Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 11

zmSTARTER | 79 zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (937) STIPENDIUM MIT BLEIBEVERPFLICHTUNG Wird das was Festes? Zahnarzt Nico Strasser war der erste Student, der das Zahnmedizinstipendium des Kreises Siegen-Wittgenstein in Südwestfalen erhielt – im Gegenzug musste er sich verpflichten, in der Region zu bleiben. Seit über einem Jahr erfüllt er nun seinen Teil der Vereinbarung und arbeitet in einer Praxis im Siegerland. Wie geht es ihm in der alten Heimat? Dass er mal Zahnarzt werden will, wusste der aus Neunkirchen im Siegerland stammende Nico Strasser schon mit 16 Jahren. Damals spielte er Tischtennis in der Oberliga und sein Trainer war: Zahnarzt. „Ich habe ein Praktikum bei ihm gemacht und fand es schön zu sehen, wie frei er sich als Selbstständiger seine Zeit einteilen konnte“, erinnert sich Strasser. „Außerdem liegt mir das handwerkliche Arbeiten.“ Nach dem Abitur 2015 musste sich Strasser auf dem Weg zum Traumjob aber noch gedulden. Sein guter Zweierschnitt reichte nicht, um sofort einen Studienplatz in der Zahnmedizin zu bekommen. Stattdessen machte er eine Ausbildung zum Zahntechniker und arbeitete anschließend eineinhalb Jahre in dem Beruf. Im Wintersemester 2019/20 wurde er dann nach einem sehr guten Ergebnis beim Medizinertest zum Studium in Gießen zugelassen. Um über die Runden zu kommen, arbeitete Strasser nebenher weiter als Zahntechniker. Als seine Großmutter ihn auf das neue Zahnmedizinstipendium des Kreises Siegen-Wittgenstein aufmerksam machte, bewarb er sich ohne lange zu zögern – mit Erfolg. Im Frühjahr 2022 bekam er die Zusage und unterschrieb den Vertrag. Die mit 500 Euro monatlich dotierte Förderung bedeutete für den Studenten eine große finanzielle Entlastung, die ihm deutlich mehr Zeit zum Lernen verschaffte. „Mir gefiel an dem Stipendium aber auch die Intention, Studierende für die Arbeit auf dem Land zu gewinnen“, so Strasser. Im Gegenzug für die Unterstützung durch den Kreis verpflichtete er sich, nach Abschluss seines Studiums dort zu arbeiten, und zwar für die Dauer der in Anspruch genommenen Förderung. In Strassers Fall sind das drei Jahre. Er profitierte aber nicht nur finanziell: Der niedergelassene Zahnarzt, bei dem er im Januar 2025 seine Assistenzzeit begonnen hat, wurde über einen Zeitungsbericht auf den Stipendiaten aufmerksam und kontaktierte ihn. „Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, menschlich und professionell“, erzählt Strasser. „Die restlichen zwei Jahre meines Studiums haben wir den Kontakt gehalten und ich konnte mich bei Fragen immer an ihn wenden.“ Die Entscheidung, sich im Rahmen des Stipendiums für die Arbeit im Siegerland zu verpflichten, fiel Strasser wegen des überschaubaren Zeitrahmens und seiner großen Heimatverbundenheit nicht schwer. Das Stipendium habe ihm viel ermöglicht: „Obwohl ein Ortswechsel in zwei Jahren möglich wäre, kann ich mir aktuell nicht vorstellen, woanders alt zu werden.“ Auch für Studierende, die sich noch nicht festlegen wollen, sei das Förderprogramm ideal, findet der Berufseinsteiger: „Es bietet einem die Chance, aus erster Hand Eindrücke von der Arbeit auf dem Land zu gewinnen – mit dem Wissen, dass man sich nicht superlange bindet. Gleichzeitig besteht eine reale Chance, dass man sich in dieser Zeit hier sehr wohlfühlt und beschließt, für immer zu bleiben.“ sth Seit Februar 2025 arbeitet Nico Strasser in einer Landzahnarztpraxis im Siegerland. Foto: Privat „An der Arbeit in der Landzahnarztpraxis gefällt mir besonders das breite Versorgungsspektrum, das mein handwerkliches Können täglich auf die Probe stellt. Ich kann, darf und soll alles machen. Ich genieße auch den Kontakt zu den Patienten. Die Menschen im Siegerland sind speziell, aber sehr herzlich, wenn man ihnen hilft.“ Nico Strasser, Stipendiat und Assistenzzahnarzt DAS STIPENDIUM Neben dem Zahnmedizinstipendium, das 2019 startete, gibt es im Kreis Siegen-Wittgenstein seit 2015 ein Stipendium für die Humanmedizin. Die Förderung wird für maximal vier Jahre gewährt. Bis jetzt haben 18 Studierende das Stipendium abgeschlossen (16 Humanmedizin, zwei Zahnmedizin). Das Fazit des Kreises fällt positiv aus. Die meisten Stipendiatinnen und Stipendiaten sind im Kreisgebiet geblieben.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=