TITEL | 67 Interdentalräumen bieten digitale Verfahren ebenfalls Vorteile. Die kontaktlose optische Erfassung ermöglicht eine detailgetreuere Darstellung komplexer Interdentalräume, während elastomere Abformmaterialien durch Fließ- und Rückstelleigenschaften zu Verzerrungen oder Ausrissen bei der Entformung neigen [Schlenz, 2020]. Zudem werden die Zähne während des digitalen Scans nicht ausgelenkt. Genauigkeit bei Implantatabformungen Besonders hohe Anforderungen an die Genauigkeit bestehen innerhalb der Implantatprothetik. Ziel der Implantatabformung ist dabei die exakte dreidimensionale Übertragung der Implantatposition aus der Mundhöhle auf ein digitales Arbeitsmodell. Digitale Implantatabformungen erfolgen in der Regel mithilfe sogenannter Scanbodies, die auf das Implantat aufgeschraubt werden und als Referenzstruktur für die Software der Intraoralscanner dienen. Mehrere Studien konnten zeigen, dass digitale Verfahren bei Einzelimplantaten und kurzen Implantatspannweiten eine mit konventionellen offenen Abformtechniken vergleichbare Genauigkeit erreichen können (Abbildung 5) [Schmidt, 2021; Rutkunas, 2017]. Die digitale Abformung kann auch intraoperativ durchgeführt werden, da sie keinen Kontakt mit dem Operationssitus hat, so dass die Implantatposition bereits während des Eingriffs erfasst werden kann – wodurch sich die Anzahl der Behandlungstermine bis zur Eingliederung der Implantatversorgung reduzieren lässt. Ein großer Vorteil ist zudem, die druckfreie Erfassung periimplantärer Weichgewebe (Abbildung 6). Zwar ist die Abformung des Emergenzprofils auch im konventionellen Workflow mittels Kunststoffausformungen oder Gingivaformern möglich, jedoch im Vergleich zum Intraoralscan deutlich aufwendiger. Bei multiplen Implantaten oder Abformungen über Ganzkieferimplantatversorgungen treten ähnliche Herausforderungen wie bei Ganzkieferscans natürlicher Zähne auf (Abbildung 7) [Schmidt, 2020]. Mit zunehmender Distanz zwischen den Implantaten steigt das Risiko kumulativer Matching-Fehler. Zusätzlich können die geometrischen Eigenschaften der Scanbodies, deren Oberflächenstruktur sowie deren Fertigungstoleranzen die Genauigkeit der Erfassung der Implantatposition beeinflussen. Insgesamt zeigen sich im Oberkiefer bessere Ergebnisse als im Unterkiefer [Schmidt, 2021], was sicherlich auf die bessere Trockenlegung und den größeren Anteil befestigter Schleimhaut zurückzuführen ist. Daher wird bei komplexen implantatprothetischen Rekonstruktionen zunehmend der Einsatz fotogrammetrischer Systeme diskutiert, die eine direkte dreidimensionale Erfassung der Implantatposition ermöglichen [Schmidt, 2022]. Unterm Strich ist die Datenlage zu klinischen Studien digital abgeformter implantatgetragener Ganzkieferrestaurationen jedoch limitiert. Aus der klinischen Erfahrung ist in jedem Fall ein Abutment-Check zur Kontrolle der digital abgeformten Implantatposition bei größeren Versorgungen empfehlenswert, um bei möglichen Ungenauigkeiten in einem frühen Stadium der Zahnersatzherstellung korrigierend eingreifen zu können. Daraus ergibt sich, dass bei komplexen Versorgungen weiterhin ein erfahrungsbasiertes Vorgehen erforderlich ist. Bei großen zahnlosen Bereichen stellt die konventionelle Abformung nach wie vor den klinischen Standard dar. Digitale Methoden können ergänzend genutzt werden, etwa zur Herstellung individueller, 3D-gedruckter Abformlöffel, die in einer In-vitro-Studie die Genauigkeit der Implantatabformung im Vergleich zu herkömmlichen individuellen Löffeln signifikant erhöhten [Schmidt, 2023]. Ähnlich wie beim Zahnersatz auf natürlichen Pfeilerzähnen ist in der zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (1021) Abb. 6: Beispiel einer druckfreien Erfassung des periimplantären Weichgewebes in regio 46 mittels Intraoralscanner (Trios 6, 3Shape) ohne (a) und mit Scanbody (b) Abb. 7: Okklusale Aufsicht eines Intraoralscans (Trios 5, 3Shape) zur digitalen Abformung der präparierten Pfeilerzähne und Implantate mittels eingeschraubter Scanbodies Abb. 5: Digitale Abformung mittels Intraoralscan (Trios 5, 3Shape) bei Versorgung einer festsitzenden implantatgetragenen Brückenkonstruktion im dritten Quadranten nach Rekonstruktion mittels Fibula-Transplantat Fotos: Zahnmedizinische Prothetik, CAU Kiel a b
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