie überkront werden? Diese Frage stellt sich insbesondere dann, wenn die betroffenen Zähne große Zahnhartsubstanzdefekte aufweisen. Eine kürzlich publizierte randomisierte, klinische Studie verglich die klinische Erfolgsquote von Metallkeramik-Kronen und direkten Kompositrestaurationen bei Wurzelkanal-behandelten Zähnen über einen Zeitraum von bis zu 14 Jahren (Median 10,6 Jahre). Direkte Kompositrestaurationen werden häufig verwendet, um endodontisch behandelte Seitenzähne wiederherzustellen, die noch über ausreichend koronale Zahnstruktur verfügen. Sie bieten wichtige klinische Vorteile wie die Möglichkeit minimalinvasiver Präparationen, eine gute Reparierbarkeit und im Vergleich zur Krone geringere Kosten. Kronen gelten traditionell als Referenzbehandlung zur Wiederherstellung wurzelgefüllter Zähne mit weitgehender koronaler Zerstörung. Trotz ihrer höheren Kosten und der umfangreicheren Entfernung von Zahnhartsubstanz während der Präparation sind diese Restaurationen für ihre hohen Erfolgs- und Überlebensraten bekannt. Systematische Übersichtsarbeiten berichten über 5-Jahres-Überlebensraten von etwa 95 Prozent, wobei die jährliche Versagensrate zwischen zwei Prozent und zwölf Prozent liegt, während randomisierte klinische Studien eine Überlebensund Erfolgsrate von 88,9 Prozent beziehungsweise 82,6 Prozent während eines achtjährigen Follow-ups für Einzelkronen zeigten. Bei der Restauration von endodontisch behandelten Zähnen mit großen Zahnhartsubstanzdefekten wird häufig eine Stiftverankerung des anschließenden Aufbaus erforderlich. In solchen Fällen dienen die Stifte in erster Linie dazu, das Aufbaumaterial in situ zu halten, und nicht dazu, die Zahnstruktur inhärent zu verstärken. Dabei werden meistens Glasfaserstifte aufgrund ihrer günstigen mechanischen Eigenschaften, die denen von Dentin ähnlich sind, verwendet. Die Kombination dieser Stifte mit Kronen beziehungsweise direkten Komposit-Restaurationen liefert nachweislich zuverlässige klinische Ergebnisse. Zusätzlich ist das Vorhandensein eines umlaufenden Ferrules ein entscheidender Faktor für die biomechanische Stabilität und den langfristigen Erfolg von Kronen. Die vorliegende Studie stellt die Hypothese auf, dass die Erfolgs- und Überlebensraten von Metallkeramik-Kronen und Kompositrestaurationen mit Glasfaserstiften, die in Wurzelkanal-behandelten Zähnen mit ausreichendem Ferrule platziert sind, ähnlich sind. Material und Methoden Die Studie ist eine Aktualisierung einer randomisierten, prospektiven, doppelblinden, kontrollierten Studie (RCT) mit einem Parallelgruppendesign. Die ursprüngliche Studie verglich die klinische Bewährung von Einzelkronen (Kontrollgruppe) und Kompositrestaurationen (experimentelle Gruppe) bei wurzelkanalbehandelten Zähnen. Sie begann im Jahr 2009 und umfasste Patienten bis 2016. Bei beiden Gruppen wurden Glasfaserstifte verwendet, da die Zähne einen ausgedehnten koronalen Zahnhartverlust aufwiesen. Die Studie war zunächst auf sieben Jahre angelegt, wurde dann aber ab 2009 bis heute fortgesetzt. Sie wurde in Übereinstimmung mit den konsolidierten Standards (CONSORT 2010) konzipiert. Nach Beginn der Studie wurden keine Änderungen am Studienprotokoll vorgenommen. Die Teilnehmer hatten ein mittleres Alter von 40,5 Jahren, wobei die Mehrheit Frauen (n = 50) waren. Die meisten der wiederhergestellten Zähne waren Seitenzähne, die sich im Oberkiefer befanden (n = 53). Zunächst wurden 83 Zähne von 68 Patienten eingeschlossen; sechs erhielten jedoch nicht die zugewiesene Behandlung. So wurden letztlich 77 Zähne bei 62 Patienten (42 direkte Kompositrestaurationen und 35 MetallkeramikKronen) – alle mit Glasfaserstift – analysiert. In der Kompositgruppe waren sieben und in der Kontrollgruppe zehn Frontzähne. Es fanden jährliche Kontrollen statt. Misserfolge wurden als reparierbar oder nicht reparierbar eingestuft. Einschluss- und Ausschlusskriterien Studienteilnehmer waren erwachsene Patienten, die eine endodontische und restaurative Behandlung für Zähne mit mindestens einer verbliebenen intakten Kavitätenwand und einem umlaufenden Ferrule von minUniv.-Prof. (a.D.) Dr. med. dent. Elmar Hellwig Erzherzogstr. 8, 79102 Freiburg Foto: privat

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