66 | TITEL vom Intraoralscan ab, sondern auch von der anschließenden Prozesskette mit additiven oder subtraktiven Herstellungsverfahren [Mehl, 2021]. Genauigkeit bei Ganzkieferabformungen Mit zunehmender Scanpfadlänge steigen die Anforderungen an die Genauigkeit digitaler Abformungen maßgeblich. Während Einzelzahnscans relativ kleine Datensätze darstellen, müssen bei der digitalen Erfassung vollständiger Zahnbögen zahlreiche Einzelbilder miteinander kombiniert werden. Durch diese Aneinanderreihung von Einzelbildern – als Matching- oder Stitchingprozess bezeichnet – können sich kumulative Fehler ergeben. Ursache hierfür sind kleine Registrierungsfehler zwischen den einzelnen Bildsegmenten, die sich entlang des Scanpfades aufsummieren können und dadurch typischerweise am Ende des Scanpfades die meisten Fehler beinhalten [Revilla-Leon, 2025; Gavounelis, 2022]. Dies erklärt, warum in mehreren Untersuchungen gezeigt werden konnte, dass die Abweichung digitaler Modelle mit zunehmender Scanpfadlänge steigt [Schlenz, 2025; Kuhr, 2016]. Während frühere Studien bei digitalen Ganzkieferabformungen noch deutlich größere Abweichungen zeigten, konnten neuere Scannergenerationen diese Effekte durch verbesserte Softwarealgorithmen und optimierte Aufnahmeverfahren teilweise reduzieren. Vollständig eliminiert sind diese Fehler mit steigender Scanpfadlänge bislang jedoch nicht [Schlenz, 2025]. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass digitale Ganzkieferabformungen grundsätzlich möglich sind, jedoch eine konsequente Einhaltung der vom Hersteller empfohlenen Scanstrategie sowie ein Bewusstsein für mögliche Fehlerquellen erfordern [Revilla-Leon, 2023; Alkadi, 2023]. Entscheidend sind dabei stets die jeweilige Indikation und die erforderliche Genauigkeit der geplanten prothetischen Versorgung. Während digitale Abformungen beispielsweise für Gegenkiefer- oder Situationsmodelle problemlos eingesetzt werden können, stoßen intraorale Scanner insbesondere bei komplexeren Indikationen wie der Abformung für herausnehmbaren Zahnersatz weiterhin an ihre Grenzen. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse zur Scangenauigkeit kann es sinnvoll sein, bei mehreren Restaurationen im gesamten Kiefer abschnittsweise vorzugehen und statt eines Ganzkieferscans einzelne Quadrantenscans durchzuführen [Gavounelis, 2022]. Neben der intraoralen Abformung lassen sich Prothesen auch extraoral scannen, wie ein Beispiel aus unserem Integrierten Klinischen Behandlungskurs zeigt, so dass am Zahn 14 eine Teilkrone chairside unter eine bestehende Einstückgussprothese konstruiert werden konnte (Abbildung 4). Insgesamt ist die Evidenzlage für klinische Studien im Lückengebiss noch gering [Fueki, 2022; Carneiro Pereira, 2021]. Die klinische Erfahrung spricht jedoch für die digitale Abformung von Einstückgussprothesen und für die Abformung von Pfeilerzähnen im Rahmen einer Doppelkronenversorgung, wobei nicht alle Prozessschritte vollständig digital abbildbar sind und damit das entsprechende analoge Know-how erforderlich bleibt. Einfluss komplexer intraoraler Situationen Neben der Länge des Scanbereichs beeinflussen auch spezifische intraorale Gegebenheiten die Genauigkeit digitaler Abformungen. Dazu zählen stark reflektierende Oberflächen, ausgeprägte Unterschnitte oder komplexe Zahnstellungen [Alkadi, 2023; Kurz, 2015; Mangano, 2019]. Auch im Rahmen präprothetischer Behandlungen sind digitale Abformungen in komplexen Situationen häufig erforderlich, beispielsweise zur Herstellung kieferorthopädischer Apparaturen oder für Implantatplanungen. Besonders herausfordernd ist die Abformung von Gebissen mit MultibracketApparaturen, da zahlreiche metallische und/oder zahnfarbene Strukturen mit komplizierten Geometrien erfasst werden müssen. Untersuchungen zeigen jedoch, dass moderne Intraoralscanner selbst unter diesen Bedingungen eine hohe Genauigkeit erreichen können. In einigen Studien übertrifft die Präzision digitaler Scans sogar die konventioneller Alginatabformungen [Schlenz, 2023]. Bei Patienten mit fortgeschrittenen parodontalen Veränderungen wie freiliegenden Zahnhälsen oder großen zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (1020) Abb. 4: Klinisches Beispiel einer extraoral gescannten Einstückgussprothese (a und b) mit zusätzlichen intraoralen Scans mit (c) und ohne Prothese (d) in situ zur ChairsideAnfertigung einer Teilkrone an Zahn 14 unter die bestehende Einstückgussprothese a c d b
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