ZAHNMEDIZIN | 47 Fotos: Universitätsmedizin Mainz tonie, eine Herzinsuffizienz sowie ein Diabetes mellitus Typ II vor. Neben verschiedenen Antihypertonika und Antidiabetika nahm der Patient zur Prävention eines embolischen Ereignisses zudem Marcumar ein. Klinisch präsentierte sich der Befund als kugelig-rundliche, weich-verschiebliche, nicht druckdolente circa 3 cm x 3 cm große Raumforderung am rechten Zungenrand (Abbildung 1). Zur weiteren Einordnung der Ausdehnung und der Dignität erfolgte die Durchführung einer Magnetresonanztomografie. Darin zeigte sich eine Raumforderung der rechten Zunge mit einem Durchmesser von bis zu 38 mm. Aufgrund der speziellen Charakteristika aus T1-Hyperintensität und fehlendem Signal in den fettsupprimierten Sequenzen wurde die Verdachtsdiagnose eines Lipoms gestellt (Abbildung 2). Zusammen mit dem Patienten wurde entschieden, den zunehmend größenprogredienter und im Alltag störenden Befund in einer Intubationsnarkose zu entfernen. Im Rahmen des operativen Eingriffs erfolgte zunächst eine horizontale Schnittführung (längs des Zungenkörpers), bis sich die Raumforderung schließlich in einer derben, epithelial anmutenden Schicht eingekapselt darstellen ließ. Diese wurde vollständig enukleiert und in toto an die Pathologie der Klinik versendet. Der Wundverschluss erfolgte nach Einlage einer Drainage primär über die Inzision (Abbildung 3). Der Patient wurde anschließend aufgrund des erhöhten Schwellungs- und Nachblutungsrisikos über 48 Stunden stationär überwacht. In der postoperativen Kontrolle zwei Wochen nach Entlassung zeigte sich eine regelrechte Wundheilung (Abbildung 4). Histopathologisch zeigte sich ein Lipom. In der ergänzenden FISHAnalyse ergab sich kein Hinweis auf eine MDM2-Amplifikation. Diskussion Beim Lipom handelt es sich um einen benignen mesenchymalen Tumor reifer Adipozyten. Er zählt zu den häufigsten Weichteiltumoren des Erwachsenenalters [Kretschmer, 2022]. In der Mundhöhle handelt es sich jedoch insgesamt um eine seltene Entität [Egido-Moreno et al., 2016; Yoon et al., 2022; Lysenko et al., 2024]. Oral lokalisierte Lipome präsentieren sich – wie in diesem Fall – typischerweise als langsam wachsende, weichelastische, gut verschiebliche submuköse Raumforderungen, die von normal erscheinender Schleimhaut bedeckt sind [Egido-Moreno et al., 2016; Pires et al., 2021]. Histologisch besteht meist reifes Fettgewebe, das normalem Fettgewebe ähnelt, jedoch häufig eine lobuläre Anordnung mit feinen bindegewebigen Septen aufweist [Kretschmer, 2022]. Innerhalb der Mundhöhle bildet das Zungenlipom eine seltene Untergruppe, die aufgrund der funktionellen Bedeutung des Organs sowie der im Vergleich zu anderen intraoralen Lokalisationen geringeren zm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1385) Abb. 3: Schritte der operativen Entfernung des Befunds: A: Längsinzision der Zunge mit Darstellung der dünnen Begrenzung zur Zungenmuskulatur B: Vorsichtige Enukleation des Befunds unter Mitnahme der Grenzschicht C: Präparat vor Versendung an die Pathologie ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. A C B
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