70 | GESELLSCHAFT IM EINSATZ MIT PLANETACTION AUF MADAGASKAR Zwischen Unterversorgung, Aberglauben und lachenden Kindern Severin Hackenberger Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, gerade die ländlichen Regionen sind unterversorgt und teils von Dürren geplagt. Selbst wenn es einen Zahnarzt im Umkreis gibt, ist noch nicht garantiert, dass die Menschen davon wissen oder sich ihm anvertrauen. Viel zu tun also für uns als Einsatz-Team. Die deutsche zahnmedizinische Hilfsorganisation PlanetAction e. V. betreibt Hilfsprojekte in afrikanischen Ländern wie Madagaskar. Dorthin fliegt zweimal pro Jahr ein mehrköpfiges Team aus approbierten Zahnärzten, ZFA und motivierten Studierenden. Die Einsatzgruppen organisieren sich vor Ort jeweils selbst. Die An- und Abreise, die Orte, die Materialien und die Zusammenarbeit mit lokalen Ansprechpartnern werden nach dem aktuellen Bedarf und der Dauer des Projekts eingeteilt. Dadurch können die Aufenthalte etwas mehr auf die Zielbevölkerung abgestimmt werden, wobei in der Regel überall genug Arbeit ansteht. So war es auch bei unserem vierwöchigen Einsatz im vergangenen Jahr im Süden von Madagaskar. Dort ist in den vergangenen Jahren durch Dürreperioden eine Nahrungsmittelknappheit entstanden, sodass zahnmedizinische Probleme oft zur Nebensache im Alltag gerieten. Mit mehreren Koffern voller Materialspenden, Kleidung oder auch Spielzeug trafen wir zunächst in der Hauptstadt Antananarivo ein. Per Inlandsflug ging es weiter nach Fort Dauphin im Süden der Insel, gekennzeichnet von tropischem Klima. Aberglaube führt viele immer noch eher auf den Marktplatz In Amboasary-Sud mit etwa 40.000 Einwohnern gibt es keinen Zahnarzt und nur eine Krankenstation mit drei Betten in einem Kloster, wogegen in Fort Dauphin mit knapp 100.000 Einwohnern einige lokale Zahnärzte und sogar ein kleines Röntgengerät vorhanden sind. Ein Verhältnis lässt sich aber schwer bestimmen, da es keine offiziellen Einwohnerzahlen gibt, die Städte teils über größere Einzugsgebiete verfügen und ein Zahnarzt dort nicht zwingend regelmäßig arbeitet. Unklar bleibt auch, welcher Anteil der Bevölkerung überhaupt von der Existenz zahnmedizinischer Versorgung weiß und wie misstrauisch diese Tätigkeit beäugt wird. Denn in Madagaskar sind der Glauben an die Verstorbenen und Aberglauben recht verbreitet. Uns wurde zudem berichtet, dass man sich bei akuter Not auch „auf dem Markt in Innenstädten von einem Laien mit einer Haushaltszange gegen Kleingeld“ helfen lassen könne, von Krankenkassensystemen oder staatlicher zahnmedizinischer Versorgung wurde uns nicht berichtet. Für Projekte im Süden des Landes gibt es im Collège St. Vincentien Marillac in Fort Dauphin einen Behandlungsraum und ein gut ausgestattetes Materiallager, das die Einsatzgruppen immer mit Verbrauchsmaterialien auffüllen. Instrumentarium ist eigentlich ausreichend vorhanden. So sortierten wir am ersten Tag das noch vorhandene und unser neues Material, luden von allem die Hälfte auf drei Jeeps, mit denen wir dann nach Amboasary-Sud aufbrachen. Dort wohnten und arbeiteten wir zwei Wochen im Collège St. Joseph Michel, betrieben von vier sehr lieben Nonnen. Der Hahn krähte morgens um 5 Uhr, gegen 6 Uhr gab es (optionale) Morgengebete und kurz danach Frühstück. Typisch madagassisch besteht dieses aus kaltem, rotem Reis vom Vortag mit Gemüse. Für uns wurde extra Milch zu Käse fermentiert, Baguette aufgetrieben und lokaler Honig serviert. Mittags und abends hat man uns dann reichlich mit Gemüse und Fleisch bekocht, das vom lokalen Markt oder aus dem eigenen Hof stammte. Läden oder Supermärkte nach unserem Verständnis gibt es in Amboasary-Sud nicht, der Markt unter freiem Himmel stellt die Versorgung sicher. zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (928) Wenn Lebensmittel knapp sind, rückt der Besuch beim Zahnarzt einmal mehr in den Hintergrund. Severin Hackenberger Student im 9. Fachsemester an der Universität Freiburg und Organisator der Infoabende zu Famulaturen und Austauschmöglichkeiten im Studium Foto: Severin Hackenberger
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