70 | ZAHNMEDIZIN FALLBERICHT AUS DEM DGZ-JUNIORSPEZIALISIERUNGSPROGRAMM Partielle Pulpotomie bei traumatischen Pulpaeröffnungen Charlotte Wetzel, Marie Eckhardt Zahnfrakturen mit Beteiligung der Pulpa sind eine der anspruchsvollsten klinischen Situationen in der Zahnerhaltung. Die Therapieentscheidung muss häufig unter Zeitdruck getroffen werden. Während die Wurzelkanalbehandlung lange als Standardtherapie galt, zeigt die Evidenz der vergangenen Jahrzehnte eindeutig, dass die Vitalerhaltung durch die partielle Pulpotomie bei traumatischer Pulpaexposition nicht nur möglich, sondern Therapie der Wahl ist. Der Beitrag zeigt die Therapieschritte bei zwei unterschiedlichen klinischen Verläufen. Histologische Untersuchungen belegen, dass entzündliche Veränderungen nach traumatischer Pulpaexposition selbst nach mehrtägigem Kontakt zur Mundhöhle auf die koronalen 2 mm der Pulpa begrenzt bleiben [Cvek et al., 1982]. Ohne adäquate Therapie kommt es in der Folge zu einer Pulpanekrose. Durch die gezielte Abtragung des oberflächlich kontaminierten Pulpagewebes kann jedoch eine vital reagierende Wundfläche geschaffen werden, die eine kontrollierte Gewebeheilung mit Ausbildung einer Hartgewebsbarriere ermöglicht [Duncan et al., 2019; Krastl et al., 2021]. Die partielle Pulpotomie ist indiziert bei einer klinisch gesunden Pulpa, in Einzelfällen kann der Eingriff auch bei Symptomen einer reversiblen Pulpitis erwogen werden. Spontane und reizunabhängige Schmerzen, eine eitrige Exsudation, apikale Aufhellungen oder ausgeprägte Dislokationsverletzungen sprechen für eine irreversible Pulpaschädigung und stellen klare Kontraindikationen dar [DGMKG/DGZMK, 2022; Robertson et al., 2000]. Das Patientenalter beeinflusst die Prognose: Junge Pulpen verfügen über eine hohe Regenerationsfähigkeit und reagieren zuverlässig mit einer Dentinbrückenbildung. Mit zunehmendem Alter nimmt dieses regenerative Potenzial infolge einer zunehmenden Faserigkeit und Zellarmut der Pulpa ab [Goodis und Simon, 2012; Murray et al., 2002]. Dagegen haben die Zahnposition sozm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1408) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden. WORKFLOW ZUR DURCHFÜHRUNG EINER PARTIELLEN PULPOTOMIE Maßnahme Benötigte Materialien Durchführung Lokalanästhesie Lokalanästhetikum Kofferdam Kofferdamtuch, Kofferdamspannrahmen, gegebenenfalls Kofferdamklammer Durchführung partieller Pulpotomie (min. 2 mm) Diamantierter Kugelschleifkörper (kein Rosenbohrer aufgrund Quetschung des Pulpagewebes) Blutstillung durch leichtes befeuchtetes Schaumstoffpellet oder beträufeln Blutungsstillung nach max. 5 min bei persistierender Blutung ist von einer Infektion der Pulpa auszugehen und eine tiefere Abtrennung indiziert, gegebenenfalls vollständige Pulpotomie Natriumhypochlorit (2 – 5 %) Abdeckung des koagelfreien Pulpagewebes Goldstandard: Kalziumsilikatzement (MTA, Biodentine®) Alternative: Kalziumhydroxid-Suspension Abdeckung des Überkappungsmaterials Selbstadhäsives Komposit oder Glasionomerzement Bakteriendichter Verschluss der verbleibenden Fraktur (definitiv oder provisorisch) Komposit Alternative: Glasionomerzement Tab. (Quelle: Wetzel et Eckhardt)
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