Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

46 | TITEL Intraoralscanner (IOS) haben sich in den vergangenen Jahren zu einer Schlüsseltechnologie der digitalen Zahnmedizin entwickelt. Die Ablösung konventioneller Abformmaterialien – Polyvinylsiloxan und Polyether – durch optisch-digitale Abformungen markiert einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der zahnärztlichen Praxis. IOS erfassen die dreidimensionale Geometrie von Zähnen durch kontinuierliche Bildaufnahme und rechnergestützte Bildverarbeitung. Die resultierenden STL- oder PLY-Datensätze können unmittelbar an Dentallabore oder Chairside-CAD/CAM-Einheiten übermittelt werden, ohne die für physische Abformungen typischen Verformungs- und Transportfehler. Treiber dieser Entwicklung sind der Wunsch nach gesteigerter klinischer Effizienz, Reproduzierbarkeit und patientenzentrierten Behandlungsabläufen. Konventionelle Abformungen sind – trotz jahrzehntelanger klinischer Bewährung – mit den bekannten Nachteilen verbunden: Dimensionsveränderungen beim Ausgießen, Abdruckfehler durch Speichel und Blut sowie Würgereiz beim Patienten [Revilla-Leon et al., 2021]. Demgegenüber bieten IOS die Möglichkeit zur sofortigen Verifikation, zur Echtzeitkommunikation mit dem Labor und zur nahtlosen Integration in CAD/CAM-Abläufe [Eggmann & Blatz, 2024]. Die Geschichte der intraoralen Scantechnologie beginnt in den späten 1980erJahren mit dem CEREC-System (Chairside Economical Restoration of Esthetic Ceramics), das erstmals die computergestützte Chairside-Restauration ermöglichte. Seitdem haben sich die Geräte von einfachen Oberflächenscannern zu umfassenden diagnostischen Plattformen mit Kariesdetektion, Zahnverschleißmonitoring, KI-gestützter Bildsegmentierung und Telemedizin-Funktionalität weiterentwickelt [Eggmann & Blatz, 2024]. Scantechnologien im Überblick Moderne IOS nutzen unterschiedliche optische Prinzipien, die sich hinsichtlich Tiefenschärfe, Auflösung, Geschwindigkeit und Empfindlichkeit gegenüber dem Umgebungslicht unterscheiden. Konfokale Mikroskopie Die konfokale Mikroskopie, eingesetzt unter anderem von 3Shape (TRIOSSerie) und Dentsply Sirona (PrimescanFamilie), nutzt die selektive Fokussierung von Licht auf definierte Tiefen. Durch sequentielle Rekonstruktion von Schichten entsteht ein präzises 3D-Modell. Der entscheidende Vorteil liegt in der hohen Tiefenschärfe und der geringen Sensitivität gegenüber Reflexionen hochglänzender Oberflächen. Sie sind damit auch unabhängig vom Hintergrundlicht [Eggmann & Blatz, 2024]. Aktuelle In-vitro-Vergleichsstudien zeigen für die TRIOS 5 hohe Genauigkeiten (Richtigkeit: 54,9 µm, Präzision: 37,8 µm) bei Ganzkieferabformungen von Implantaten, Primescan erreichte in dieser Indikation Werte von 72,3 µm (Richtigkeit) ≈49,1 µm (Präzision) [Jain et al., 2024; Vitai et al., 2023]. Strukturiertes Licht / Active Wavefront Sampling Mehrere Hersteller – darunter Medit (i700, i900) und Planmeca (Emerald S) – setzen auf strukturiertes Licht in Form von Streifen- oder Gittermustern. Ein Sensor analysiert die Verformung des projizierten Musters und berechnet daraus die Oberflächengeometrie. Foto: st.kolesnikov - stock.adobe.com zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (1000) FORTBILDUNG INTRAORALSCANNER Das sind die gängigen Geräte am Markt Gülce Çakmak, Henriette Lerner, Hamed Marmarshahi Mit der Anschaffung eines Intraoralscanners eröffnen sich faszinierende Möglichkeiten, es kommt aber auch viel Lernaufwand – und mit der Integration in die Infrastruktur auch Arbeit – auf die Praxis zu. Da ist es hilfreich, zunächst einmal eine Übersicht über die aktuellen Geräte, Technologien und Anwendungsmöglichkeiten zu bekommen.

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