Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

NACHRICHTEN | 43 Dr. Sabrina Reitz (3. v.r., Platz 1) und Dr. Stephanie Jonuscheit (3. v.l., Platz 2) nahmen ihre Urkunden für den Praktikerpreis 2026 entgegen. Foto: OEMUS MEDIA AG BZÄK FORDERT ENTBÜROKRATISIERUNG Pro Woche gehen 24 Stunden Behandlungszeit verloren! Die bürokratische Überlastung der Zahnarztpraxen gefährdet Versorgung, Fachkräftesicherung und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, mahnt die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und fordert von der Politik gegenzusteuern. „Praxisinhaber und -inhaberinnen verbringen im Schnitt sechs Stunden pro Woche mit Bürokratie, hinzu kommen 2,5 Stunden je Mitarbeitendem“, bilanziert die BZÄK. Die dadurch verlorengehende Zeit summiere sich im Schnitt auf mehr als 24 Stunden pro Woche – mit entsprechenden „Folgen für Patientenzugang und Effizienz“. BZÄK-Vizepräsidentin Dr. Doris Seiz bringt die Stimmung in der Zahnärzteschaft so auf den Punkt: „Unsere Kolleginnen und Kollegen kritisieren, zu wenig zahnärztlich tätig sein zu können, und stattdessen zu viele, teils äußerst absurde, Dokumentationspflichten abzuarbeiten. Diese Misstrauenskultur kostet Zeit, Geld, Nerven und am Ende Versorgungsqualität.“ Überflüssige Doppel- und Dreifachdokumentationen, aufwendige Prüfregime ohne Zusatznutzen und immer neue Vorgaben trieben die Kosten in den Praxen in die Höhe – und mittelbar auch die Ausgaben der Versicherungen, führt die BZÄK weiter aus. Gleichzeitig verschärfe sich so der Fachkräftemangel: „Praxisteams werden gebunden, junge Zahnärztinnen und Zahnärzte von Niederlassung abgeschreckt, erfahrene Kolleginnen und Kollegen gehen früher aus dem Beruf.“ Die BZÄK unterstreicht, dass der Abbau von Bürokratie Kosten im Gesundheitssystem einsparen würde. „Mehr Behandlungszeit, weniger Verwaltungsaufwand und stabile Praxen bedeuten bessere Prävention, weniger Folgekosten und eine nachhaltige Entlastung der Kassen“, rechnet die Berufsorganisation vor. Entbürokratisierung sei vor diesem Hintergrund kein Luxus, sondern Voraussetzung für eine zukunftsfeste Gesundheitsversorgung. sth AUSZEICHNUNG DER DGPZM Praktikerpreis 2026 an zwei Projekte verliehen Beim Präventionskongress der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) wurde auch in diesem Jahr der Praktikerpreis verliehen. Ausgezeichnet wurden zwei Projekte mit besonderem Innovations- und Modellcharakter. Mit dem 1. Platz und einem Preisgeld von 1.500 Euro wurde das Konzept „Strukturelle Präventionsversorgung für Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Unterstützungsbedarf: Ein praxisorientiertes Modell für die Special-Care-Zahnmedizin“ von Dr. Sabrina Reitz aus Mainz ausgezeichnet. Das Konzept, das im Rahmen einer Praxisneugründung umgesetzt wird, verbindet eine sensorisch angepasste Behandlungsumgebung mit visuellen Kommunikationshilfen und organisatorischen Praxisanpassungen zu einem integrativen Präventionsmodell für Menschen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf. Ziel ist es, Zugangsbarrieren in der zahnärztlichen Versorgung abzubauen und eine regelmäßige präventive Betreuung zu fördern. Die Jury würdigte insbesondere den inklusiven und praxisnahen Ansatz mit Modellcharakter für eine zukunftsorientierte Versorgung. Den 2. Platz und damit ein Preisgeld von 1.000 Euro erhielt der Beitrag „Vermeidung der ITN zur Zahnsteinentfernung bei Patienten mit besonderen Bedürfnissen durch Verhaltensführung“, vorgestellt von Dr. Stephanie Jonuscheit (gemeinsame Arbeitsgruppe mit Dr. Isabelle Buchheidt-Dörfler, Dr. Rose Beia, Prof. Dr. Kerstin Galler und Dr. Eva Maier von der Zahnklinik 1 - Zahnerhaltung und Parodontologie, Universitätsklinikum Erlangen). Anhand mehrerer Fallbeispiele wurde gezeigt, dass professionelle Zahnreinigungen bei Menschen mit besonderem Behandlungsbedarf durch individualisierte Verhaltensführung und eine angepasste Behandlungsumgebung erfolgreich ohne Intubationsnarkose durchgeführt werden können. Hervorgehoben wurde insbesondere der ressourcenschonende und präventionsorientierte Ansatz, der langfristig die zahnmedizinische Betreuung und Versorgung dieser vulnerablen Patienten positiv beeinflussen kann. mg zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (997) Über 24 Stunden verbringen die Teams in den deutschen Zahnarztpraxen durchschnittlich mit Dokumentation. Aus Sicht der Bundeszahnärztekammer ist das Zeit, die für Prävention fehlt – und entsprechende Folgekosten verursacht. Foto: Anna Jurkovska – stock.adobe.com

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=