Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 21

GESELLSCHAFT | 83 eines Krankenhauses behandelt. Unser Kommen war vorher angekündigt worden und es bildeten sich lange Warteschlangen. Wir haben an drei Behandlungsstühlen von morgens bis abends ohne Pause durch behandelt, aber die Schlange war wirklich endlos! Ein Zahnarztbesuch ist dort etwas äußerst seltenes und die Menschen nehmen unbeschreiblich lange Wege und Wartezeiten in Kauf. Sie waren sehr dankbar und baten uns, doch bald wiederzukommen. Unser Projekt will Nachwuchs ausbilden Zu unserem Projekt: Viele Praxen in Deutschland leiden unter dem Fachkräftemangel. Es fehlen Zahnärzte und ältere Kollegen finden keinen Praxisnachfolger, keine Zahnmedizinische Fachangestellte und keine Dentalhygienikerinnen, was zu großem Frust und teilweise zur Schließung von Praxen (besonders auf dem Land) führt. Die Patienten bleiben unversorgt und müssen sehr lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. Im ostafrikanischen Tansania leben sehr viele junge Menschen, die nach ihrer Schulausbildung keine Ausbildungsstätte finden, sowie ausgebildete Zahnärztinnen und Zahnärzte, die wegen der geringen Zahl freier Praxen oder Kliniken arbeitslos werden. Zusammen mit meinem tansanischen Partner, einem Arzt und Politiker, haben wir die Vision entwickelt, die Probleme in beiden Ländern durch partnerschaftlichen Schulterschluss zwischen tansanischen und deutschen Zahnmedizinern zu vermindern. Wir entwickelten die Idee, eine Praxis beziehungsweise Klinik in Arusha, einer mittelgroßen Stadt im Nord-Osten Tansanias am Fuß des Kilimandscharo und nahe der Serengeti, zu gründen. Dort wollen wir ZFAs nach dem deutschen Curriculum ausbilden sowie mit tansanischen und deutschen Zahnärzten im gegenseitigen Austausch die lokale zahnärztliche Situation verbessern. Da nicht alle ZFAs im Lande beschäftigt werden können und manch eine auch Lust hat, ins Ausland zu gehen, soll ein Austauschprogramm von circa drei Jahren mit deutschen Praxen beginnen, wodurch sich auch die hiesige Lage der Personalknappheit entspannen könnte. Dieses Projekt ist mittlerweile weit gediehen, auch dank meines tansanischen Partners. Er vereint geradezu ideal die wichtigen Aspekte Medizin und Politik – und möchte unsere Vision möglichst bald erfolgreich an den Start bringen. Geeignete Räume sind schon gefunden und wollen eingerichtet werden. Dafür suchen wir Sponsoren und deutsche Zahnärzte, die Lust haben, für eine gewisse Zeit den deutschen Standard in einer landschaftlich einzigartigen Umgebung mit kompetenten, hoch-motivierten tansanischen Kollegen zu praktizieren. Dieses Land und die Menschen sind großartig und verleiten dazu, immer wiederzukommen – manche sprechen ja vom „Afrika-Virus“, der einen chronisch befallen kann. n Mehr Infos unter dentoglobal.de/ zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1709) Das lokale Team bestand aus zwei Zahnärzten, einer konservierend-chirurgischen Behandlerin, einem Juristen, einem Journalisten und zwei Fahrern. Hier ein Teil davon mit mir. Fröhlich und geduldig zeigten sich die kleinsten unserer Patienten. Karies war bei den Kids kein großes Thema. Fotos: Süßbier Ich war überwältigt vom Engagement und von der Begeisterung dieses Teams, die jeden Tag großen Einsatz bei bester Laune zeigten, und auch von der Professionalität der Einzelnen. Alle wollen die zahnmedizinische Versorgung der Bevölkerung verbessern und hoffen auf Weiterführung unseres Programms. Ursula Süßbier, M.Sc., M.Sc Zahnärztin und Praxisinhaberin von Dentiqua, Zahnarztpraxis in Berlin-Friedenau Mitgründerin und seit 2024 geschäftsführende Gesellschafterin von Dentoglobal Foto: Süßbier

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