Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 8

zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (618) 48 | TITEL den können (Field of View, Auflösung), müssen beim MRT zunächst die zur diagnostischen Fragestellung passenden Untersuchungsmodi (Sequenzen) ausgewählt werden. Da jede Sequenz spezifische Informationen liefert, ist nicht in jedem Modus das Gesuchte auch gut sichtbar. Für den vorliegenden Zweck war eine Untersuchung mit zwei Sequenzen notwendig: zum einen mit der sogenannten „Anatomie“-Sequenz (anatomy_3D_overview), zum anderen mit der „Inflammation-“ oder „Entzündungs-“Sequenz (inflammation_3D_ overview). Während die AnatomieSequenz einen räumlichen Überblick ermöglicht, kann man mit der Inflammation-Sequenz Entzündungsprozesse identifizieren (Abbildungen 5 und 6) – die entsprechenden Lokalisationen erscheinen in der Aufnahme hell (hyperintens). In unserem Patientenfall zeigte sich im fraglichen Volumen eindeutig ein entzündlicher Prozess. Die Anatomie-Sequenz wird regelmäßig bei nahezu allen Untersuchungen verwendet, weil sie hochaufgelöst die räumliche Lokalisierung anatomischer Strukturen erlaubt. Sie gibt in Analogie zur sogenannten PD-Sequenz die Dichte an Wasserstoffprotonen im Gewebe wieder. Wasser- und fettreiche Strukturen (Fett enthält viele Wasserstoffatome) erscheinen hell, kortikaler Knochen und Luft erscheinen wegen eines geringeren Anteils an Wasserstoffatomen dunkel. Flüssigkeiten und weiches Gewebe liegen je nach Zusammensetzung im helleren bis dunkleren Graubereich. Die Osteolysezone erscheint hier eher unspezifisch grau. Therapie Mit der Identifikation der Entzündung im MRT war die Indikation zum Eingriff gegeben. Die Exploration des Areals zeigte eine feine Fistelformation sowie bereits intraoperativ erheblich entzündlich verändertes Weichgewebe in der Oberkieferfront (Abbildungen 7 und 8). Eine Dekortikation und eine plastische Defektdeckung wurden – gemäß den fachspezifischen Leitlinien – durchgeführt. Die pathohistologische Aufarbeitung der Weichgewebe- und Knochenproben ergab eine ausgeprägte Osteomyelitis mit typischen Veränderungen wie bei einer Bisphosphonat-assoziierten Knochennekrose. Fazit Die Detektion aktiver Entzündungsareale im Kiefer- und Gesichtsbereich stellt einen erheblichen diagnostischen Zugewinn dar. Nur durch den MRT-Einsatz konnte im vorliegenden Fall der Entzündungsprozess lokalisiert, die klinische Verdachtsdiagnose einer Osteomyelitis/BRONJ bereits präoperativ hinreichend bestätigt und die Indikation für eine zielgerichtete operative Intervention gestellt werden. „ Abb. 7: intraoperativer Befund mit Fistel Abb. 8: freigelegter anteriorer Alveolarknochen nach Dekortikation und Entfernung von reichlich Entzündungsgewebe Fotos: Klinikum Dortmund gGmbH PD Dr. Dr. Ákos Bicsák, M.Sc. M.Sc. FEBOMFS Klink für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum Dortmund gGmbH Münsterstr. 240, 44145 Dortmund Foto: Klinikum Dortmund Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Stefan Haßfeld Klink für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum Dortmund gGmbH Münsterstr. 240, 44145 Dortmund Foto: Klinikum Dortmund Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Lars Bonitz, M.Sc. FEBOMFS Klink für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum Dortmund gGmbH Münsterstr. 240, 44145 Dortmund Foto: Klinikum Dortmund CME AUF ZM-ONLINE Das dentale MRT in der Diagnostik der Kieferosteonekrose Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK.

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