Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

PRAXIS | 29 Zahnärztinnen und Zahnärzte passen ihre berufliche Entwicklung bewusst an private Lebensphasen an. Während einige vor der Familiengründung berufliche und finanzielle Stabilität schaffen möchten, bevorzugen andere eine abgeschlossene Familienplanung, bevor sie sich selbstständig machen. In vielen Fällen wird die Flexibilität der Selbstständigkeit als Vorteil wahrgenommen, um berufliche und familiäre Prioritäten langfristig in Einklang zu bringen. Drei Lebensmodelle – drei Niederlassungsmodelle Die Studie identifiziert drei Lebensund Arbeitsmodelle, die exemplarisch zeigen, wie unterschiedlich sich berufliche und familiäre Ziele miteinander verbinden lassen. 1. Flexibilitätsorientiert: Dieses Modell leben überwiegend Zahnärztinnen, die Kinder haben. Ihre Familienplanung ist meist abgeschlossen. Berufliche Auszeiten haben sie in der Anstellung genommen, längere berufliche Auszeiten während der Niederlassung sind nicht eingeplant. Sie verfügen über etablierte Betreuungsstrukturen. Die Zahnärztinnen legen in der Niederlassung Wert auf flexible Arbeitszeitmodelle und eine gute Vereinbarkeit von Familie und Praxisalltag. 41 Prozent der Studienteilnehmenden lassen sich diesem Modell zuordnen. 2. Beruflich fokussiert: Dieses Modell wird überwiegend von männlichen Befragten verkörpert, die ebenfalls alle Kinder haben. Deren Betreuung übernehmen in der Regel die Partnerin oder externe Einrichtungen. Berufliche Auszeiten wurden in der Anstellung nur selten genommen und sind zukünftig nicht in größerem Umfang geplant. Die Zahnärzte dieser Gruppe legen Wert auf die Selbstverwirklichung in der Niederlassung. 25 Prozent der Studienteilnehmenden leben dieses Modell. 3. Selbstbestimmt und ungebunden: In diesem Modell finden sich Zahnärztinnen und Zahnärzte zu gleichen Teilen, insgesamt 34 Prozent der Studienteilnehmenden. Alle sind zum Zeitpunkt ihrer Niederlassung kinderlos, viele äußern jedoch einen Kinderwunsch für die Zukunft. Rund 20 Prozent planen perspektivisch berufliche Auszeiten für Kinder ein. Die Niederlassung bietet ihnen zunächst berufliche Stabilität und die Möglichkeit, die eigene Praxis nach individuellen Vorstellungen aufzubauen, bevor familiäre Veränderungen anstehen. zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (983) Familie und Niederlassung im Einklang Quelle: IDZ Charakteristische Lebens- und Arbeitsmodelle Flexibilitätsorientierte Mütter überwiegend weiblich (95 %) Fokus auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch flexible Arbeitsmodelle Beruflich fokussierte Väter Fokus auf Selbstverwirklichung, stark berufsorientiert bei gleichzeitigem Familienleben. Lebensplanung Mittlere Wichtigkeit Rahmenbedingungen Eher Unwichtig Selbstverwirklichung Wichtig überwiegend männlich (86 %) Selbstbestimmte Ungebundene Unabhängig mit Fokus auf stabilen Rahmenbedingungen. weiblich (55 %) und männlich (45 %) alle mit Kindern alle mit Kindern keine Kinder häufige Auszeiten wegen Kindern kaum Auszeiten keine Auszeiten Lebensplanung: Vereinbarkeit Familie, Absicherung, Kinderbetreuung | Rahmenbedingungen: wirtschaftliche und organisatorische Faktoren | Selbstverwirklichung: Autonomie und eigenes Praxiskonzept n= 216 n= 182 n= 130 Lebensplanung Sehr Wichtig Rahmenbedingungen Leicht Wichtig Selbstverwirklichung Eher Unwichtig Lebensplanung Unwichtig Rahmenbedingungen Wichtig Selbstverwirklichung Eher Wichtig Dr. med. dent., M.Sc. Nele Wicking Wissenschaftliche Referentin Referat III: Zahnärztliche Professionsforschung Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) Universitätsstraße 73, 50931 Köln Foto: IDZ

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