Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 21

ZAHNMEDIZIN | 29 mentiert. Restaurationen, bei denen keine weitere Intervention erforderlich war, wurden als erfolgreich bewertet. In die Kategorie „Überlebensrate“ wurden auch Restaurationen einbezogen, die repariert werden konnten. Restaurationen, die einen vollständigen Austausch erforderten, Fälle von Debonding, die nicht neu befestigt werden konnten, und Zähne, die eine Extraktion erforderten, wurden als nicht reparierbare Misserfolge eingestuft. Ergebnisse Insgesamt betrugen der kumulative Erfolg und die Überlebensraten nach zehn Jahren 57,7 Prozent beziehungsweise 72,2 Prozent. Kronen hatten einen höheren Erfolg (75,2 Prozent) und längere Überlebensraten (79,4 Prozent) als Kompositrestaurationen (40,0 Prozent und 57,6 Prozent). Die Kompositrestaurationen zeigten ein signifikant höheres Misserfolgsrisiko (HR = 3,53; p < 0,001), obwohl sich das Überleben statistisch nicht zwischen den beiden Restaurationsarten unterschied (p = 0,753). Die meisten Misserfolge bei den Kompositrestaurationen waren reparierbar (70 Prozent), während die Misserfolge bei den Kronen meist nicht reparierbar waren (70 Prozent). Die häufigsten Misserfolgsursachen waren Sekundärkaries (20 Prozent) und Frakturen der Restaurationen (67,5 Prozent). Schlussfolgerungen Metallkeramik-Kronen zeigten einen überlegenen langfristigen Erfolg und erforderten weniger Reparaturen als Komposit-Restaurationen. Bei der Wahl der restaurativen Versorgung von Wurzelkanal-behandelten Seitenzähnen sollte allerdings beachtet werden, dass bei der Anfertigung einer Metallkeramik-Krone in der Regel mehrere klinische Sitzungen, Laborunterstützung, provisorische Restaurationen und eine längere Stuhlzeit erforderlich sind, die sowohl die direkten als auch die indirekten Kosten erhöhen. Ihre Anfertigung ist also kostenintensiver und erfordert ein invasiveres Vorgehen. Im Gegensatz dazu können direkte Kompositrestaurationen, die mit Glasfaserstiften befestigt werden, häufig in einer Sitzung abgeschlossen werden, was zu niedrigeren Anfangskosten und einer verringerten Behandlungszeit führt. So können direkte Restaurationen mit Kompositen trotz ihrer niedrigeren langfristigen Erfolgsquoten eine praktikablere und zugänglichere Behandlungsoption für endodontisch behandelte Zähne darstellen. Die Anfertigung von Kompositrestaurationen ist weniger invasiv und Kompositrestaurationen sind zudem leichter reparierbar. Sie zeigen aber eine höhere Misserfolgsquote und benötigen häufiger Nachbehandlungen. Damit können die langfristigen Kosten aufgrund der Häufigkeit von notwendigen Reparaturen, mit denen einer Kronenversorgung vergleichbar hoch sein. Glasfaserstifte zeigen in beiden Gruppen eine gute Langzeitstabilität. Das verdeutlicht auch ein systematisches Review mit Metaanalyse, in dem festgestellt wurde, dass für Wurzelkanalbehandelte Zähne, bei denen ein Stift inseriert wurde, die Überlebensrate höher ist, als bei bei Zähnen ohne Stift [Alenezi et al., 2024]. Ein weiteres Review mit anschließender Metaanalyse zeigt, dass speziell bei Zähnen mit einer direkten Kompositrestaurationen (in diesem Fall Prämolaren) die Frakturanfälligkeit sinkt, wenn ein Glasfaserstift inseriert wird [Iaculli et al., 2021]. Die Ergebnisse der Studie werden durch eine weitere aktuelle klinische Untersuchung unterstützt, bei der auch Metallkeramik-Kronen mit direkten Kompositrestaurationen verglichen wurden [Abu-Awwad et al., 2025]. Bei Wurzelkanal-behandelten Molaren mit geringem Zahnhartsubstanzverlust zeigte sich über einen Zeitraum von drei Jahren, dass es für Kronen und Kompositrestaurationen hinsichtlich Erfolg und Überlebensrate keinen statistisch signifikanten Unterschied gab. Allerdings zeigte sich eine Tendenz für ein schlechteres klinisches Verhalten von Kompositrestaurationen. So konnten schon in dem kurzen Zeitraum eine Zunahme kariöser Läsionen, signifikante Oberflächenveränderungen, Füllungsfrakturen und Randverfärbungen festgestellt werden. Was bedeutet das für die Praxis? Stehen ein hoher Anspruch an Langlebigkeit und ein geringer Reparaturbedarf im Vordergrund, dann sind indirekte Restaurationen (zum Beispiel Kronen) für die Restauration großer Zahnhartsubstanzdefekte endodontisch behandelter Zähne indiziert. Stehen primär geringere Kosten, der Erhalt von Zahnhartsubstanz und Reparierbarkeit im Fokus, so können direkte Kompositrestaurationen eine sinnvolle Alternative sein, sofern regelmäßige Kontrollen und Reparaturen (und damit Folgebehandlungen und Folgekosten) akzeptiert werden. In der Studie wurden in der Kontrollgruppe Metallkeramik-Kronen angefertigt, die zum damaligen Zeitpunkt Standard waren. Vermutlich wird man ähnliche Ergebnisse auch beim direkten Langzeitvergleich von VollkeramikKronen und direkten Kompositrestaurationen finden. n Die Studie: Galdino-Santos L, Poletto-Neto V, Loomans B, Cenci MS, Chisini LA, Pereira-Cenci T: Randomized clinical trial comparing the clinical performance of metalceramic crowns and direct composite resin retained with glass fiber posts: Long-term results after up to 14 years. Dent Mater 2026, 42: 1120–1132. AUS DER WISSENSCHAFT In dieser Rubrik berichten die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der zm regelmäßig über interessante wissenschaftliche Studien und aktuelle Fragestellungen aus der nationalen und internationalen Forschung. Die wissenschaftliche Beirat der zm besteht aus folgenden Mitgliedern: Univ.-Prof. (a.D.) Dr. Elmar Hellwig, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (bis 31.12.2023) Univ.-Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen, Universitätsklinikum Bonn Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer, Charité – Universitätsmedizin Berlin Univ.-Prof. Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, Universitätsmedizin Mainz zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1655)

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