Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

42 | NACHRICHTEN NEWS GRUNDLAGENFORSCHUNG ZAHNALTERUNG Warum die Pulpa im Alter schlechter regeneriert Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit der Zahnpulpa zur Regeneration ab. Forschende der Sichuan University beschreiben nun einen möglichen zellulären Mechanismus hinter diesem Prozess. Im Zentrum stehen NFATC1-positive dentale PulpaStammzellen beziehungsweise mesenchymale Stromazellen der Pulpa, die an der Differenzierung zu Odontoblasten und damit an Reparaturprozessen im Dentin-Pulpa-Komplex beteiligt sind. Die Forschenden untersuchten zunächst humane Molaren mit ausgeprägter kariöser Destruktion und verglichen jüngere mit älteren Patientinnen und Patienten. Dabei zeigte sich, dass ältere Zähne eine deutlich geringere regenerative Antwort aufwiesen. Die Autorinnen und Autoren führen das auf eine altersassoziierte Einschränkung der Pulparegeneration zurück. In Mausmodellen identifizierte das Team eine Subpopulation dentaler Pulpa-Stammzellen, die den Transkriptionsfaktor NFATC1 exprimiert. Diese Zellpopulation trug in jungen Zähnen zur Neubildung von Pulpagewebe und zur Odontoblastendifferenzierung bei. In gealterten Zähnen war sie dagegen deutlich reduziert. Wurde diese Zellpopulation in jungen Mäusen experimentell ausgeschaltet, zeigten die Zähne ebenfalls Merkmale einer vorzeitigen Zahnalterung: eine gesteigerte zelluläre Seneszenz der Pulpa, eine reduzierte Odontoblastenzahl und eine eingeschränkte Regenerationsfähigkeit nach pulpanaher Schädigung. Die Studie deutet damit darauf hin, dass eine NFATC1-Dysfunktion die Seneszenz mesenchymaler Pulpa-Stromazellen fördern und so zur altersassoziierten Abnahme der Zahnregeneration beitragen kann. In einem weiteren Schritt prüften die Forschenden, ob sich dieser Prozess beeinflussen lässt. Bei NFATC1-defizienten Mäusen stimulierte eine Kombination senolytischer Wirkstoffe die Regeneration. Senolytika zielen darauf ab, seneszente Zellen selektiv zu eliminieren. Die Studie deutet darauf hin, dass NFATC1-positive PulpaStammzellen eine wichtige Rolle für die Regeneration des Pulpa-Dentin-Komplexes spielen und dass ihr Verlust oder ihre Funktionsstörung zur Zahnalterung beitragen könnte. Klinisch ist der Ansatz allerdings noch klar präklinisch einzuordnen. Weitere Studien müssen zeigen, ob der Erhalt dieser Zellpopulation oder senolytische Strategien altersbedingte Regenerationsverluste im menschlichen Zahn tatsächlich beeinflussen können. nl Li F, Yu C, Yao L, Tang Y, et al. NFATC1 dysfunction-triggered MSC senescence induces tooth aging amenable to senolytic therapy. Stem Cell Reports. 2026 May 21:102925. doi: 10.1016/j.stemcr.2026.102925. Epub ahead of print. PMID: 42167223. EUROPÄISCHE ZAHNÄRZTESCHAFT Deutsche Delegation bei CED-Treffen in Zypern Die Frühjahrsvollversammlung des Council of European Dentists (CED) hat am 22. und 23. Mai in Limassol auf Zypern stattgefunden. Die deutsche Delegation führte Dr. Romy Ermler an, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und CEDVorstandsmitglied. Auf Zypern dabei waren außerdem (v.l.): Dr. Alfred Büttner (BZÄK), Dr. Torsten Tomppert (Präsident der LZK sowie Vorstandsvorsitzender der KZV Baden-Württemberg), Florian Lemor (BZÄK), Dr. Axel Wiesner (Vizepräsident ZKN), DMD Henner Bunke (Präsident ZKN) und Prof. Dr. Thomas Wolf (Vorstandsmitglied FVDZ). ao Foto: BZÄK zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (996) ARZNEIMITTELVERSORGUNG IN DER EU Critical Medicines Act verabschiedet Der Rat der EU und das EU-Parlament haben sich beim Critical Medicines Act (CMA) geeinigt. Engpässe bei der Versorgung mit wichtigen Arzneimitteln, wie Antibiotika, Insulin und Schmerzmitteln, sollen damit behoben werden. Der „Rechtsakt zu kritischen Arzneimitteln“ zielt insbesondere auf Versorgungssicherheit bei Medikamenten ab. Ein Baustein ist die Schaffung widerstandsfähiger Lieferketten. Ein weiteres Element ist die Steigerung und Modernisierung von EU-Produktionskapazitäten für kritische Arzneimittel oder deren Wirkstoffe. Dazu haben sich Rat und Parlament auf einen leichteren Zugang zu Finanzmitteln sowie schnellere administrative Unterstützung geeinigt. Darüber hinaus sollen Projekte zur Herstellung von Arzneimitteln für seltene Krankheiten von einer schnelleren Genehmigung profitieren. Nächste Schritte: Nach der vorläufigen politischen Entscheidung muss der CMA nun noch vom Europäischen Parlament und vom Rat förmlich gebilligt werden. sth

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