Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

ZAHNMEDIZIN | 41 Sonderungstiefen≥4 mm sowie Mundhygieneinstruktionen allein oder aber in Kombination mit zusätzlicher häuslicher „Dual-Light aPDT“. Die „Dual-Light aPDT“ wurde einmal täglich durch die Patienten durchgeführt, indem 30 ml einer Mundspüllösung (250 mg/ml Indocyanine Green) für zehn Minuten mittels eines Applikatormundstücks aktiviert wurden, das Licht der Wellenlängen 405 und 810 nm emittiert. Die Blutung auf Sondierung (BOP), der sichtbare Plaqueindex (VPI), die Anzahl der Stellen mit ≥ 4 mm parodontaler Sondierungstiefe (PPD) und der klinische Attachmentlevel (CAL) wurden zu Baseline (vor Instrumentierung) sowie nach drei und sechs Monaten gemessen. Die Veränderung des BOP war die primäre Zielgröße. Ergebnisse Von den 200 randomisierten Patienten schlossen 184 alle Besuche ab. n Zur Baseline waren die Gruppen hinsichtlich BOP, VPI und PPD vergleichbar. n Nach drei und sechs Monaten wurde in der Testgruppe (mit adjuvanter Doppellichttherapie) ein niedrigerer BOP (12,6 ± 0,7 Prozent und 12,0 ± 0,8 Prozent) erreicht als in der Kontrollgruppe (17,8 ± 0,8 Prozent und 17,3 ± 1,0 Prozent); p < 0,0001 und p < 0,0002 sowie ein niedriger VPI (8,5 ± 0,7 Prozent und 9,7 ± 0,8 Prozent gegenüber 13,3 ± 0,8 Prozent und 14,2 ± 1,0 Prozent); p < 0,0005 und 0.0142. n In der Testgruppe fanden sich außerdem weniger Messstellen mit PPD≥ 4 mm (5,6 ± 0,7 und 5,3 ± 0,6 gegenüber 7,6 ± 1,2 und 7,8 ± 0,9); p = 0,02 und p = 0,02. n Insgesamt wurde eine gute Verträglichkeit der adjuvanten Testbehandlung konstatiert, nur sieben Teilnehmer in der Testgruppe brachen dieseab. Fazit und Bedeutung für die Praxis Wie lassen sich diese Ergebnisse einordnen? Den Autoren zufolge könnte die regelmäßige häusliche DoppellichtTherapie eine vielversprechende Ergänzung zu bestehenden Homecare-Strategien darstellen und einen Fortschritt für adjuvante UPT-Verfahren bedeuten. Allerdings führen sie selbst einige Limitationen ihrer Studie aus: Die parodontale Erkrankung der Teilnehmer war bereits gut kontrolliert und sie wiesen zumeist nur leichte Entzündungszeichen, nur wenige tiefere Taschen sowie eine gute Compliance hinsichtlich ihrer häuslichen Mundhygiene auf. Die klinische Relevanz der statistisch erzielten Unterschiede zwischen den Gruppen kann diskutiert werden. Auch ist eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Patienten mit stärkerer Entzündung und schlechterer Mundhygiene nicht ohne weiteres möglich. Eine Verblindung des Untersuchers gegenüber der Gruppenzuteilung – eine sehr wichtige Voraussetzung zur Reduktion des Verzerrungsrisikos in einem RCT – hatte nicht stattgefunden. Damit ist die Studie mit einem hohen „Risk of bias“ behaftet, was ihre Evidenzstärke deutlich schwächt. Anzumerken ist weiterhin, dass aus der Erklärung von Interessenkonflikten zu entnehmen ist, dass sowohl der Seniorautor als auch der Studienleiter Aktienanteile an der finnischen Herstellerfirma besitzen. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass eine Kosten-Nutzen-Berechnung und -abwägung aussteht und weitere wichtige patientenbezogene beziehungsweise -berichtete Endpunkte wie Zufriedenheit und mundgesundheitsbezogene Lebensqualität ebenfalls noch nicht vorliegen. Vor dem Hintergrund, dass die UPT eine zumeist (lebens-)lange Therapiephase darstellt, dürften diese Aspekte aber eine große Auswirkung auf die langfristige Compliance der Patienten mit dieser zeitaufwendigen ergänzenden Hygienemaßnahme haben. n Die Studie: Pakarinen S, Välimaa H, Heikkinen AM, et al. A randomized controlled trial of home-applied dual-light photodynamic therapy during supportive periodontal care (HOPE-CP study). J Periodontol. 2026;1-12. https:/doi.org/10.1002/jper.70082 zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (995) Univ.-Prof. Dr. med. dent. Dr. med. Søren Jepsen, MS Poliklinik fü r Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde, Zentrum fü r Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsklinikum Bonn Welschnonnenstr. 17, 53111 Bonn Foto: privat AUS DER WISSENSCHAFT In dieser Rubrik berichten die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der zm regelmäßigü ber interessante wissenschaftliche Studien und aktuelle Fragestellungen aus der nationalen und internationalen Forschung. Die wissenschaftliche Beirat der zm besteht aus folgenden Mitgliedern: Univ.-Prof. (a.D.) Dr. Elmar Hellwig, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (bis 31.12.2023) Univ.-Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen, Universitätsklinikum Bonn Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer, Charité – Universitätsmedizin Berlin Univ.-Prof. Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, Universitätsmedizin Mainz

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