Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 8

64 | GESELLSCHAFT Otto I. legte durch die Wiederbelebung des römischen Kaisertums den Grundstein für das spätere Heilige Römische Reich. Nach seinem Tod im Jahr 973 wurde er im Magdeburger Dom beigesetzt. Im Zuge der Sanierung der Grablege wurde auch das menschliche Skelett untersucht, das in dem Sarg lag. Handelt es sich dabei wirklich um die Gebeine des legendären Kaisers? Für die Analyse vernetzte sich das Magdeburger Forschungsteam mit nationalen und internationalen Restauratoren sowie mit Experten zu Textilien, Sedimenten und organischen Relikten. Wie die anthropologische Erstuntersuchung ergab, stammen die sterblichen Überreste aus dem Sarg Ottos des Großen von einem einzigen, eindeutig männlichen Individuum, dessen Skelett so gut wie vollständig und in einem sehr guten Erhaltungszustand ist. Mit einer Körpergröße von rund 180 Zentimetern war der Verstorbene etwa 10 Zentimeter größer als der durchschnittliche Zeitgenosse Ottos im 10. Jahrhundert. Das am Skelett bestimmbare Sterbealter des IndividuDie sterblichen Überreste aus der Grablege Ottos des Großen stammen von einem großgewachsenen Mann, der im Alter von etwa 60 Jahren starb, der mittelalterlichen Elite angehörte, sich häufig zu Pferd fortbewegte und, so deuten es die verschiedenen Verletzungsspuren an, ein bewegtes Leben führte – das zeigen auch seine Zähne. Foto: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (634) DER NEUBEGRÜNDER DES KAISERTUMS Otto I., der Große (23. November 912 – 7. Mai 973), aus dem Geschlecht der Liudolfinger ist als Neubegründer des Kaisertums in Westeuropa und Mitteleuropa in der Nachfolge des antiken Römischen Reichs sowie der Herrschaft Karls des Großen eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Er war die treibende Kraft hinter der Erhebung Magdeburgs zum Erzbistum im Jahr 968, der die Stadt an der Elbe ihren wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung zu verdanken hatte. Im Magdeburger Dom wurde er nach seinem Tod 973 in Anwesenheit der Erzbischöfe Adalbert von Magdeburg und Gero von Köln an der Seite seiner 946 verstorbenen Frau Editha beigesetzt. Seit dem Domneubau im 13. Jahrhundert befindet sich das Grabmal des Kaisers zentral im Binnenchor des Magdeburger Doms. UNTERSUCHUNG DES KAISERGRABMALS IM MAGDEBURGER DOM Was seine Zähne über Otto I. verraten Es ist der Körper des Kaisers: Erste wissenschaftliche Untersuchungen haben die Identität der sterblichen Überreste aus dem Sarkophag Ottos des Großen im Magdeburger Dom bestätigt. Interessant aus zahnmedizinischer Sicht sind sein Schädel, das Ausmaß von Karies und Parodontitis sowie seine Ernährungsgewohnheiten.

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