Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

TITEL | 47 Dieses Verfahren erlaubt hohe Scangeschwindigkeiten und ist besonders für komplexe anatomische Strukturen geeignet. Aktuelle Studien belegen für die Medit i700 Werte von circa 60,5 µm (Richtigkeit) und Precision- circa 40,6 µm (Präzision) – vergleichbar mit konfokalen Systemen und klinisch akzeptabel [Jain et al., 2024]. Multi-Directional Confocal (MDC) – iTero Lumina Align Technology hat für den 2024 lancierten iTero Lumina eine neue Erfassungstechnologie entwickelt: das sogenannte Multi-Directionale Confocale-Prinzip (MDC). Ein dreifach breiterer Erfassungsbereich (Field of View) gegenüber den Vorgängermodellen ermöglicht schnellere Scan-Bewegungen; gleichzeitig ist das Handstück 50 Prozent kleiner und 45 Prozent leichter als beim iTero Element 5D+. Erste klinische Studien zeigen, dass der iTero Lumina bei Ganzkieferscans eine vergleichbare Genauigkeit (Richtigkeit) wie photogrammetrische Systeme erreicht, bei der Aufzeichnung von erhöhter Vertikaldimension jedoch hinter TRIOS 5 und Medit i900 zurückbleibt [Cascales et al., 2026; Al-Hassiny et al., 2024]. Fotogrammetrie als Ergänzungstechnologie Für den klinisch anspruchsvollen Fall des vollständig zahnlosen Kiefers mit mehreren Implantaten stößt die konventionelle, oben beschriebene Intraoralscannertechnologie an Grenzen: Die sequenzielle Bildaneinanderreihung akkumuliert Positionsfehler über die gesamte Bogenlänge und beeinflusst damit die Passgenauigkeit von Einstückganzkieferversorgungen negativ. Diese Einschränkung ist besonders kritisch bei All-on-X-Versorgungen mit Sofortbelastungsprotokollen, bei denen die dimensionelle Genauigkeit von entscheidender Bedeutung ist. Fotogrammetrische Verfahren begegnen dieser Problematik durch ein grundlegend anderes Messprinzip: Implantatpositionen werden durch die simultane Auswertung mehrerer Aufnahmen aus unterschiedlichen Winkeln ermittelt, wodurch eine präzise räumliche Rekonstruktion ohne kumulative Verzerrung möglich wird. Klinisch stehen derzeit zwei Hauptansätze zur Verfügung. zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (1001) EMPFEHLUNGEN DER LEITLINIE „INTRAORALSCAN IN DER ZAHNMEDIZIN“ Eine allgemeingültige Bewertung digitaler intraoraler Erfassungssysteme ist nur eingeschränkt möglich, da sich die verfügbaren Scanner hinsichtlich der technischen Funktionsprinzipien, des Entwicklungsstands, der Schnittstellen und dem daraus resultierenden Leistungsspektrum teils erheblich unterscheiden. Zudem unterliegen sowohl die Scantechnologien als auch das Postprocessing und insbesondere die Schnittstellen sowie Weiterverarbeitungsoptionen einem raschen technologischen Wandel. Einschätzungen zum Potenzial einzelner Systeme können daher meist nur den Charakter einer Momentaufnahme haben. Eine belastbare unabhängige wissenschaftliche Evidenz liegt häufig erst zeitlich verzögert vor. Vor diesem Hintergrund sollte der Anwender die individuelle Leistungsfähigkeit und das jeweilige Anwendungsspektrum eines Scanners sorgfältig prüfen. Eine zentrale Voraussetzung für die Beurteilung der Indikationsbreite und klinischen Einsetzbarkeit ist die Genauigkeit des jeweiligen Scansystems, die durch die Parameter „Richtigkeit“ und „Präzision“ beschrieben wird: Während die Richtigkeit angibt, wie nahe ein gemessener Wert (oder Scan) am tatsächlichen Wert liegt, beschreibt die Präzision die Reproduzierbarkeit der Messergebnisse (oder Scans) unter identischen Bedingungen. AutorInnen: Miriam Ruhstorfer, PD Dr. Tobias Graf, Prof. Dr. Jan-Frederik Güth Leitlinie: DGCZ, DGZMK: „Intraoralscan in der Zahnmedizin“, Langversion 1.0, 2025, AWMF-Registriernummer: 083-049, https://register.awmf.org/de/ leitlinien/detail/083-049. Die Parameter der Genauigkeit: schematische Darstellung der Richtigkeit und der Präzision Foto: Leitlinie KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 4 (NEU/2025) Anwender sollten sich bei der Wahl des Intraoralscanners hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und Möglichkeiten der Datenweiterverarbeitung ausführlich informieren. Abstimmung: 26/1/0 (ja, nein, Enthaltung) starker Konsens KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 11 (NEU/2025) Für die Qualität des Endergebnisses einer zahnärztlichen Behandlung auf Basis eines Intraoralscans sind neben dem grundlegenden Intraoralscan auch die Qualität der Schnittstellen sowie die Leistungsfähigkeit der weiterführenden Technologien entscheidend und sollten kritisch geprüft werden. Abstimmung: 26/0/0 (ja, nein, Enthaltung) starker Konsens

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