Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 11

32 | ZAHNMEDIZIN DER BESONDERE FALL MIT CME Pleomorphes Adenom in der Glandula sublingualis Helen Josefine Wagner, Bilal Al-Nawas, Peer W. Kämmerer Pleomorphe Adenome sind die häufigsten benignen Neoplasien der Speicheldrüsen. Da die Malignitätsrate mit abnehmender Drüsengröße stark ansteigt, kommen pleomorphen Adenomen der kleinen Speicheldrüsen eine besondere klinische Bedeutung zu. Die diagnostischen Herausforderungen zeigt dieser Fall. Aufgrund einer progredienten Schwellung im Mundboden rechtsseitig wurde eine 56-jährige Frau in unserer Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – Plastische Operationen vorstellig. Der Hauszahnarzt hatte sie überwiesen. Anamnestisch bestand die Schwellung seit einigen Wochen, hatte aber bislang nicht zu Schmerzen, Schluckstörungen, Mundöffnungsbehinderungen oder Bewegungseinschränkungen der Zunge geführt. Neben einer medikamentös gut eingestellten arteriellen Hypertonie lagen keine Vorerkrankungen vor. Die klinische Untersuchung ergab eine derbe Schwellung des rechten Mundbodens, verschieblich, nicht adhärent zum Unterkieferknochen und ohne Hinweise auf eine akute Entzündung oder einen Abszessverhalt (Abbildung 1). Die Palpation des Halses ergab keinen Hinweis auf zervikale Raumforderungen oder vergrößerte Lymphknoten. Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung lag bereits eine am Tag zuvor extern angefertigte Magnetresonanztomografie vor. In der Bildgebung zeigte sich eine ovale, gut abgrenzbare Raumforderung mit überwiegend homogener Signalintensität. Die Läsion stellte sich gegenüber dem umliegenden Drüsengewebe signalangehoben und relativ gleichmäßig kontrastmittelaufnehmend dar. Infiltratives Wachstum in angrenzende Weichteilstrukturen oder eine Destruktion des angrenzenden Unterkieferknochens bestanden nicht. Die umgebenden anatomischen Strukturen im Mundboden, einschließlich Muskulatur, Gefäße und Nerven erschienen verdrängt, aber nicht destruierend verändert (Abbildung 2). Anzeichen einer Nekrose, irreguläre Randkonturen oder pathologisch vergrößerte zervikale Lymphknoten lagen nichtvor. Auf Grundlage der klinischen und der radiologischen Diagnostik wurde die Verdachtsdiagnose eines Adenoms der Glandula sublingualis rechts gestellt. Differenzialdiagnostisch kommen insbesondere mucoepidermoide Karzinome, adenoid-zystische Karzinome sowie Karzinome ex pleomorphem Adenom in Betracht [Speight et al., zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (890) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. Abb. 1: Klinischer Befund intraoperativ: Im Mundboden rechts zeigt sich der derbe Befund im Bereich der rechten Glandula sublingualis. Fotos: Universitätsmedizin Mainz

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