Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 21

62 | ZAHNMEDIZIN FORTBILDUNG INTRAORALSCANNER – TEIL 2 Vom Scan zum Operationsplan: IOS in Oralund MKG-Chirurgie Peer W. Kämmerer, Sebastian Pietzka, Diana Heimes Intraoralscanner haben in der Oralchirurgie und der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie inzwischen einen festen Platz gefunden. Sie verknüpfen im Matching mit DVT-/CT-Daten das im Körperinneren am Knochen stattfindende chirurgische Geschehen mit den äußeren Strukturen von Zähnen und Gesicht. Beides wird in einen planbaren Bezug zueinander gebracht, mit dem vielfältige nützliche Anwendungen möglich geworden sind. Der Beitrag gibt einen Einblick in die mit dem Intraoralscanner verbundenen therapeutischen Möglichkeiten. Wer heute einen Intraoralscanner (IOS) in der Praxis oder in der Klinik einsetzt, erzeugt damit routinemäßig Daten, die sich weit über die Prothetik hinaus nutzen lassen. In der Chirurgie entfaltet der Scan seinen Nutzen allerdings meist erst in der Kombination mit dem knöchernen Schädel aus der Computertomografie (CT) oder der digitalen Volumentomografie (DVT). Aus dieser Überlagerung entstehen Bohr- und Sägeschablonen, Okklusionssplinte und individuelle Rekonstruktionen. Das Grundprinzip ist vom implantologischen Einzelfall bis zur komplexen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie dasselbe: Ein retinierter Zahn, eine Zyste oder eine präprothetische Korrektur benötigen dieselbe räumliche Verknüpfung von Okklusion und Knochen wie eine Umstellungsosteotomie oder der Ersatz eines Kiefergelenks, nur in kleinerem Maßstab. Diese Verknüpfung leistete in der Dysgnathiechirurgie jahrzehntelang die Kette aus Fernröntgenseitenbild, Gipsmodell und Artikulator. Die bekannten Schwächen dieser Methode lagen darin, dass ein dreidimensionales klinisches Problem auf zwei Ebenen projiziert wurde, dass die Okklusion nur mittelbar übertragen werden konnte und dass Asymmetrien leicht unterschätzt wurden [Stokbro et al., 2014; Schneider et al., 2019; Freudlsperger et al., 2023]. Mit der schrittweisen Integration von CT/DVT, IOS und computergestützter Fertigung hat sich dieses Planungsbild in den vergangenen Jahren verschoben. Joachim und Miloro gliederten die Entwicklung der virtuellen Operationsplanung in drei Phasen: frühe Grundlagen von 1999 bis 2004, Ausweitung und Genauigkeitsgewinn von 2005 bis 2014 sowie Integration neuer Verfahren von 2015 bis 2024. Mehr als die Hälfte der von ihnen ausgewerteten Anwendungen betraf die Dysgnathiechirurgie [Joachim und Miloro, 2025]. Deutschsprachige Fortbildungsbeiträge beschreiben diesen Wandel inzwischen als klinischen Alltag [Freudlsperger et al., 2023]. Dabei verschiebt sich die Rolle des Scanners mit der Komplexität des Eingriffs: In der dentoalveolären Chirurgie ist er ergänzend, weil CT und DVT den anatomischen Rahmen bereits beschreiben. In der Dysgnathiechirurgie und beim alloplastischen Kiefergelenkersatz wird er konstitutiv, weil dort die Zielokklusion die Osteotomie beziehungsweise die Prothesenkonstruktion vorgibt und aus dem Schnittbild allein nicht ableitbar ist. Zwei Fragen stehen daher im Mittelpunkt dieses Artikels: 1. Welchen – nachweisbaren – Beitrag leisten intra- und extraorale Oberflächenscanner zur chirurgischen Planung? 2. Wo endet dieser Beitrag, so dass die Schnittbildgebung, die klinische Untersuchung und die operative Erfahrung nicht ersetzt werden können? Abb. 1: Datenfusion aus computertomografischem Schädel und intraoralem Oberflächenscan beider Kiefer: Die Farbgebung kennzeichnet die in der Planung mobilisierten Segmente (türkis: Maxilla mit überlagertem Zahnbogen, gelb: Unterkiefer-Distalsegment, blau: proximale Segmente); der nicht segmentierte Schädel ist grau dargestellt. Foto: Universitätsmedizin Mainz zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1688)

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