44 | TITEL FORTBILDUNG INTRAORALSCANNER Intraoralscanner – wirklich (un)verzichtbar?! Liebe Kolleginnen und Kollegen, mich persönlich freut es sehr, dass wir dem Intraoralscanner hier Raum für einen ausführlichen Fortbildungsteil geben. Denn kaum ein anderes technisches Gerät hat den zahnärztlichen Alltag in meinem bisherigen Berufsleben stärker verändert. Ich erinnere mich noch sehr genau an meine erste Begegnung mit diesem Thema. Das war während meines Studiums an der LMU München in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre – damals ausschließlich im Zusammenhang mit dem CEREC-System und zunächst eher theoretischer Natur. Albert Mehl, heute Professor in Zürich und damals noch Habilitand in München, beschäftigte sich bereits intensiv mit der computergestützten Fertigung dentaler Restaurationen. Das war für mich als Student spannend, faszinierend und eine Richtung, in die ich mich auch entwickeln wollte. Die zweite prägende Begegnung folgte im Jahr 2000, als ich als junger Assistent in der Praxis meines Vaters zunehmend Keramik-Inlays – zugleich Thema meiner Promotion – einsetzte und wir die Anschaffung eines Keramik-Pressofens für das Labor planten. Der Mitarbeiter des Depots versuchte damals, uns stattdessen ein CERECSystem zu verkaufen. Aus seiner Sicht war dies dem klassischen Workflow bereits ebenbürtig. Was möchte ich damit sagen? Vor rund 30 Jahren lag der Fokus der Digitalisierung primär auf der Restauration. Ziel war es, keramische Versorgungen möglichst direkt und effizient herzustellen – und dafür musste die Mundsituation digitalisiert werden. Das eigentlich Revolutionäre dieser Entwicklung, ein digitales Abbild der Mundhöhle mit all seinen Vorteilen weit über die Herstellung von Restaurationen hinaus zu schaffen, war noch gar nicht so recht in den Blick gekommen, man freute sich zunächst einfach über die keramischen Restaurationen. Als wir an der Universität München ab 2004 unsere ersten klinischen Studien mit Lithiumdisilikatkronen und -brücken durchführten, wurden diese im Labor geschliffen, kristallisiert und verblendet. Als eine Art „Dreingabe“ erhielten wir damals eine intraorale Aufnahmeeinheit des aktuellen CERECSystems. Dennoch war es vollkommen selbstverständlich – und so sah es auch das Studienprotokoll vor –, zunächst eine konventionelle physische Abformung zu erstellen. Der weitere Workflow verlief klassisch über das Modell im Labor, das dort mithilfe eines Laborscanners digitalisiert wurde. Die CAD/CAM-gefertigten Restaurationen wurden anschließend im Artikulator kontrolliert und angepasst. Die Digitalisierung beschränkte sich damit nahezu vollständig auf die Arbeitsschritte im Labor. Wahrscheinlich hätten auch Kronen, die direkt auf Basis intraoraler Scandaten hergestellt worden wären, klinisch nicht schlechter funktioniert. Denzm116 Nr. 12, 16.06.2026, (998) Foto: Privat AB SEITE 46 AB SEITE 54 AB SEITE 62 Das sind die gängigen Geräte am Markt Mit der Anschaffung eines Intraoralscannerseröffnen sich faszinierende Möglichkeiten, es kommt aber auch viel Lernaufwand – und mit der Integration in die Infrastruktur auch Arbeit – auf die Praxis zu. Eine Übersicht über die aktuellen Geräte und Anwendungsmöglichkeiten. AutorInnen: Assoc. Prof. Dr. med. dent. Gülce Çakmak (Berlin), Dr. medic. Henriette Lerner, PHD, FDSRCS (Baden-Baden), Hamed Marmarshahi, M.Sc. (Köthen) Der IOS in der restaurativen Versorgung Heute steuert der Intraoralscanner auf die Rolle eines Universalwerkzeugs in der modernen Zahnmedizin zu. Seine Anfänge liegen jedoch in der restaurativen Versorgung, die immer stärker von den digitalen Innovationen profitiert. Ein Blick auf die Historie und den digitalen Workflow in der restaurativen Zahnheilkunde. Restaurativer und prothetischer Workflow Entscheidend für die klinische Anwendbarkeit von Intraoralscannern ist die Übertragungsgenauigkeit der intraoralen Situation auf ein digitales Modell. Nur dann kann eine funktionelle und biologische Langzeitstabilität gewährleistet werden. Indikationen für den Einsatz und Tipps für gute Scanergebnisse. AutorInnen: PD Dr. med. dent. Alexander Schmidt, M.Sc., Dr. med. dent. Merlind BeckerSchönfeldt, Lukas Geier, Dr. med. dent. Anne Garling, Prof. Dr. med. dent. Maximiliane Amelie Schlenz, M.Sc. (alle Kiel)
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