Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 21

82 | GESELLSCHAFT EINSATZ AM KILIMANDSCHARO Für eine bessere Perspektive am Fuß des Kilimandscharo Ursula Süßbier Mit unserem jungen deutsch-tansanischen Dentalprojekt „Dentoglobal“ wollen wir vor Ort helfen und gleichzeitig zahnmedizinischen Nachwuchs ausbilden. Dieser hätte dann auch eine Perspektive in Deutschland, wo Fachkräftemangel herrscht, während in Tansania viele junge Menschen arbeitslos sind. Ziel des Vermittlungsprogramms ist eine zahnmedizinische Versorgung auf Augenhöhe. Gebannt starren mich vier Dutzend Kinderaugen an. Eine Weiße im Zahnarztkittel ist eben keine alltägliche Erscheinung in einer tansanischen Grundschule. In dem ostafrikanischen Land kommt statistisch gesehen ein Zahnarzt auf 120.000 Patienten. Somit sind Zahnärzte ohnehin ein seltenes Phänomen. Und eine aus Deutschland sowieso. Direkt im Anschluss an eine Besteigung von Afrikas höchstem Berg, dem 5.895 Meter hohen Kilimandscharo, habe ich im Juli eine Woche lang mit tansanischen Kolleginnen und Kollegen Schulen, ein Kinderheim und eine Suchteinrichtung besucht, dabei Prävention erklärt, die dentale Gesundheit gescreent und an zwei Tagen circa 200 Patienten in der Zahnstation eines Krankenhauses behandelt. Die örtliche Presse berichtete ausführlich. Während der Kilimandscharo jährlich Tausende Touristen anlockt, bleibt der Zugang zur dentalen Infrastruktur für die lokale Bevölkerung am Fuße des Berges oft eine Herausforderung. Unser deutsch-tansanisches Kooperationsprojekt möchte zeigen, wie durch Wissenstransfer, mobile Einsätze und nachhaltige Präventionskonzepte eine dauerhafte Struktur aufgebaut werden kann. Wenig Karies dank natürlicher Trinkwasserfluoridierung Wir trafen uns jeden Morgen um 8 Uhr und fuhren über frisch rekonstruierte bis holprig-afrikanische Straßen zu den Primary-Schools. Die fröhlich-temperamentvollen Kinder in ihren proper bis ziemlich löcherigen Schuluniformen rannten neugierig auf uns zu, um sich dann diszipliniert im Schulhof kreisförmig zu gruppieren. Nachdem wir vorgestellt worden waren, erklärten die tansanischen Kollegen die Mundhygiene anhand eines großen Modells. Die Kids hörten brav und interessiert zu und auf die Frage, wer sich denn am Morgen die Zähne geputzt habe, flogen fast alle Hände in die Luft. Wie bezaubernd die sind, dachte ich! Anschließend führten wir im Klassenraum Screenings durch, was sich doch sehr von der Anamnese in deutschen Praxen unterschied. Auffällig war, dass die Zähne wirklich sauber, aber teilweise bräunlich verfärbt waren und es nur wenig kariöse Defekte gab. Der Grund dafür liegt sicher in der natürlichen Fluoridierung des Trinkwassers. Dieser Effekt war in den folgenden Tagen auch bei den Erwachsenen zu sehen, wobei hier eine übermäßige Zahnsteinbildung und teilweise eine weit fortgeschrittene Periodontitis diagnostiziert wurden. Der eine Kollege kam aus Mbeya, einer Stadt 1.000 Kilometer südlich, und versicherte, dass Karies dort viel stärker auftrete. Auch im Kinderheim erklärten wir den Kids unterschiedlicher Altersklassen die Zahnpflege und führten Screenings durch. Zur Belohnung bekam jedes Kind eine Zahnbürste und Zahnpasta, gestiftet von Colgate, die sofort begeistert in den Schultaschen verschwanden. Während der letzten zwei Tage wurde in der zahnärztlichen Abteilung Während der Kilimandscharo jährlich Tausende Touristen anlockt, bleibt der Zugang zur dentalen Infrastruktur für die lokale Bevölkerung am Fuße des Berges schwierig. zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1708)

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