Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 21

56 | ZAHNMEDIZIN Workflow 2: Wenn keine Prothese vorhanden ist Liegt keine Prothese vor (Erstanfertigung oder Ersatz nach Verlust), fehlt die funktionelle Referenz für die Vertikaldimension, die Okklusionsebene, die Zahnstellung und die Weichgewebsstütze. Ein rein intraoral-optischer Scan der zahnlosen Kiefer kann mucostatische Oberflächendetails erfassen, zeigt jedoch insbesondere an den peripheren Rändern, im Bereich der Übergänge zwischen beweglicher und unbeweglicher Schleimhaut, die größten Abweichungen gegenüber konventionellen Abformungen [Srivastava et al., 2023]. Ein abdichtender Funktionsrand ist bis dato nur sehr schwer erfassbar und führt mit den bisher bekannten Verfahren zur intraoralen Erfassung durch entsprechende Scanner zu Artefaktbildungen, Verwerfungen und Überlagerungen, die in der folgenden Konstruktion zu großen Problemen und letztlich zu einer schlechteren Passung der Basen führt als erwartet. Für die vollständige Registrierung funktioneller Randbereiche und dynamischer Weichgewebe (zum Beispiel Mundboden) existiert nach aktuellem Stand keine klinisch etablierte, rein digitale Funktionsabformung. Übersichtsarbeiten betonen, dass funktionelle Abformungen für Totalprothesen weiterhin konventionell erfolgen und anschließend digitalisiert werden [Nguyen et al., 2025]. (Hinweis: Einzelberichte beschreiben rein digitale Ansätze zur Erfassung funktioneller Ränder, dies kann derzeit als Proofof-Concept gewertet werden und ist nicht flächendeckend standardisiert [Unkovskiy et al., 2019; Nguyen et al., 2025].) Daraus ergibt sich in der mobilen Versorgung ein pragmatischer Hybridansatz: Ein Vorscan dient der digitalen Herstellung arbeitsvorbereitender Hilfsmittel (unterfütterbare Basisschablonen mit Zähnen im Oberkiefer und Bisswall im Unterkiefer). Mit diesen Schablonen werden anschließend analog im Sinne einer Funktionsrandgestaltung und definitiven Abformung die für die Retention und die Stabilität entscheidenden Rand- und Tegumentinformationen erhoben. Die durch die Funktionsabformung stabilisierten Schablonen können in derselben Sitzung zur Kieferrelationsbestimmung, zur Übertragung der Gesichtsebenen und zur Erfassung der ästhetischen Informationen verwendet werden. Die Arbeitsschritte für die Funktionsabformung und die Kieferrelationsbestimmung werden somit in einer Sitzung durchgeführt und ersparen dem Patienten einen weiteren Besuch. Zielsetzung: Aufbau einer prothetischen Referenz durch digital gefertigte Basen und Bissschablonen, um die Funktionsabformung und die Kieferrelation unter mobilen Bedingungen reproduzierbar zu erfassen Schrittfolge beim hybriden Vorgehen im mobilen Setting 1. Vorscan als mucostatischer Basisscan Schnelle, patientenschonende Erfassung des Teguments als Grundlage für die CAD-Konstruktion von Basisschablonen zur Funktionsabformung und Kieferrelationsbestimmung „ Der Vorscan muss auf gut definierbaren, stabilen Arealen basieren (Oberkiefer: harter Gaumen / Alveolarkamm und Tubera; Unterkiefer: Kieferkamm, retromolare Region). Periphere Übergänge sind nur soweit möglich zuverlässig erfassbar. „ Qualitätsanspruch des Vorscans: Datensatz ohne größere Löcher/ Überlagerungen; kritische Zonen (Abbildung 9) bei Bedarf unmittelbar nachscannen zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1682) Abb. 10: Optimierte arbeitsvorbereitende Unterlagen (Basisschablonen) zur Abformung und Abfrage aller relevanten Aspekte Abb. 9: Artefakte, Löcher, Spitzen und Selbstdurchdringungen entstehen bei der Nutzung von Intraoralscannern sehr häufig, da die Aufnahmen aus vielen aufeinanderfolgenden Datensätzen zusammengesetzt werden. Diese sollten idealerweise chairside durch Nachscans korrigiert werden. Foto: Ramona Schweyen, Frank Poerschke

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