Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 18

72 | ZAHNMEDIZIN Fall 1: Frontzahntrauma beim jungen Erwachsenen – Vitalerhalt durch partielle Pulpotomie Ein 20-jähriger Patient stellte sich drei Tage nach einem Fahrradsturz mit Aufprall auf den Oberkiefer in der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Uniklinik Köln vor. Die Erstversorgung war am Unfalltag im zahnärztlichen Notdienst alio loco erfolgt. Neben oberflächlichen Gesichtsverletzungen wurden eine Commotio sowie Frakturen initial ausgeschlossen. Der Allgemeinzustand und die Allgemeinanamnese des Patienten waren unauffällig, Tetanusschutz bestand. Befunde und Diagnostik Intraoral zeigten die Zähne 11 und 21 provisorisch abgedeckte Kronenfrakturen. Beide Zähne reagierten positiv auf die Sensibilitätsprüfung, waren perkussionsempfindlich und zeigten keine Lockerung. Klinische Hinweise auf eine Dislokationsverletzung bestanden nicht (Abbildung 1). Radiologisch zeigte sich an Zahn 21 eine geringfügige Erweiterung des apikalen Desmodontalspalts. Die periapikalen Verhältnisse waren ansonsten unauffällig; Hinweise auf Wurzelfrakturen ergaben sich nicht (Abbildung 2). Nach Entfernung der provisorischen Abdeckung unter Kofferdam wurden folgende Diagnosen gestellt: „ 11 Schmelz-Dentin Fraktur mit Pulpaeröffnung (0,5 mm x 1 mm) „ 21 Schmelz-Dentin-Fraktur ohne Pulpaeröffnung Therapie Zahn 11: Nach partieller Pulpotomie bis zu einer Tiefe von etwa 2 mm mit einem diamantierten Kugelschleifkörper erfolgte die Blutstillung mittels 4-prozentigem Natriumhypochlorit. Eine suffiziente Hämostase wurde nach vier Minuten erreicht (Abbildung 4). Anschließend wurde die Pulpa mit einem Kalziumsilikatzement (MTA Putty, Nusmile) überkappt und das Material mit einem selbstadhäsiven Kompositzement (RelyX Unicem, 3M) abgedeckt (Abbildung 5). Abschließend erfolgte der bakteriendichte provisorische Verschluss mittels Komposit (CeramX Spectra ST, Densply) in Adhäsivtechnik. Zahn 21: Zum Schutz des Endodonts wurde eine bakteriendichte, provisorische Kompositfüllung gelegt. Verlauf Der Patient entschied sich für die Weiterbehandlung bei seinem Hauszahnarzt. Hierfür erhielt er den DGETTraumabogen sowie die angefertigten Röntgenbilder für die empfohlenen zm116 Nr. 18, 16.09.2026, (1410) Abb. 4: Intraoperativer Befund nach partieller Pulpotomie: Es zeigt sich koagelfreies, vitales Pulpagewebe bei sistierender Blutung. Abb. 5: Intraoperativer Befund nach Abdeckung des Pulpagewebes mit einem Kalziumsilikatzement Abb: 3: Nach Entfernung der provisorischen Abdeckung zeigte sich die traumatisch eröffnete Pulpa. Abb. 1: Intraorale Ausgangssituation mit provisorisch abgedeckten Kronenfrakturen an den Zähnen 11 und 21 Fotos: Marie Eckhardt Abb. 2: Diagnostische Zahnfilme der Zähne 12 bis 22

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