Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 8

78 | NACHRICHTEN NEWS „DISINTEGRATION FINGERPRINTING“ Neues Verfahren erkennt gefälschte Medikamente Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist weltweit etwa jede zehnte Medikamentenpackung eine Fälschung. Neben ausbleibender Wirkung können Unterdosierungen oder toxische Inhaltsstoffe zu gesundheitlichen Schäden führen. Gefälschte und qualitativ minderwertige Arzneimittel stellen somit weltweit ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Ein neu entwickeltes Analysegerät könnte künftig dabei helfen, diese Medikamente schnell und kostengünstig zu identifizieren. Forschende der University of California (USA) haben mit dem sogenannten „Disintegration Fingerprinting“ ein Verfahren entwickelt, das auf einem einfachen, aber effektiven Prinzip basiert: Jedes feste Arzneimittel, etwa eine Tablette oder Kapsel, besitzt ein charakteristisches Zerfalls- und Auflösungsverhalten in Flüssigkeiten – vergleichbar mit einem Fingerabdruck. Mithilfe dieses individuellen Musters können Präparate eindeutig identifiziert werden. Das Messsystem, das die Forschenden daraufhin entwickelt haben, ist bewusst einfach gehalten: Eine Tablette wird in einem wassergefüllten Gefäß unter Rühren aufgelöst. Ein außen angebrachter Infrarotsensor registriert dabei kleinste Partikel, die beim Zerfall entstehen. Jedes vorbeiströmende Partikel reflektiert Licht und erzeugt ein messbares Signal. Aus der zeitlichen Entwicklung dieser Signale entsteht ein spezifischer „Fingerabdruck“ des jeweiligen Medikaments. Abweichungen vom erwarteten Muster können auf eine Fälschung hinweisen. In einer Studie, in der 32 verschiedene Arzneimittel – darunter Antibiotika, Analgetika und Antihistaminika – untersucht wurden, konnten rund 90 Prozent der Proben korrekt identifiziert werden. Selbst Unterschiede zwischen Originalpräparaten und Generika ließen sich erkennen. In weiterführenden Tests mit verschiedenen Produktionschargen, unterschiedlichen Bezugsquellen und variierenden Lagerbedingungen erreichte das Verfahren den Studienautoren zufolge sogar eine Trefferquote von 100 Prozent. Bei der Entwicklung des Geräts wurde besonderer Wert auf Kosteneffizienz gelegt. Mit einer Analysedauer von etwa 60 Minuten und Herstellungskosten von rund 30 US-Dollar bietet das System großes Potenzial für den Einsatz in ressourcenschwachen Regionen, in denen gefälschte Medikamente besonders verbreitet sind. nb Die Studie: Ishmam F. et al., Disintegration Fingerprinting: A Low-Cost and User-Friendly Tool for Identifying Substandard and Falsified Solid-Dosage Medicines, Analytical Chemistry 2026; https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.analchem.5c05418 GEMEINSCHAFTSPROJEKT IN DRESDEN UND ZWICKAU Intraoral-Sonde ermöglicht 3-DKariesdiagnostik ohne Röntgen Mithilfe einer handgeführten Intraoral-Sonde sollen Zahnstrukturen künftig nichtinvasiv, tiefenaufgelöst und dreidimensional abgebildet werden. An ihrer Entwicklung arbeiten derzeit die Westsächsische Hochschule Zwickau und die Poliklinik für Zahnerhaltung der TU Dresden. Ziel ist es, kariöse Läsionen – insbesondere in frühen Stadien oder verdeckter Lage – zuverlässiger zu erkennen als mit etablierten Routineverfahren. Zudem soll die Strahlenexposition möglichst gering gehalten werden. Die im Projekt „KARiSO-3D“ entwickelte Sonde basiert auf der optischen Kohärenztomografie (OCT), einem bildgebenden Verfahren, das mithilfe von nahinfrarotem Licht hochauflösende Schichtaufnahmen aus der Zahnhartsubstanz erzeugt. Aus den Daten werden volumetrische 3-D-Bilder rekonstruiert. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf der 3-D-Datenfusion: Messdaten sollen so aufeinander abgestimmt und zusammengeführt werden, dass Befunde vergleichbar dokumentiert und über Zeitpunkte hinweg reproduzierbar ausgewertet werden können. Dies könnte künftig die klinische Entscheidungsfindung unterstützen, etwa bei der Frage, ob eine Läsion noch nichtinvasiv kontrolliert oder minimalinvasiv behandelt werden sollte. Nach Abschluss der technischen Entwicklung und experimentellen Validierung ist eine Pilotstudie mit Probanden geplant, in der erstmals systematisch Bilddatensätze kariöser Läsionen mit der neuen Sonde erhoben werden sollen. Diese Datengrundlage ist laut den Projektverantwortlichen entscheidend, um Bildmerkmale zuverlässig zu interpretieren, Auswerteverfahren zu vergleichen und die spätere klinische Anwendung vorzubereiten. Das Projekt „KARiSO-3D“ läuft von Oktober 2025 bis Dezember 2027 und wird im Rahmen des EFRE-Programms InfraProNet gefördert. nb Demonstration der Intraoral-Sonde an der Poliklinik für Zahnerhaltung der TU Dresden. Das System soll eine strahlungsfreie, dreidimensionale Kariesdiagnostik ermöglichen. Foto: Svea Steuer/TU Dresden zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (648)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=