Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

TITEL | 55 Foto: MARCUS BERENDES weise grob, die Datenerfassung zeitaufwendig und nur unter Verwendung von Scanpudern möglich. Die resultierenden digitalen Modelle boten zwar erstmals eine räumliche Rekonstruktion der intraoralen Situation, blieben jedoch hinsichtlich der Detailgenauigkeit, der Farbtreue und des Bedienkomforts weit hinter dem zurück, was heute als Standard gilt [Logozzo, 2014; Richert, 2017]. Erst im Verlauf der 2010er-Jahre erreichten Intraoralscanner eine neue Entwicklungsstufe. Die Einführung puderfreier Scansysteme verbesserte die klinische Anwendbarkeit im Praxisalltag erheblich. Gleichzeitig wurden erstmals farbige dreidimensionale Darstellungen der intraoralen Strukturen möglich. Diese Farbdarstellungen dienten initial jedoch primär der besseren Orientierung innerhalb des digitalen Modells und entsprachen nicht der tatsächlichen Zahnfarbe [Logozzo, 2014; Richert, 2017; Tabatabaian, 2021; Akl, 2023]. Die kontinuierliche Weiterentwicklung von Hard- und Software führte schließlich zu den heute verfügbaren Hochleistungssystemen. Moderne Intraoralscanner erzeugen innerhalb weniger Sekunden hochauflösende, dreidimensionale Datensätze der intraoralen Situation und stellen diese als farbige Modelle dar, die eine realitätsnahe Visualisierung von Hart- und Weichgeweben erlauben (Abbildung 1) [Abduo, 2018; Kihara, 2020]. Trotz dieser erheblichen technologischen Fortschritte und der zunehmenden Integration digitaler Prozessketten gehört der Intraoralscanner in Deutschland bislang nicht zur Standardausstattung jeder Zahnarztpraxis – die Gründe hierfür sind vielfältig [Schlenz, 2025]. Bei aller Dynamik der digitalen Transformation bleibt gegenwärtig festzuhalten, dass die digitale Abformung mit Intraoralscannern den konventionellen Verfahren mit Abformmassen und -löffeln nicht in allen prothetischen Indikationen gleichwertig ist. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Datenerfassung: Der Intraoralscan bildet primär statische Oberflächenstrukturen ab. Bewegliche Schleimhautareale, mukodynamische Funktionszustände sowie die Resilienz der oralen Schleimhaut lassen sich durch die rein situative Erfassung nur eingeschränkt oder überhaupt nicht abbilden. Dies betrifft insbesondere Situationen mit ausgedehnten beweglichen Weichgeweben und tegumental gelagertem Zahnersatz [Pospiech, 2002; Fueki, 2022; Srivastava, 2023; Wang, 2024]. Herausforderungen bestehen ebenso bei der Genauigkeit großer Kieferspannen oder komplexer implantatprothetischer Versorgungen [Kong, 2022; Wöstmann, 2020]. Auch die zuverlässige Darstellung subgingival gelegener Präparationsgrenzen kann unter klinischen Bedingungen eine Herausforderung darstellen, wobei dies ebenso für die konventizm116 Nr. 12, 16.06.2026, (1009) Intraoralscans spielen nicht nur im digitalen Workflow eine Schlüsselrolle, sondern werden auch gern in der Patientenberatung eingesetzt. n 2008–2013: Studium der Zahnheilkunde, Universität Gießen n 2015: Promotion, Justus-LiebigUniversität Gießen n 2017–2019: Master „Zahnmedizinische Prothetik“, Universität Greifswald n 2018: Spezialist DGPro (Zahnärztliche Prothetik) n 2021: Habilitation, Venia Legendi, Privatdozent und Ernennung zum Oberarzt, Zahnärztliche Prothetik, Universitätsklinikum Gießen n bis 2024: Wissenschaftliche Tätigkeit, Zahnärztliche Prothetik, Universitätsklinikum Gießen n 2023: Ruf auf W3-Professur für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde, Universitätsmedizin Rostock n seit 2023: Angestellter Zahnarzt in Mölln n seit 2024: Oberarzt, Klinik für Zahnmedizinische Prothetik, Universitätsklinikum SchleswigHolstein, Campus Kiel n 2025: Umhabilitation und Venia Legendi, ChristianAlbrechts-Universität zu Kiel PD Dr. med. dent. Alexander Schmidt, M. Sc. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für Zahnmedizinische Prothetik, Arnold-Heller-Str. 3, Haus B, 24105 Kiel Foto: UKSH Kiel

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