Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 21

ZAHNMEDIZIN | 43 Haushaltsgeräte stellen demgegenüber einen ungewöhnlichen Unfallmechanismus dar. In einer multizentrischen Untersuchung aus Nigeria machten traumatische Zungenlazerationen 10,5 Prozent aller oral- und maxillofazialen Traumafälle aus [Okechi et al., 2023]. Die Häufigkeit hängt jedoch stark vom untersuchten Patientenkollektiv und vom Versorgungssetting ab [Okechi et al., 2023]. Die Zunge ist durch ihre ausgeprägte Vaskularisation einerseits mit einem relevanten Blutungsrisiko verbunden, andererseits besitzt sie bei adäquater Wundversorgung eine gute Heilungstendenz. Entscheidend ist die strukturierte initiale Beurteilung. Dabei sollten das Ausmaß, die Tiefe, die Lokalisation, die aktive Blutung, in Ruhe klaffende Wundränder, eine Beteiligung der Zungenspitze, mögliche Substanzdefekte sowie funktionelle Einschränkungen beurteilt werden (Grafik). Vorrangig ist eine potenzielle Atemwegsgefährdung zu beurteilen, insbesondere bei zunehmender Schwellung, Hämatombildung oder ausgedehnten Verletzungen im hinteren Zungendrittel (Grafik) [Hohman und Klovenski, 2026; Gill et al., 2026]. Zur Wundversorgung gehören eine sorgfältige Reinigung und die gezielte Suche nach Fremdkörpern; bei entsprechendem Verdacht ist eine ergänzende Bildgebung zu erwägen [Prevaldi et al., 2016]. Die Frage, welche Zungenverletzungen genäht werden müssen, ist in der Literatur nicht abschließend standardisiert. Eine systematische Übersichtsarbeit zur konservativen versus chirurgischen Versorgung von Zungenlazerationen zeigte, dass die verfügbare Evidenz begrenzt ist und klare, allgemeingültige Leitlinien fehlen. Klinische Kriterien wie Wundgröße, Tiefe, klaffende Wundränder, aktive Blutung und funktionelle Einschränkungen bleiben daher für die Therapieentscheidung zentral [Gonsalves zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1669) Abb. 2: nach der Wundversorgung Foto: Florian Dudde Dr. med. dent. Anna Aydin Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie / Plastische Operationen, Bundeswehrkrankenhaus Hamburg-Wandsbek Lesserstr. 180, 22049 Hamburg Foto: privat Dr. med. Florian Dudde Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie / Plastische Operationen, Bundeswehrkrankenhaus Hamburg-Wandsbek Lesserstr. 180, 22049 Hamburg Foto: privat Oliver Schuck Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie / Plastische Operationen, Bundeswehrkrankenhaus Hamburg-Wandsbek Lesserstr. 180, 22049 Hamburg Foto: Picture People Dr. med. Dr. med. dent. Manfred Giese Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie / Plastische Operationen, Bundeswehrkrankenhaus Hamburg-Wandsbek Lesserstr. 180, 22049 Hamburg Foto: Bundeswehrkrankenhaus Hamburg Lawik Revend Klinik XIV Orthopädie, Unfallchirurgie und Septisch-Plastische Chirurgie, Bundeswehrkrankenhaus Berlin

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